(Soziale) Ängste, Depressionen und die Liebe zum Schreiben

Interview mit Tim von mymonk.de

11.02.2024
Interview mit Tim von mymonk.de über soziale Ängste, Depressionen und die Liebe zum Schreiben – Podcastfolge über persönliche Entwicklung

„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.

Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️

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Inhalt

Wenn Schreiben die Angst berührt: Soziale Ängste, Depression und Heilung in Worten

In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Host Christina Hillesheim mit Autor und MyMonk-Gründer Tim Schlenzig über soziale Ängste, Depressionen und die heilsame Kraft des Schreibens. Beide teilen sehr offen ihre persönlichen Geschichten mit Angst, Panik, Einsamkeit und innerem Druck – und zeigen, wie Ausdruck, Verbindung und Akzeptanz den Weg in ein lebenswertes Leben ebnen können.

Die Zielgruppe dieser Folge sind vor allem Menschen, die:

  • unter Angststörungen, Panik, Gesundheitsangst oder sozialer Angst leiden
  • depressive Phasen oder ein Burnout erlebt haben oder aktuell darin stecken
  • nach praktischen, alltagstauglichen Wegen suchen, besser mit ihren Gefühlen umzugehen
  • sich für Schreiben als Selbsthilfe-Tool und persönliche, ehrliche Erfahrungsberichte interessieren

Unser Gast: Tim Schlenzig

Tim Schlenzig ist der Kopf hinter einem der bekanntesten deutschen Onlineportale für mentale Gesundheit: MyMonk. Seit 2012 schreibt er über innere Ruhe, Selbstzweifel, Überforderung und den Weg zu einem freundlicheren Umgang mit sich selbst.

Was viele nicht wissen: Hinter den lebensnahen, oft hoffnungsvollen Texten steckt ein Mensch, der selbst lange mit sozialer Phobie, Panikattacken, Einsamkeit und Depression gelebt hat. In seinem Buch „Sei dein eigenes Zuhause“ verarbeitet Tim diese Erfahrungen in kurzen, verdichteten Texten, die viele Leserinnen und Leser tief berühren – gerade weil sie nichts beschönigen.

In dieser Podcastfolge spricht er offen darüber,

  • wie früh seine Ängste begonnen haben
  • welche Rolle eine schwere Krankheit als Baby und lange Krankenhausaufenthalte gespielt haben
  • warum Schreiben für ihn möglicherweise sogar lebensrettend war
  • und wie er gelernt hat, mit sozialen Ängsten zu leben, ohne dass sie sein Leben bestimmen.

Wie alles anfing: Frühkindliche Angst, Einsamkeit und ein Körper im Alarmmodus

Tim beschreibt seine Angstgeschichte als etwas, das „keinen richtigen Anfang“ hat. So weit er zurückdenken kann, waren Ängste Teil seines Lebens.

Frühe körperliche Symptome ohne Erklärungen

Schon im Vorschulalter hatte Tim das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen:

„Ich war vielleicht vier oder fünf und habe immer wieder ganz tief eingeatmet und hatte trotzdem das Gefühl: Es reicht nicht.“

Seine Eltern gingen mit ihm zum Arzt. Die Antwort damals: „Passt schon.“ Kein weiterer Blick auf sein Nervensystem, keine Erklärung, kein Halt. Für ein Kind, das Panik erlebt, ist das wenig tröstlich.

Heute vermutet er, dass diese frühen Erfahrungen, zusammen mit einer schweren Erkrankung als Baby und mehreren Wochen im Krankenhaus ohne direkten Elternkontakt, einen tiefen Abdruck hinterlassen haben:

  • Gefühl von Verlassenheit und existenzieller Unsicherheit
  • Nervensystem im Dauer-Alarmzustand
  • frühe Grundlage für Panik, Angst und soziale Unsicherheit

Christina erkennt sich darin teilweise wieder. Auch sie kennt Ängste „seit Grundschulzeit“, vor allem in Form von Verlustangst um ihre Mutter: Schon wenige Minuten Verspätung reichten, um massive Panik auszulösen. Beide Geschichten zeigen:

  • Ängste beginnen oft sehr früh.
  • Sie sind nicht „plötzlich da“, sondern wachsen aus vielen, oft übersehenen Erfahrungen.
  • Eltern, Bindungspersonen und medizinische Reaktionen prägen, wie sicher oder ausgeliefert sich ein Kind in der Welt fühlt.

Wenn Angst sich verwandelt: Vom Paniksturm zum Dauersorgen-Modus

Im Laufe der Jahre haben sich Tims Ängste immer wieder verändert:

  • Phasen mit Panikattacken
  • Zeiten mit starker sozialer Phobie
  • später eher diffuse, dauerhafte Sorgen und Grübelschleifen

Er beschreibt etwas, das viele kennen: Wenn Panikattacken nachlassen, verschwinden die Ängste nicht immer komplett. Sie „breiten sich aus“, werden allgemeiner, etwa als:

  • ständiges Kontrollieren („Habe ich wirklich die Tür abgeschlossen?“)
  • übermäßige Sorgen um Gesundheit, Zukunft oder Alltag

Christina ergänzt aus ihrer Erfahrung, dass der Körper lernen kann, Panik nicht mehr ernst zu nehmen. Ihre Panikattacken endeten irgendwann, auch wenn Angstzustände und generelle Anspannung sie noch im Burnout begleiteten. Entscheidend: Der Umgang damit veränderte sich.

Wenn Depression taub macht: Nichts fühlen, nichts weinen – und trotzdem schreiben

Ein zentrales Thema des Gesprächs ist die Depression. Tim und Christina beschreiben sehr unterschiedliche, aber in einem Punkt ähnliche Erfahrungen: Die Gefühle scheinen wie abgeschnitten.

„Ich fühle gar nichts mehr“ – der dumpfe Zustand der Depression

Tim erinnert sich an eine lange Phase, in der er kaum noch Emotionen wahrnahm:

  • kein Weinen
  • stattdessen eine Art dunkler Grundschmerz: Einsamkeit, Verzweiflung
  • das paradoxe Gefühl, auf eine Weise sogar stolz darauf zu sein, nichts mehr zu fühlen

„Ich habe einen Freund angerufen und gesagt: Ich glaube, ich fühle gar nichts mehr. Und ein Teil von mir fand das sogar positiv.“

Weinen war jahrelang kaum möglich – höchstens mal bei einem Film, und auch das sehr selten. Für viele, die ähnliche Zustände erleben, ist das Wiederentdecken von Tränen ein wichtiges Signal: Da kommt wieder etwas in Bewegung.

Christinas „Deckel auf dem Topf“: Wenn Weinen nicht mehr geht

Christina beschreibt ihre Burnout-Zeit ganz ähnlich:

  • Gefühl eines inneren Druckkochtopfs
  • starker innerer Druck, aber keine Tränen mehr
  • Schreien im Keller, um irgendwie den Druck aus dem Körper zu bekommen

Erst als sie wieder weinen konnte, merkte sie, wie heilsam Tränen eigentlich sind. Schmerz zuzulassen, statt ihn nur „wegzutherapieren“, wurde zu einem ihrer wichtigsten Learnings.

Schreiben mitten in der dunkelsten Phase

Spannend ist, dass Tim ausgerechnet in einer der schwierigsten Phasen – tiefe Einsamkeit, depressive Zustände – angefangen hat, wieder zu schreiben. Entgegen der verbreiteten Annahme, in einer schweren Depression sei Kreativität unmöglich, war das Schreiben für ihn:

  • Richtungswechsel in seinem Leben
  • Ventil für Gefühle, die er nicht anders ausdrücken konnte
  • Weg, sich selbst überhaupt wieder zu spüren

„Vielleicht habe ich dem Schreiben mein Leben zu verdanken. Ich kann es nicht beweisen, aber ein bisschen fühlt es sich so an.“

Damit rückt ein zentraler Gedanke in den Mittelpunkt:

  • Selbstausdruck (ob im Tagebuch, in Texten, Gedichten oder anonymen Blogeinträgen) kann eine leise, aber wirksame Form von Selbstrettung sein.
  • Es geht nicht darum, „gute Texte“ zu schreiben, sondern wahre.

Die Kraft des Schreibens: Wie Worte Angst, Scham und Einsamkeit verwandeln

Für beide, Tim und Christina, ist Schreiben eines der wichtigsten Werkzeuge, um mit Angst, Überforderung und depressiven Zuständen klarzukommen.

Vom leeren Text zum ersten echten Satz

Tim erzählt, wie er das Schreiben neu lernen musste. Er wollte wieder schreiben, aber nicht mehr dieselben Ratgebertexte wie früher. Also fing er an, kurze Texte „nur für sich“ zu schreiben. Nach ein paar Hundert merkte er:

  • Sie waren alle nicht gut – vor allem, weil sie nichts mit ihm zu tun hatten.
  • Es waren austauschbare Gedankenfetzen, wie sie jeder hätte schreiben können.

Der Wendepunkt kam, als er sich fragte: „Warum berührt mich das selbst nicht?“ und beschloss, endlich über etwas wirklich Eigenes zu schreiben. So entstand der erste Text im späteren Buch – über das neugeborene, schwer kranke Baby, das er einmal war.

„Ich habe dieses Baby zum ersten Mal wirklich gesehen, war für es da, und ich habe so krass geheult. Auf eine traurige Weise hat es mir unglaublich gutgetan.“

Diese Erfahrung zeigt, was Schreiben leisten kann:

  • Alte, verdrängte Anteile werden wahrgenommen.
  • Gefühle, die jahrelang eingefroren waren, kommen behutsam in Fluss.
  • Man gibt sich selbst Mitgefühl, das man früher nicht bekommen hat.

Christinas „Sorgenstuhl“: Schreiben als Gedanken-Container

Christina hat das Schreiben vor allem in ihrer Burnout-Zeit intensiv genutzt. Ihre Therapeutin gab ihr eine praktische Übung, die viele mit Grübelzwang kennen dürften:

  • mehrmals täglich auf einen „Sorgenstuhl“ setzen
  • 10 Minuten lang alles aufschreiben, was belastet
  • danach die Notizen „ad acta legen“ und den Rest des Tages nicht weiter daran drehen

Mit der Zeit hat sich daraus etwas Neues entwickelt: Während sie Sorgen aufschrieb, tauchten plötzlich Sätze auf wie:

„Ja, aber das schaffst du schon. Es ist letztes Mal ja auch wieder vorbeigegangen.“

Ohne es zu planen, führte sie ein positives Selbstgespräch auf dem Papier. Spannend dabei:

  • Sie schrieb nicht „ich schaffe das“, sondern „du schaffst das“.
  • Genau diese Ansprache in der zweiten oder dritten Person („Du schaffst das“, „Christina schafft das“) ist in Studien besonders wirksam, um sich zu beruhigen.

Schreiben wurde für sie zu einem der Top-3-Werkzeuge aus dem Burnout: Es sortierte Gedanken, entlastete das Nervensystem und gab ihr das Gefühl, sich selbst wieder Halt geben zu können.

Wenn andere durch unsere Worte weinen – und wir mit

Heute berührt Tims Buch „Sei dein eigenes Zuhause“ viele Leserinnen und Leser so stark, dass sie ihm schreiben, sie hätten beim Lesen geweint. Das geht wiederum ihm nahe:

„Ich habe in den letzten Tagen oft geweint, weil mir Menschen geschrieben haben, dass sie beim Lesen geweint haben.“

Christina kennt das: Auch sie hat nicht über ihren Spiegel-Bestseller-Status geweint, sondern über die Rückmeldungen, in denen Menschen schreiben, wie tief sie sich verstanden fühlten. Beide sind sich einig:

  • Das eigentliche Geschenk am Schreiben ist Verbindung.
  • Man erinnert sich später viel weniger an Labels und Erfolge als an echte Begegnungen.

Wie du Schreiben für dich nutzen kannst

Aus der Folge lassen sich konkrete Impulse ableiten, wie du Schreiben in deinem Alltag einsetzen kannst:

  • Radikal ehrlich für dich selbst schreiben: nicht „schöne“ oder kluge Texte, sondern wahre.
  • Regelmäßige Schreitraditionen wie ein Sorgenstuhl, Tagesrückblicke oder Morgenseiten einführen.
  • Anonym schreiben (z. B. in einem Blog, Forum oder Tagebuch), wenn es sich noch zu verletzlich anfühlt, mit Namen rauszugehen.
  • Manchmal einen Ausschnitt davon mit einem Menschen teilen, der dein Vertrauen verdient – dadurch entsteht tiefe Verbindung.

Tim bringt es am Ende schön auf den Punkt: Man braucht keinen Bestseller, um diese Form von Berührung zu erleben. Jede ehrliche Zeile, die jemand anders liest und fühlt, kann ein Anfang sein.

Soziale Angst: Vom „Vorstellungs-Horror“ zur managebaren Unsicherheit

Ein besonderes Thema dieser Folge ist Tims soziale Phobie – und wie er es geschafft hat, sie Schritt für Schritt zu entschärfen.

Vorstellungsrunden als Horror-Szenario

Für viele sind sie nur unangenehm, für Menschen mit sozialer Angst sind sie der pure Albtraum: klassische „Stell dich mal kurz vor“-Runden. Tim beschreibt das so:

„Man kommt irgendwo neu in eine Gruppe und dann: ‚Jetzt stellt sich jeder mal vor.‘ Für mich ist da jedes Mal eine Welt zusammengebrochen.“

Dahinter steckte nicht „nur“ Schüchternheit, sondern eine dauerhafte, belastende soziale Phobie. Lange waren soziale Situationen für ihn so bedrohlich, dass er sie weitestgehend mied:

  • Im Studium war er praktisch nie in der Uni, nur zu Prüfungen.
  • Komiliton:innen kannten ihn nicht, obwohl sie „jahrelang zusammen studiert“ hatten.

Die Folge: Er bestand zwar die Prüfungen, funktionierte nach außen, zahlte aber innerlich einen hohen Preis in Form von Einsamkeit und Selbstzweifeln.

Radikale Konfrontation im Coworking-Space

Eine entscheidende Wende brachte ein Todesfall in der Familie. Tim merkte:

„Wenn ich jetzt nichts ändere, ist das in Summe alles ein bisschen too much.“

Er zwang sich, zum ersten Mal in seinem Leben in einen Coworking-Space zu gehen, nicht primär zum Arbeiten, sondern um dort zu sein.

Die ersten Wochen sahen so aus:

  • kurz vor der Mittagspause Kopfhörer aufsetzen, damit ihn niemand fragt, ob er mit Essen geht
  • im Zweifel auf die Toilette flüchten, sobald er merkte: „Gleich fragt jemand, wer mitkommt.“

Doch er blieb dran, Tag für Tag. Und nach einigen Monaten drehte sich das Bild:

  • Neue Leute kamen in den Space, und er ging auf sie zu.
  • Er zeigte ihnen alles, begrüßte sie, wurde vom Vermeidenden zum aktiven Teil der Gemeinschaft.

Seine soziale Angst ist nicht komplett verschwunden, aber:

  • Sie ist managebar.
  • Sie hält ihn nicht mehr davon ab, das zu tun, was ihm wichtig ist.

Damit zeigt er etwas, das Christina auch bei anderen in der Klinik erlebt hat: Soziale Ängste können sich oft erstaunlich schnell verändern, wenn man sich ihnen in kleinen Schritten stellt.

Scham, Einsamkeit und der Mut, sich anderen zu zeigen

Ein zentrales Element beim Ausstieg aus sozialer Angst ist für Tim das Thema Scham. Scham flüstert uns ein:

„Wenn Menschen rausfinden, wie du wirklich bist, stoßen sie dich aus der Gruppe aus.“

Das einzige Gegenmittel, sagt er, ist:

  • Sich ausgewählten Menschen öffnen, die es verdient haben.
  • Das Risiko eingehen, die eigenen Schwächen, Ängste und dunklen Gefühle zu zeigen.

Seine Erfahrung: Gerade dann, wenn er sich anderen mit seiner Depression, Angst oder Einsamkeit gezeigt hat und nicht verurteilt wurde, passierte etwas Heilsames:

  • Er sah in den Augen der anderen: „Ich bin nicht wertlos, nicht falsch, kein hoffnungsloser Fall.“
  • Verbindung statt Ausgrenzung.

Für ihn ist das der vielleicht wichtigste antidote gegen Einsamkeit und soziale Angst:

  • Auf andere Menschen zugehen, auch wenn es Angst macht.
  • Sich verletzlich zeigen – und erleben, dass man trotzdem (oder gerade deshalb) angenommen wird.

Christina bestätigt das aus ihrer Biografie: Sie war schon früh offen, hatte viele Freunde, sprach über Ängste und später über ihr Burnout. Ihre Erfahrung:

„Wenn du dich offen und verletzlich zeigst, kommt fast immer nur Liebe zurück.“

Umgang mit Gedanken und Gefühlen: Von Akzeptanz, ACT und kleinen Körper-Tools

Ein roter Faden durch die Folge ist der Umgang mit Gedanken und Gefühlen. Beide sind sich einig: Der Versuch, Gedanken krampfhaft zu verändern, funktioniert oft nicht – oder macht es sogar schlimmer.

Warum Gedankenarbeit oft in den Kampf führt

Tim beschreibt, wie klassische „Gedankenarbeit“ bei ihm kaum Wirkung hatte:

  • negative Gedanken ersetzen
  • umformulieren, relativieren, „rationalisieren“

Für ihn fühlte es sich im Kern immer wie Wegdrücken an – und wie ein nie endender Job:

  • Man drückt einen Gedanken weg, der nächste steht schon bereit.
  • Der Fokus bleibt trotzdem auf dem Problem, nicht auf dem Leben.

Stattdessen half ihm ein Ansatz aus der Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT), entwickelt von Steven Hayes. Im Zentrum steht dort nicht das Verändern von Gedanken, sondern:

  • Sie kommen und gehen lassen.
  • Ihnen die Macht nehmen, das Verhalten zu steuern.

Eine kleine ACT-inspirierte Technik, die Tim für sich übernommen hat:

  • Wenn ein bekannter Angstdanke auftaucht, innerlich sagen:
    „Ah, danke Gedanke.“ oder „Ach, das ist wieder die Geschichte.“

Das klingt unspektakulär, wirkt aber stark:

  • Du gehst nicht mehr in den Kampf, sondern in eine Beobachterrolle.
  • Du erkennst: „Das ist ein alter Film, den ich schon kenne“, statt „Das ist die Wahrheit und ich bin ausgeliefert.“

Christinas Umgang mit Krankheitsängsten: Wahrscheinliches ist wahrscheinlich

Christina hat viele Jahre mit starker Gesundheitsangst gelebt – bis hin zur festen Überzeugung, sie habe z. B. einen Hirntumor. Heute ist sie nahezu angstfrei, auch wenn Gedanken wie „Ist das jetzt Long Covid?“ hin und wieder auftauchen.

Wie sie damit umgeht:

  • Gedanken werden als das erkannt, was sie sind: nur Gedanken.
  • Sie nutzt bewusst einen Satz, den sie von einem Arzt gelernt hat:
    „Wahrscheinliches ist wahrscheinlich.“

Praktisch heißt das:

  • Bei Kopfschmerzen zuerst an Schlafmangel, Stress oder zu wenig Trinken denken – nicht als Erstes an den Hirntumor.
  • Im Zweifel den verstandesgemäß wahrscheinlichsten Grund wählen.

Und ganz wichtig: Sie hat gelernt, ihre Gedanken nicht mehr zu fürchten. Angstgedanken tauchen auf, werden bemerkt und dürfen weiterziehen – ohne dass sie wieder einen tiefen Strudel auslösen.

Akzeptanz statt Kampf: Wenn du den Frosch küsst

Ein großes Learning aus Christinas depressiver Phase: Gefühle lösen sich oft dann, wenn sie angenommen werden. Nicht sofort, nicht immer, aber viel öfter, als viele glauben.

Sie beschreibt es so:

  • Die Depression kam wie eine Welle: „Oh Gott, das Gefühl kommt wieder.“
  • Der erste Impuls war immer: Widerstand, „Ich halte das nicht aus.“
  • Das Gefühl blieb, solange sie darum kämpfte, es nicht fühlen zu müssen.

Erst als sie sich hinsetzte und innerlich sagte: „Okay, dann bin ich jetzt eben unglücklich. Dann fühle ich mich jetzt richtig beschissen.“, passierte etwas:

  • Die Intensität ließ nach.
  • Manchmal löste sich das Gefühl fast in Luft auf.

Sie greift dazu ein Bild von Eckhart Tolle auf: Wenn du den Frosch küsst, wird er zum Prinzen. Solange du nur vor ihm davonläufst, bleibt er hässlich, bedrohlich, allgegenwärtig.

Ein körperbasiertes Tool: „Dieser Stuhl trägt mich“

Neben dem Arbeiten mit Gedanken teilen die beiden auch einen sehr praktischen, körperorientierten Ansatz, den Tim aus dem Somatic Experiencing kennt. Er eignet sich für Momente, in denen dein Nervensystem überdreht und du dich nach Halt sehnst.

So funktioniert die Übung:

  1. Setz dich auf einen Stuhl, Sessel oder eine Couch, idealerweise mit Rücken- und eventuell Kopfstütze.
  2. Schließ die Augen.
  3. Sag innerlich (oder leise): „Dieser Stuhl trägt mich.“
  4. Beobachte, was in deinem Körper passiert, ohne etwas verändern zu wollen.
  5. Optional ergänzen: „Dieser Stuhl trägt mich, deshalb kann ich mich fallen lassen.“
  6. Wiederhole den Satz ab und zu und spüre nur nach.

Du kannst die Übung nutzen:

  • für 30 Sekunden vor einem Call
  • für zwei Minuten in der U-Bahn
  • für fünf Minuten abends auf dem Sofa

Tim beschreibt das Gefühl als tief beruhigend, fast wie ein direktes Signal an das Nervensystem: „Du musst gerade nichts tragen. Du wirst getragen.“

Weitere Inhalte der Podcastfolge

  • Funktionale Depression: Wie man äußerlich leistungsfähig bleibt und innerlich langsam ausbrennt.
  • Burnout und fast angstfreies Leben: Christinas Weg von Herzangst, Panik und Schwindel zu mehr innerer Stabilität.
  • Der Happy Club: Christinas Mitgliederbereich mit Workshops zu Angst vor Krankheiten, Herzstolpern, Schwindel, Atem, Yoga und Kreativtechniken.
  • Die Diskrepanz zwischen Außenbild und Innenwelt: Warum Tims ruhige Ausstrahlung und positive Texte lange seine innere Verzweiflung überdeckten.
  • Berührung durch Feedback: Weshalb Nachrichten von Leser:innen oft stärker bewegen als Rankings und Siegel.
Dies ist ein Podcast aus meiner Themenwelt „Angst & Überforderung". Du findest viele weitere hilfreichen Informationen und Tipps auf der Themenseite: „Angst & Überforderung"
Jetzt anhören auf:

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