Depression bei Männern

Timo Hildebrand über Erschöpfung, Burnout, Leistungsdruck im Profi Fußball

24.11.2025
Depression bei Männern –Timo Hildebrand über Erschöpfung, Burnout, Leistungsdruck im Profi Fußball

„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.

Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️

Jetzt anhören auf:
Inhalt

Angst unplugged: Wenn Leistung unter Druck entsteht – Ex-Profifußballer Timo Hildebrand über Depression, Angst und den Weg zu mehr Vertrauen

In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Host Christina Hillesheim mit Ex-Profifußballer Timo Hildebrand über Depression, Energielosigkeit, Leistungsdruck im Profisport und den Mut, als Mann offen über psychische Gesundheit zu reden.

Die beiden zeigen, wie sehr Kindheit, Beziehungen, Alltag und Lebensstil unsere mentale Gesundheit beeinflussen – und warum Heilung kein Knopfdruck ist, sondern viele kleine Entscheidungen im Alltag.

Unser Gast: Timo Hildebrand

Timo Hildebrand ist ehemaliger Profitorwart, spielte unter anderem für den VfB Stuttgart, Schalke, Eintracht Frankfurt, Valencia, Lissabon und war Teil der deutschen Nationalmannschaft. Heute lebt er einen ganz neuen Lebensweg: Er führt ein veganes Restaurant in Stuttgart, engagiert sich sozial und beschäftigt sich intensiv mit den Themen Ernährung, mentale Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Timo spricht offen über seine Erfahrungen mit Depression, Energielosigkeit, Beziehungsproblemen und Druck im Profisport – und darüber, wie Coaching, Breathwork, ein bewusster Lebensstil und innere Arbeit ihm geholfen haben, Schritt für Schritt in mehr Selbstvertrauen und Freiheit zu kommen.

Psychische Gesundheit bei Männern: Warum Offenheit Leben retten kann

Die Folge zeigt eindrücklich, wie wichtig es ist, dass Männer offen über Depression, Angst und Überforderung sprechen. Gerade im Profisport herrscht oft noch eine Kultur aus Härte, Funktionieren und „Ellbogengesellschaft“.

Timo beschreibt sehr klar:

„Ich finde es extrem wichtig, dass Vorbilder oder auch Menschen, die in der Öffentlichkeit stehen, ohne Probleme darüber reden.“

Besonders deutlich wird:

  • Verletzlichkeit ist keine Schwäche, sondern macht andere mutig, sich Hilfe zu holen.
  • Männer schämen sich häufig, über Depression oder Angst zu sprechen – aus Angst vor Bewertung, Jobverlust oder Ansehensverlust.
  • Gerade prominente Beispiele wie Robert Enke oder Suizide im privaten Umfeld zeigen, wie dramatisch es werden kann, wenn Probleme verborgen bleiben.

Christina betont, wie wichtig männliche Vorbilder sind, damit sich andere Männer wiedererkennen und merken:

„Wenn der das hatte oder wenn dem es genauso ging, dann muss ich mich da nicht schämen oder bin damit nicht alleine.“

Auch im Fußball hat sich vieles verändert: Viele Vereine haben heute Sportpsychologen und Mentaltrainer, Trainer führen ein moderneres Leadership, Hierarchien sind weniger starr. Trotzdem bleibt: Am Ende steht jeder Spieler allein auf dem Platz – und braucht mentale Stärke und Unterstützung.

Kindheit, Beziehungen und Opferrolle: Durch den Schmerz in die Freiheit

Ein zentrales Thema im Gespräch ist Timos Kindheit mit einem alkoholkranken Vater und der große Einfluss, den das auf seine späteren Beziehungen und sein Selbstbild hatte.

Zu Hause gab es keine stabile, liebevolle Partnerschaft als Vorbild. Timo beschreibt, wie sehr ihn das bis heute prägt – vor allem im Bereich Beziehungen:

„Eine gesunde Beziehung zu Hause hat bei uns halt einfach nicht stattgefunden. […] Es ist umso wichtiger, sich diesem Thema auch zu stellen.“

Christina und Timo sprechen sehr differenziert über die Balance zwischen Kindheit anerkennen und Verantwortung übernehmen:

  • Ja, die eigene Geschichte darf benannt werden – auch mit klaren Worten wie „Das war scheiße“.
  • Mitgefühl für das eigene frühere Ich ist wichtig.
  • Gleichzeitig hilft es nicht, ein Leben lang in der Opferrolle zu bleiben und alles auf die Eltern zu schieben.

Timo fasst seinen wichtigsten inneren Wendepunkt in einem einzigen Coaching-Satz zusammen:

„Du musst durch den Schmerz in die Freiheit kommen.“

Für ihn bedeutet das konkret:

  • Gefühle nicht länger verdrängen, sondern fühlen, auch wenn es weh tut.
  • Die Entscheidung treffen: stelle ich mich der Angst oder laufe ich weiter weg?
  • Durch die Konfrontation mit Schmerz und Angst wieder in Selbstermächtigung und Eigenverantwortung kommen.

Christina ergänzt aus ihrer eigenen Erfahrung mit Depression und Angststörung: Je mehr man Gefühle wegdrücken will, desto stärker drängen sie sich auf. Heilung entsteht eher durch Annahme und Durchfühlen als durch Kampf und Kontrolle.

Raus aus der Endlosschleife der Selbstanalyse

Ein weiterer wichtiger Punkt: Sich mit der eigenen Geschichte zu beschäftigen ist wichtig, aber sich jahrelang nur noch im Problem zu drehen, ist ebenso belastend.

„Ich hatte irgendwann auch keinen Bock mehr, mich damit zu beschäftigen und einfach wieder zu leben.“

Timo beschreibt, wie hilfreich es war, irgendwann bewusst zu sagen:

  • Ja, es gibt Themen.
  • Aber mein Leben soll sich nicht nur noch darum drehen.
  • Es darf auch wieder leicht sein, fließen, Freude machen.

Christina ordnet das gut ein: Tiefenpsychologische Aufarbeitung kann wichtig sein, aber irgendwann braucht es den Blick nach vorne: „Was kann ich heute konkret tun, damit es mir besser geht?“

Leistungsdruck, Angst & Urvertrauen: Mentale Stärke im Profisport und im Alltag

Als Torwart stand Timo permanent unter Beobachtung. Fehler sind sichtbar, werden oft nicht verziehen, Medien und Fans reagieren gnadenlos. Trotzdem war Fußball lange sein Safe Space:

„Für mich war Fußball so ein Safe Space, da wusste ich, was ich zu tun habe.“

Gleichzeitig beschreibt er:

  • Schon früh fehlte ihm ein tiefes Urvertrauen, das er bei anderen Sportlern beobachtete.
  • Probleme in Beziehungen oder im privaten Umfeld konnte er nicht einfach ausblenden – sie nahmen Energie, auch auf dem Platz.
  • Es gab Spiele, in denen er ohne Energie im Tor stand und sich im Nachhinein fragte, wie das überhaupt funktionieren konnte.

Fehlerkultur: Abhaken statt zerbrechen

Im Profifußball ist es überlebenswichtig, mit Fehlern umgehen zu können:

„Als Sportler musst du abhaken. Sonst ist deine Karriere relativ kurz.“

Timo beschreibt, was er aus dieser Zeit für sich mitgenommen hat:

  • Fehler sind Informationen, keine endgültigen Urteile.
  • Es geht darum, zu fragen: Was mache ich beim nächsten Mal anders?
  • Wer sich an einem Fehlpass oder Gegentor festbeißt, kommt nicht weiter – weder im Spiel noch im Leben.

Diese Haltung lässt sich auch auf andere Lebensbereiche übertragen:

  • Fehler im Job, in Beziehungen oder im eigenen Heilungsprozess sind normal.
  • Entscheidend ist nicht, ob immer alles gelingt, sondern ob du trotzdem weitergehst.

Urvertrauen als Entscheidung – nicht als Wunder über Nacht

Viele Hörerinnen und Hörer von „Angst unplugged“ kennen das: Urvertrauen fehlte in der Kindheit. Wie soll man das plötzlich fühlen?

Christina beschreibt ihren Weg so:

  • Urvertrauen ist zunächst eine Entscheidung im Kopf, nicht ein spontanes Gefühl.
  • Immer wieder bewusst sagen: „Ich vertraue, dass das gut ausgehen kann.“
  • Dann ins Handeln kommen, Erfahrungen sammeln und sehen: „Es hat tatsächlich funktioniert.“

Durch viele solcher kleinen Entscheidungen – im Business, bei neuen Projekten, in persönlichen Themen – kann Vertrauen langsam wieder aufgebaut werden. Timo bestätigt diese Erfahrung:

„Es läuft ja nicht immer gut, aber du machst eine Erfahrung. […] In dem Moment hast du einfach diese Entscheidung getroffen.“

Seine Devise:

  • Entscheidungen treffen, statt aus Angst gar nichts zu tun.
  • Auch „falsche“ Entscheidungen liefern wichtige Learnings.
  • Sich bewusst machen: „Ich habe damals nach bestem Wissen und Gewissen entschieden.“

So wird Schritt für Schritt Platz für mehr Vertrauen ins Leben – auch wenn das Urvertrauen aus der Kindheit nicht da war.

Ganzheitliche Selbstfürsorge: Ernährung, Breathwork & viele kleine Schritte

Ein großes Thema im Gespräch ist die Frage: Was kann ich konkret tun, damit es mir besser geht? Gerade, wenn man keine „magische Lösung“ erwartet, sondern bereit ist, viele kleine Dinge zu verändern.

Breathwork, Coaching und innere Transformation

Timo hat in den letzten Jahren intensiv mit Coachings und Breathwork gearbeitet. Besonders Breathwork erlebt er als tief wirkendes Tool:

  • Durch verschiedene Atemtechniken tauchen plötzlich Bilder, Gefühle und Emotionen auf.
  • Reaktionen verändern sich – ohne dass man genau erklären kann, warum.
  • Mit der Zeit entsteht eine spürbare Transformation im eigenen Erleben und Handeln.

Sein Fazit:

„So eine Transformation hat auf jeden Fall stattgefunden in den letzten zwei, drei Jahren.“

Für ihn ist besonders wichtig:

  • Heilung ist ein Prozess, kein Overnight-Erfolg.
  • Man lernt sich selbst immer wieder neu kennen – Themen aus der Kindheit tauchen auch später noch auf.
  • Trotzdem kann sich das eigene Leben spürbar verändern, wenn man dranbleibt.

Lebensstil als Energiequelle: Ernährung, Schlaf, Alkohol & Co.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Einfluss von Ernährung und Lebensstil auf die mentale Gesundheit. Timo ernährt sich überwiegend pflanzlich und betreibt ein veganes Restaurant in Stuttgart. Er betont:

  • Er ist kein „perfekter“ Veganer, aber: pflanzliche Ernährung als Basis ist für ihn logisch.
  • Themen wie Fleisch, Alkohol, Rauchen, Schlafmangel, zu viel Kaffee sind keine Glaubenssache, sondern beeinflussen ganz real die eigene Energie.
  • Viele unterschätzen, wie stark diese Faktoren Stimmung, Angstlevel, Erschöpfung und Gedanken beeinflussen.

Christina bringt es auf den Punkt: Es geht nicht darum, nie wieder ein Glas Bier zu trinken oder nie wieder Fleisch zu essen – sondern um Bewusstsein und Ehrlichkeit:

  • Nicht so tun, als wäre Rauchen oder täglicher Alkoholkonsum „nicht so schlimm“.
  • Sich eingestehen: „Ich weiß, dass es nicht gesund ist, und entscheide mich trotzdem dafür.“
  • Verstehen, dass die Summe vieler kleiner Entscheidungen das Wohlbefinden massiv beeinflusst.

Timo empfiehlt, es spielerisch anzugehen:

„Mach mal zwei Wochen extrem gesund und dann geh einfach wieder zu deinem alten Lebensstil. Nichts ist in Stein gemeißelt, du kannst alles sofort wieder ändern. Aber du wirst einfach spüren.“

Gerade für Menschen mit Angst, Depression oder Energielosigkeit kann es enorm helfen, einmal bewusst zu testen:

  • Wie geht es mir mit weniger Alkohol?
  • Was verändert sich, wenn ich besser schlafe?
  • Wie fühle ich mich mit mehr Bewegung, frischer Luft, Meditation, Breathwork?

Kleine Schritte statt Perfektionismus

Beide betonen immer wieder: Es sind nicht die eine große Methode oder der eine perfekte Plan. Es sind:

  • Viele kleine Schritte im Alltag.
  • Neue Dinge ausprobieren, ohne Druck, dass sofort alles funktionieren muss.
  • Dranbleiben, wenn etwas gut tut, und anderes wieder loslassen.

Christina beschreibt ihren eigenen Weg aus Angststörung und Depression seit 2016 genau so: ein längerer Prozess, viele Versuche, Kurskorrekturen – und heute deutlich mehr Freiheit und Vertrauen.

Weitere Inhalte der Podcastfolge

  • Warum es so wertvoll ist, wenn Ex-Betroffene ihre Geschichte teilen – und wie das anderen Hoffnung geben kann.
  • Die Gefahr, dass Depression aufgrund von Scham und Schweigen unentdeckt bleibt – bis hin zu Suizidgedanken.
  • Wie sich gesellschaftlicher Druck, Social Media und Leistungserwartungen auf Männer und Frauen unterschiedlich auswirken.
  • Was Timo aus seiner Karrierepause ohne Verein gelernt hat und warum Demut eine große Rolle spielt.
  • Warum Vertrauen ins Leben oft erst entsteht, wenn wir Taten vor Gefühle setzen und uns später über die Erfolge freuen.
  • Eine persönliche Geschichte zum Abschluss: Timos emotionales Erlebnis als Trauzeuge bei der Hochzeit eines seiner besten Freunde.
Jetzt anhören auf:

Diese Folgen könnten dir auch gefallen

Wenn du tiefer in das Thema einsteigen möchtest

Reduziert

Ursprünglicher Preis war: 39,90 €Aktueller Preis ist: 19,90 €. inkl. 19% MwSt.

Reduziert

Ursprünglicher Preis war: 19,90 €Aktueller Preis ist: 16,90 €. inkl. 19% MwSt.

Keine Folge verpassen

Du interessierst dich für das Thema mentale Gesundheit, angstfrei und glücklich leben? Dann melde dich doch zu meinem kostenlosen Newsletter an. Direkt nach Anmeldung erhältst du meine Happy News mit Updates zu neuen Blog Beiträgen, Podcast Folgen, Freebies sowie vielen exklusiven Community- und Bonus-Aktionen.