„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.
Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️
In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Christina mit der bekannten Psychologin und Psychotherapeutin Stefanie Stahl über Bindungsangst, Verlustangst, Selbstwert und den „Bauplan der Psyche“. Es geht darum, warum sich bestimmte Beziehungsmuster immer wiederholen, weshalb sich Verliebtheit oft wie eine Droge anfühlt und wie du Schritt für Schritt aus ungesunden Dynamiken aussteigen kannst.
Stefanie Stahl ist Diplom-Psychologin, Psychotherapeutin und eine der bekanntesten Psychologinnen Deutschlands. Sie arbeitet in eigener Praxis in Trier, ist erfolgreiche Sachbuchautorin (u. a. „Jeder ist beziehungsfähig“, „Das Kind in dir muss Heimat finden“, „Wer wir sind“ mit passendem Arbeitsbuch) und hostet mehrere Podcasts, in denen sie psychologische Themen praxisnah und verständlich erklärt. Ihr Schwerpunkt: Bindung, Selbstwert und wie alte Prägungen unsere heutigen Beziehungen und Ängste steuern.
Eine Angst kommt selten allein. Viele Hörerinnen und Hörer von „Angst unplugged“ kennen neben klassischen Angststörungen auch Beziehungsthemen wie Verlustangst und Bindungsangst. Stefanie erklärt, warum Bindungsangst oft gar nicht nach „Ängstlichkeit“ aussieht – und warum ausgerechnet sehr autonome, vermeintlich starke Menschen betroffen sind.
Unsere Psyche wird von vier Grundbedürfnissen gesteuert. Besonders wichtig im Kontext Bindungsangst sind:
Diese Grundbedürfnisse sind angeboren und universell. Schwierig wird es, wenn sie in der Kindheit nur unter bestimmten Bedingungen erfüllt werden. Etwa dann, wenn du früh lernst:
Daraus entwickeln sich zwei typische Muster:
Aus dieser „Anpassungsallergie“ entsteht häufig klassische Bindungsangst.
Bindungsängstliche Menschen können sich sehr heftig verlieben. Das angeborene Bindungsbedürfnis ist da. Das Problem beginnt, sobald aus Verliebtheit eine verbindliche Beziehung werden soll.
Stefanie nennt ein zentrales Muster dabei „Schwächen-Zoom“:
„Man zoomt sich in Kleinigkeiten rein – die Nase ist zu klein, der Hintern zu dick oder er macht Kaugeräusche – und ist plötzlich total abgeturnt.“
Für das Gegenüber – häufig eher verlustängstlich – ist dieses Hin und Her hoch verunsichernd. Kontrollverlust, Leidenschaft und Idealisierung verstärken sich gegenseitig. Stefanie erklärt dazu:
„Dieses viele Dopamin im Gehirn bewirkt eine unglaubliche Idealisierung – und Kontrollverlust ist ungeheuer befeuernd für die erotische Leidenschaft.“
Verliebtheit fühlt sich dann wie eine Droge an. Liebe hingegen beschreibt Stefanie als:
Viele verwechseln diesen ruhigen Zustand mit „Langeweile“ und jagen immer wieder dem Kick der Verliebtheit hinterher.
Verlustangst und Bindungsangst sind oft zwei Seiten derselben Medaille. Christina beschreibt, wie sie sich früher immer wieder in bindungsängstliche Männer verliebte und überzeugt war: „Ich habe halt Pech mit Männern.“ Erst durch Stefanies Buch erkannte sie: Ihr eigenes Bindungsthema spielt eine zentrale Rolle bei der Partnerwahl.
Stefanie erklärt, warum schwer erreichbare Partner so eine große Anziehung entwickeln:
Die Folge:
Stefanies entzaubernder Satz, der vielen hilft, Distanz zu gewinnen:
„Vielleicht ist er gar nicht der unerreichbare Held deiner Träume, sondern einfach ein Mensch, der ein großes Problem mit Nähe hat.“
Für die verlustängstliche Seite ist der erste Schritt Bewusstsein statt Betäubung. Stefanie empfiehlt:
Dann ist die harte, aber klare Wahrheit: Es wird sich sehr wahrscheinlich nicht ändern.
Wir lernen unseren Selbstwert ursprünglich im Spiegel unserer Eltern: Wie sie auf uns reagieren, prägt, was wir glauben, „wert“ zu sein. Später im Leben übertragen wir diesen Mechanismus unbewusst auf Partner und andere wichtige Menschen.
Verlustängstliche reagieren darauf, indem sie immer mehr geben, um den Spiegel „zu reparieren“:
Stefanie beschreibt das so:
„Der Täter, der mir die Wunden zufügt, soll in Personalunion auch der Arzt sein, der sie mir wieder verbindet, indem er sich doch zu mir bekennt.“
Das vermeintliche Happy End: „Je schwerer er zu bekommen ist, desto wertvoller bin ich, wenn ich ihn schließlich überzeugt habe.“ In der Praxis führen diese Fantasien fast immer in die Selbstaufgabe und selten in eine stabile Beziehung.
Wenn der bindungsängstliche Partner schon innerlich halb draußen ist, sich nicht reflektieren möchte und keine Veränderung anstrebt, ist die Botschaft klar:
Erst wenn der Bindungsängstliche selbst Leidensdruck spürt (Kontrollverlust, realer Verlust), kann Motivation für echte Veränderung entstehen. Kommt er dann zurück, lautet Stefanies Rat:
Selbst dann bleibt die Frage: Ist mir diese Anstrengung das wirklich wert?
Im zweiten Teil der Folge spricht Stefanie über ihr Arbeitsbuch zu „Wer wir sind“ und den „Bauplan der Psyche“. Ihre These: Wir sind psychisch einfacher aufgebaut, als wir denken – und genau das kannst du nutzen, um dich nicht länger von unbewussten Mustern steuern zu lassen.
Unter „Psyche“ versteht Stefanie unser komplettes mentales Betriebssystem:
Der Bauplan ist bei allen Menschen ähnlich, aber er wurde durch deine Biografie individuell „programmiert“. Wichtig ist vor allem:
Beispiel Angst (passend zu „Angst unplugged“):
Eine soziale Phobie etwa flüstert: „Bleib zu Hause, nur dort bist du sicher.“ Kurzfristig nimmt die Anspannung ab, langfristig werden:
Wer seine inneren Prozesse versteht, ist nicht mehr Sklave des eigenen Gehirns, sondern kann bewusster entscheiden.
Psychisch gibt es im Kern nur zwei Bewegungsrichtungen:
Gerade bei Burnout ist das wichtig:
Perfektionismus wirkt nach außen wie ein Annäherungsziel („Ich will das perfekt machen“), ist innerlich jedoch meist von einem Vermeidungsmotiv durchdrungen:
Das Problem: Vermeidungsziele lassen sich nie endgültig erreichen. Kaum ist eine Gefahr abgewehrt, lauert schon die nächste. Die Folge ist eine dauerhafte Grundanspannung, die viele als „normal“ empfinden, bis der Körper streikt.
Stefanie sagt selbst: Das Buch richtet sich an eine Zielgruppe von „100 Prozent“ – weil jeder Mensch eine Psyche hat und mit ihr besser umgehen kann. Es eignet sich besonders für Menschen, die:
Aufbau des Arbeitsbuchs:
Du kannst entweder generell an deinem Selbstverständnis arbeiten oder ein konkretes Problem mit dem Buch Schritt für Schritt durchgehen.
Ein Kernaspekt aus Stefanies Arbeit und dieser Folge: Angst ist meist eine Reaktion auf Gedanken, nicht auf das Hier und Jetzt.
Oft ist im Moment eigentlich alles in Ordnung, doch ein Gedanke schubst uns in die Angst. Beispiel:
Jedes Mal, wenn ein solcher Gedanke kommt, schlägt die Angst Alarm. Stefanie empfiehlt dann:
Diese Übung wirkt unspektakulär, ist aber hoch wirksam – vor allem, wenn du sie konsequent wiederholst.
Viele Ängste stammen nicht aus der aktuellen Situation, sondern aus früheren Erfahrungen:
Im Arbeitsbuch und in ihrer Arbeit legt Stefanie deshalb viel Wert darauf, immer wieder bewusst zu unterscheiden:
Allein diese Unterscheidung kann Ängste deutlich entlasten.
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