„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.
Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️
In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Christina Hillesheim mit Julia über ein Thema, das viele nicht kennen – und doch viel verbreiteter ist, als man denkt: Phonophobie, die Angst vor bestimmten Geräuschen. Am Beispiel von Julias Lebensgeschichte wird deutlich, wie eng Angst, Kindheitstrauma, Burnout und unser Nervensystem zusammenhängen – und was wirklich helfen kann.
Julia ist ehemalige PR-Managerin in der Musikindustrie und spätere Senior-Kommunikationsberaterin in einer großen Agentur. Nach einer extrem belasteten Kindheit, mehreren Burnouts und einer ausgeprägten Phonophobie lebt sie heute auf dem Land, schreibt einen Blog über ihre Erfahrungen und teilt offen, wie sie gelernt hat, mit Angst, Trauma und chronischer Erschöpfung zu leben – ohne daran zu zerbrechen.
Phonophobie ist mehr als „Lärm nervt mich“. Es ist eine Angststörung, bei der bestimmte Geräusche eine massive Stressreaktion bis hin zu Todesangst auslösen.
Julia beschreibt es so:
„Ich hatte nie Panik. Und da hatte ich dann Todespanik. Einfach richtige Todespanik.“
Typische Merkmale, wie sie Julia erlebt:
Wichtig ist Julias Unterscheidung:
2016, in ihrem dritten und heftigsten Burnout, lebte Julia in einem extrem hellhörigen Altbau in Hamburg:
In dieser Phase totaler Erschöpfung brauchte Julia vor allem eins: Ruhe. Stattdessen erlebte ihr Nervensystem Dauerbeschallung.
„Alles in mir hat nach Ruhe geschrien. Und gleichzeitig war es um mich herum so laut, dass ich mich ausgeliefert gefühlt habe.“
Die Folge: Ihr System kippte – aus „Lärm nervt“ wurde eine Traumafolgestörung mit Phonophobie.
Die Geräusche in der Hamburger Wohnung waren nicht das eigentliche Problem, sondern der Trigger für alte Wunden:
„Auf einmal war diese kleine Julia in mir wieder wahnsinnig präsent.“
Wenn heute laute Musik aus der Nachbarwohnung dröhnt, meldet sich nicht die erwachsene Frau, die rational weiß, dass keine Gefahr droht, sondern der innere Kinderanteil, der gelernt hat: „Laut = Lebensgefahr“.
Julias Weg in die Phonophobie ist ohne ihre Burnout-Geschichte kaum zu verstehen. Sie beschreibt sich selbst als jemand, der „an allen Ecken gebrannt“ hat – und das schon als Kind.
Rückblickend erkennt Julia: Die Basis für ihre späteren Zusammenbrüche lag früh:
Mit Anfang 30, frisch Mutter, wechselt Julia in einen HR-Job im Musiklabel. Weniger Tour, weniger Nachtleben – aber innerlich läuft sie weiter im Dauerleistungsmodus:
Die Symptome lesen sich wie aus dem Lehrbuch:
Nach einem Zusammenbruch in einer psychiatrischen Ambulanz wird sie krankgeschrieben – kehrt aber viel zu früh zurück, aus finanziellen Gründen und dem inneren Druck, funktionieren zu müssen.
In den folgenden Jahren macht Julia weiter Karriere:
Ihr Körper sendet immer deutlichere Warnsignale:
2017 ist endgültig Schluss: Nach einer schweren Operation, massivem Blutverlust und Dauerpanik bricht Julia bei ihrer Ärztin weinend zusammen. Sie wird „aus dem Verkehr gezogen“ – und fällt innerlich von 180 auf 0.
„Ich war wie ein Rennpferd, das von 180 km/h direkt auf die Weide gestellt wird.“
Statt Ruhe kommt die agitierte Depression – eine depressive Phase, die nicht mit Lähmung, sondern mit extremer innerer Unruhe und Aktionismus einhergeht:
Julia hat – wie du vielleicht auch – alles ausprobiert: verschiedene Therapeut:innen, Psychiater, Antidepressiva, Klinikaufenthalte, Reha, Yoga, Meditation, Podcasts, Bücher. Entscheidend war nicht „die eine Methode“, sondern ein Zusammenspiel aus Verstehen, Handeln und Akzeptieren.
Ein Wendepunkt war eine Traumatherapie bei einer Therapeutin, mit der die Chemie stimmte.
Wichtige Elemente:
Ein Satz, der für Julia zentral geworden ist:
„Die kleine Julia ist in Sicherheit. Ich als erwachsene Julia habe uns ein sicheres Leben erschaffen.“
Ihre Therapeutin hat verschiedene Methoden mit ihr ausprobiert – und genau das behalten, was zu Julia passt:
Ihr wichtigster Punkt dazu:
Ein weiterer Kern ihrer Entwicklung ist, was sie „radikale Akzeptanz“ nennt. Dabei geht es nicht darum, die Angst großzuziehen oder sich seinem Schicksal zu ergeben, sondern:
Für Julia bedeutet das konkret:
„Es macht keinen Sinn, immer zu fragen: Warum ich? Das kostet nur Energie, die ich nicht habe.“
Akzeptanz heißt für Julia nicht: sitzen bleiben und leiden. Im Gegenteil – an entscheidenden Stellen hat sie klar gehandelt:
Sie weiß: Nicht alle reagieren verständnisvoll. Aber nicht zu fragen bedeutet, im Schmerz zu bleiben.
Grundprinzip:
Gerade in Phasen von Panik, agitierter Depression oder starker innerer Unruhe helfen kognitive Strategien oft nur begrenzt. Julia (und Christina) haben erlebt, was in solchen Momenten eher funktioniert:
Beide betonen: Nicht jede Übung ist für jede Person geeignet. Wenn dir eine Methode garnicht guttut, ist das kein Versagen – dann ist sie schlicht nicht deine.
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