Männer & Depression: Was niemand sieht – aber viele betrifft!

Interview mit Thomas Reinbacher

07.07.2025
Folge 348 | Männer & Depression- Was niemand sieht – aber viele betrifft! Interview mit Thomas Reinbacher

„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.

Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️

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Inhalt

Wenn Erfolg krank macht: Vom Google-Manager zum Mental-Health-Autor

In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Gastgeberin Christina Hillesheim mit Thomas Reinbacher, Ex-Google-Manager, Autor und Vater, über seinen radikalen Absturz in eine schwere Depression – und seinen Weg zurück in ein lebenswertes Leben.

Thomas erzählt, wie aus Schlafproblemen eine lebensbedrohliche psychische Krise wurde, warum er zweimal in der Psychiatrie landete und was ihm tatsächlich geholfen hat. Seine Geschichte macht deutlich: Einmal psychisch krank heißt nicht für immer psychisch krank – und Hilfe kann Leben retten.

Unser Gast: Thomas Reinbacher

Thomas Reinbacher ist promovierter Informatiker, war viele Jahre in der Tech-Welt unterwegs – unter anderem bei der NASA, Amazon und zuletzt als Manager bei Google. Nach außen wirkte sein Leben wie eine Erfolgsgeschichte: Top-Karriere, Familie, Wohnung, vermeintlich „alles im Lot“.

2021 kam der Crash: eine schwere Depression mit massiven Schlafstörungen, Grübelspiralen und suizidalen Gedanken. Thomas verbrachte insgesamt fast sechs Monate in der Psychiatrie. Heute ist er Autor („Nach Grau kommt Himmelblau“), Keynote Speaker für mentale Gesundheit und entwickelt gemeinsam mit seiner Frau Programme für Angehörige von Menschen mit Depression.

Von der Karriereleiter in die Lebenskrise

Auf LinkedIn glänzte Thomas’ Lebenslauf: Promotion in Informatik, Stationen bei NASA, Unternehmensberatung, Amazon, Google. Privat: liebevolle Partnerin, kleiner Sohn, Leben in München. „Eigentlich alles happy Ding Dong, könnte man so meinen“, sagt er rückblickend.

Wie Überforderung leise beginnt

Der Zusammenbruch kam nicht über Nacht. Ein halbes Jahr vorher hatte sich Thomas bereits einen Performance Coach gesucht, um noch leistungsfähiger zu werden. Heute sagt er: „Ein dreiviertel Jahr vorher habe ich mir einen Performance Coach gesucht, weil ich dachte, ich muss noch mehr schaffen, mehr leisten. Da hätte ich vielleicht schon eine Psychotherapie anfangen sollen.“

In dieser Zeit ballte sich bei ihm eine kaum zu bewältigende Stresslast:

  • Neuer, sehr anspruchsvoller Job bei Google mit Team in Kalifornien und Kunden in Asien
  • Baby zu Hause mit chronischer Bronchitis und schlafarmen Nächten
  • Gerichtsverfahren und Stress um eine Wohnung mit Wasserschaden
  • Seine Frau gründete in der Elternzeit ein eigenes Startup

Statt einen Gang runterzuschalten, legten beide noch einen drauf. Alle Aktivitäten, die ihm gutgetan hatten, strich Thomas weg: Sport, Hobbys, Pausen. Es ging nur noch ums Funktionieren.

Schlafstörungen als Alarmzeichen

Das erste Symptom, das er wirklich bemerkte, war der Schlaf: Er konnte nicht mehr einschlafen, nicht durchschlafen, wachte schweißgebadet auf. Gemeinsam mit seiner Frau suchte er nach körperlichen Ursachen – „Psycho-Kram“ schlossen sie zunächst aus. Eine neue Matratze sollte es richten.

Doch die innere „dunkle Wolke“ wurde dichter. Er wurde zynisch, sah Projekte negativ, zweifelte Beziehungen an. Rückblickend erkennt er das als frühe depressive Symptome.

Als das Gehirn „dicht macht“

Der Wendepunkt kam an einem ganz normalen Arbeitstag. Thomas öffnete seinen Laptop, wollte E-Mails lesen – und konnte die Inhalte nicht mehr erfassen.

„Ich hatte das Gefühl, dass ich zwar die Buchstaben erkenne, aber dass die Buchstaben sich nicht zu Wörtern und die Wörter nicht zu Sätzen zusammenfügen lassen.“

Er druckte eine E-Mail aus, hielt sie in der Hand, doch es blieb: Da blieb nichts mehr hängen im Gehirn. Panik stieg auf. Selbst das kleine Einmaleins im Kopf gelang nicht mehr.

Seine Frau brachte ihn in die psychiatrische Notaufnahme in München. Er war nicht einmal mehr in der Lage, ein einfaches Formular ordentlich auszufüllen. Sie dokumentierte seine Symptome in einer WhatsApp-Nachricht und zeigte sie der Ärztin.

Die Diagnose: Depression, keine „bloße“ Schlafstörung.

Depression in zwei Akten: Klinik, Rückfall und Suizidgedanken

Thomas erlebte seine Depression in zwei sehr unterschiedlichen Episoden. Beide Male benötigte er stationäre Hilfe in der Psychiatrie – beim zweiten Mal mit einer dramatischen Zuspitzung.

Erste Episode: Grübelschleifen, Angst und drei Monate Psychiatrie

In der ersten Phase standen vor allem extreme Grübelspiralen und diffuse Ängste im Vordergrund:

  • Gedankenketten, die von einem Regentropfen am Fenster bis zum imagined Bankrott und Obdachlosigkeit führten
  • Auslöser wie Lieferwagen, Handwerkerkleidung oder Briefe, die massive Angstreaktionen auslösten
  • Nicht mehr in der Lage, Briefe zu öffnen – aus Angst vor Katastrophenmeldungen
  • Das Gefühl, in einem Paralleluniversum zu leben: „Ganz anderer Thomas.“

Thomas kam für rund drei Monate auf eine psychiatrische Station, wurde medikamentös eingestellt und begann eine ambulante Psychotherapie. Insgesamt war er etwa acht Monate arbeitsunfähig.

Doch innerlich hielt er an einem Gedanken fest: „In zwei Wochen bin ich wieder im Job.“ Die Dimension und Dauer einer depressiven Erkrankung hatte er massiv unterschätzt.

Der Rückfall: „Get your shit together“ – und alles stürzt tiefer ab

Nach den acht Monaten hieß es im Umfeld – und in seinem eigenen Kopf: Es müsse nun „weitergehen“. Google zeigte sich entgegenkommend, bot ihm einen weniger belastenden Job in München an.

Was sich wie ein vorsichtiger Neustart anfühlte, wurde zur Falle. Thomas ignorierte sein Bauchgefühl:

  • Inneres Nein: „Mein Bauch hat einfach gesagt: Thomas, das geht nicht.“
  • Äußerer Druck: „Get your shit together, du musst wieder funktionieren.“

Nach nur acht Wochen zurück im Job kamen die Symptome mit voller Wucht zurück:

  • Wieder massive Schlafprobleme, trotz starker Schlafmittel
  • Schwarzes Denken, Hoffnungslosigkeit, „als würde man danebenstehen und zusehen, wie es bergab geht“
  • Festsitzende Suizidgedanken, die er nicht mehr aus dem Kopf bekam

„Ich war echt ganz kurz davor vom Suizid“, sagt Thomas heute offen. Er prüfte Baugerüste auf ihre Höhe, plante gedanklich seinen Ausstieg. In seinem depressiv verzerrten Denken schien das der „logische“ Ausweg.

Triggerwarnung & wichtige Botschaft zu Suizidgedanken

Thomas und Christina sind sich einig: Über Suizidgedanken zu sprechen ist unangenehm – aber lebenswichtig. Sie betonen:

  • Suizidgedanken sind ein Symptom der Depression, kein Charakterfehler und kein „frei gewählter“ Gedanke.
  • Nur weil jemand solche Gedanken hat, heißt das nicht, dass er sie umsetzt.
  • Die Gedanken machen Betroffenen oft selbst Angst.

Entscheidend ist:

  • Frühzeitig Hilfe holen – spätestens dann, besser deutlich früher
  • Mit Ärzt:innen, Therapeut:innen, Vertrauenspersonen offen sprechen
  • Als Angehörige aufmerksam sein und nachfragen

Thomas’ Frau rettete ihm vermutlich das Leben: In der Klinik verschwieg er seine Suizidgedanken aus Angst vor einer geschlossenen Station. Sie schob der Ärztin unbemerkt einen Zettel zu: „Thomas lügt, Sie müssen ihm jetzt helfen. Er hat ganz, ganz schwere Suizidgedanken.“

Zweite Episode: Geschlossene Akutstation und völlige Erschöpfung

Nach einem intensiven Gespräch willigte Thomas ein, sich auf der Akutstation aufnehmen zu lassen – „für meinen Sohn“, wie er sagt. Er beschreibt sehr eindrücklich, wie sich das anfühlte:

  • Abgabe von Handy, Gürtel, Ladekabel und allen potenziell gefährlichen Gegenständen
  • Abschied von der Familie durch eine doppelte Schleuse – „vier Meter entfernt, aber es fühlte sich an wie 400 Kilometer“
  • Das Gefühl, die Kontrolle vollständig abzugeben

Hinzu kamen starke körperliche Symptome, vermutlich Nebenwirkungen von Medikamenten:

  • Heftiges Zittern in Beinen und Armen
  • Motorische Unruhe, ständiges Herumlaufen
  • Tag und Nacht im Kreis gehen auf der Station, bis die Socken durch und die Gelenke am Limit waren
  • Kaum Appetit, kaum Schlaf

In seinem Aufnahmeprotokoll stand: „Der Herr Dr. Reinbacher kann sich nicht artikulieren.“ Psychotherapie im klassischen Sinn war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht möglich. Zuerst brauchte es Stabilisierung, Schutz und Medikamente.

Insgesamt verbringt Thomas in dieser zweiten Episode etwa zweieinhalb Wochen auf der Akutstation und danach fünfeinhalb Monate auf einer Depressionsstation – als gesetzlich Versicherter im Vierbettzimmer.

Psychiatrie entstigmatisieren: Kein Horrorszenario, sondern Rettungsanker

Christina spricht offen über ihre eigene Angst vor der Psychiatrie und die typischen Klischees („Klapse“, Fesseln, nie wieder rauskommen). Beide betonen:

  • Die Akutstation dient zuallererst dem Schutz des Lebens.
  • Man kann sich in der Regel freiwillig aufnehmen lassen und auch wieder entlassen – mit Aufklärung und Unterschrift.
  • Die Psychiatrie ist kein Ort der Strafe, sondern eine medizinische Einrichtung mit dem Ziel, Menschen zu stabilisieren.

Ohne diesen langen Aufenthalt, sagt Thomas heute, wäre er „felsenfest überzeugt, nicht mehr hier“.

Was wirklich hilft: Akzeptanz, Werkzeugkoffer und neue Werte

Nach der akuten Phase begann der eigentliche Wendepunkt: Thomas musste lernen, seine Erkrankung zu akzeptieren, sich auf Behandlung einzulassen und sein Leben grundlegend zu hinterfragen.

Radikale Akzeptanz: Aufhören, gegen die Realität anzukämpfen

Ein innerer Schlüsselmoment war für Thomas die Erkenntnis:

„You’re there for a reason. Du bist in dieser Psychiatrie, weil es einen Grund gibt. Du bist wirklich krank und du musst es jetzt verdammt ernst nehmen.“

Statt sich mit dem „alten Thomas“ zu vergleichen, der um die Welt reiste und einen vollen Terminkalender hatte, begann er, seine Realität im Hier und Jetzt anzunehmen:

  • Tagesziel nicht mehr: Projekte abschließen, sondern: „Mittagessen gegessen“
  • Vergleich nicht mit früher, sondern mit der Vorwoche: Was klappt heute, was letzte Woche noch nicht ging?
  • Akzeptanz hieß nicht: „Ich bleibe für immer so“, sondern: „Ich stelle mich der Realität und schaue, wie es weitergehen kann.“

Diese Haltung wird in der Psychologie oft als radikale Akzeptanz bezeichnet – ein wichtiger Schritt, damit Heilung überhaupt möglich wird.

Medikamente als Brücke zur Therapiefähigkeit

Thomas spricht offen über seine medikamentöse Behandlung. Für ihn waren Antidepressiva und andere Medikamente kein Allheilmittel, aber eine notwendige Basis:

  • Sie halfen, den Schlaf schrittweise zu stabilisieren.
  • Sie reduzierten die akute innere und motorische Unruhe.
  • Sie machten ihn überhaupt erst gesprächs- und therapiefähig.

Ohne diese Unterstützung wäre eine psychotherapeutische Aufarbeitung seiner Themen kaum möglich gewesen.

Der bunte Werkzeugkoffer: 40 Dinge ausprobieren

Gleich bei der Aufnahme sagte ihm eine Pflegerin:

„Wir haben keinen 10-Punkte-Plan, aber einen bunten Blumenstrauß an Therapiemöglichkeiten. Sie müssen rauspicken, was für Sie funktioniert.“

Thomas nahm sie beim Wort. Er begann, in einem Tagebuch alle ausprobierten Maßnahmen festzuhalten – mit kleinen Symbolen:

  • Herzchen für: hat gutgetan
  • Kackhaufen für: hat nichts gebracht oder war eher schlecht

Nach und nach kamen so rund 40 verschiedene „Interventionen“ zusammen, z. B.:

  • Musiktherapie
  • Qigong
  • Ergotherapie (Mandalas, Elefanten malen)
  • Spaziergänge
  • Routinen, feste Essenszeiten
  • Entspannungsübungen

Überraschend hilfreich war für ihn in der ganz akuten Phase etwas sehr Spezielles: Immer wieder den gleichen Formel-1-Grand-Prix anzuschauen, den er bereits auswendig kannte. Alles andere (v. a. Nachrichten) triggerte seine Grübelschleifen. Der bekannte Rennverlauf gab seinem Gehirn kurz Ruhe.

Ein wichtiges Learning daraus:

  • Was hilft, ist hoch individuell – kein Standardtool funktioniert für alle.
  • Es lohnt sich, auch das auszuprobieren, was man zunächst für „unnötig“ oder „kindisch“ hält.
  • Viele der hilfreichen Dinge würden dir kein Lehrbuch vorab empfehlen – du musst sie selbst entdecken.

So entstand bei Thomas ein sehr persönlicher Werkzeugkoffer aus kleinen Mini-Erfolgen. Jeder ausgemalte Elefant, jede geschaffte Runde im Stationsflur, jedes aufgegessene Mittagessen wurde bewusst registriert.

Journaling & „Plustagebuch“: Den Fokus verschieben

Statt sich über das Ausmaß seines Leids auszulassen, führte Thomas ein bewusst lösungs- und ressourcenorientiertes Tagebuch. Er schrieb ausschließlich auf, was gut war oder ein kleines Plus bedeutete:

  • „Mittagessen gegessen“
  • „Eine Runde beim Morgensport geschafft“
  • „Ein bisschen besser geschlafen als gestern“
  • „Zittern in den Beinen heute etwas weniger“

Christina berichtet, dass sie in ihrer eigenen Krise intuitiv ähnlich vorging: Notieren, was sie trotz allem geschafft hatte, sich selbst Mut zuschreiben, sich gedanklich aufbauen. So entsteht Schritt für Schritt ein Gegenbild zur inneren Erzählung von „Ich schaffe nichts“.

Angst als Botschaft statt Gegner

Ein zentrales Thema im Gespräch ist der oft gehörte Satz aus der Therapie: „Ängsten muss man sich stellen.“ Beide differenzieren hier deutlich:

  • Es gibt Ängste, die dich begrenzen, obwohl du etwas wirklich willst (z. B. Flugangst bei einem Wunsch-Urlaub). Da kann Konfrontation sinnvoll sein.
  • Es gibt aber auch Ängste, die ein Signal des Körpers sind: „Das, was du gerade tust, passt nicht (mehr) zu dir.“

Wenn du zum Beispiel massiv Angst vor der Arbeit hast, weil du eigentlich spürst, dass der Job dich krank macht, dann ist „Augen zu und durch“ oft genau der falsche Weg. In solchen Fällen ist die Angst eher ein Hinweis, etwas zu verändern, als eine Hürde, die du überwinden musst.

Für Thomas war der Versuch, „sich seiner Angst vor der Arbeit zu stellen“, letztlich ein Beschleuniger in den Rückfall.

Wertearbeit: Warum dein altes Erfolgsrezept dich krank machen kann

Ein weiterer Schlüssel in Thomas’ Heilungsprozess war eine intensive Auseinandersetzung mit seinen inneren Werten. In einer Therapieübung bekam er eine Liste mit rund 100 Lebenswerten und sollte so lange streichen, bis noch fünf übrig blieben.

Die erste Auswahl spiegelte sein „altes“ System wider:

  • Großes erreichen
  • Kompetenz
  • Perfektion
  • Finanzieller Erfolg
  • Leistung

Mit diesen Werten war er durch Studium, Promotion und Karriere gerannt – ohne große Rückschläge. Aber als Familienvater mit hoher Gesamtbelastung war dieses Wertesystem nicht mehr lebenskompatibel.

In einer zweiten Runde suchte er nach Werten, die wirklich seinem Wesen entsprechen und zu seinem aktuellen Leben passen. Dabei kamen andere Qualitäten zum Vorschein:

  • Kreativität
  • Tüfteln, Dinge mit den Händen machen
  • Verbundenheit mit Familie
  • Gesundheit
  • Selbstbestimmtheit

Diese Werte bilden heute die Grundlage seines neuen Lebensentwurfs. Eine direkte Konsequenz:

  • Sein altes Umfeld als Konzern-Manager passte nicht mehr zu ihm.
  • Er entschied sich bewusst gegen die Rückkehr zu Google.
  • Er baute sich als Autor, Speaker und Programm-Entwickler ein Leben auf, in dem Kreativität, Sinn und Gesundheit Vorrang haben.

Aus dieser Therapieübung ist später sogar ein eigenes Werte-Kartenspiel entstanden, das heute in vielen Praxen eingesetzt wird.

Ein neues Leben: Vom Burnout zum Beruf(ung)swechsel

Aus der tiefsten Krise heraus hat Thomas sein Leben komplett neu ausgerichtet. Statt „mehr, mehr, mehr“ stehen heute Gesundheit, Familie und Sinn an erster Stelle.

Gesunde Prioritäten: Gesundheit – Familie – Arbeit

Thomas fasst seine neue Reihenfolge klar zusammen:

  • 1. Gesundheit
  • 2. Familie
  • 3. Arbeit

„Weil wie wir wissen, ohne Gesundheit ist alles nichts.“

Dazu gehört auch, dass er sich täglich bewusst Zeit nur für sich nimmt. Noch vor dem Aufstehen der Familie geht er in den nahegelegenen Park, oft schon um halb sechs morgens:

  • Spaziergang von etwa 30 Minuten
  • Beobachten der Natur, Details wahrnehmen (z. B. wilde Erdbeeren, erste Knospen)
  • Runterkommen und sich spüren, unabhängig von Terminen

Diese kleine, aber konsequente Routine gibt ihm spürbar Kraft – gerade auch an Tagen, an denen er denkt, es ginge ihm ohnehin gut.

Arbeit mit Sinn: Buch, Lesereisen & Programme für Angehörige

Was als Tagebuch in der Klinik begann, schrieb Thomas nach der Entlassung für seinen Sohn weiter. Er wollte, dass dieser eines Tages versteht, was dem Papa passiert war – und es für sich besser macht.

Dieser Text wurde zu seinem Buch „Nach Grau kommt Himmelblau“. Zunächst nur online geteilt, erhielt er unerwartet viel Resonanz: Viele Leser:innen erkannten sich darin wieder, auch wenn die Details ihrer Geschichten verschieden waren.

Heute:

  • reist Thomas mit seinem Buch auf Lesereise durch Deutschland,
  • hält Vorträge an Schulen, Universitäten und in Unternehmen zur mentalen Gesundheit,
  • spricht öffentlich über Depression, Psychiatrie und Suizidgedanken,
  • arbeitet mit seiner Frau an einem mehrmonatigen Begleitprogramm für Angehörige von Menschen mit Depression (Arbeitstitel: „Himmelblau zusammen“).

Ein Anliegen ist ihm dabei besonders wichtig: die Angehörigen sichtbar machen. Sie seien oft die „hidden heroes“, die im Krisenmodus versuchen, alles zusammenzuhalten – und dabei kaum Unterstützung bekommen.

Inspiration und Mut aus der Krise

Thomas erlebt immer wieder Momente, die ihm zeigen, dass er heute am richtigen Platz ist. Zwei Beispiele:

  • Die 80-plus-Leserin, die sich als Einzige auf seiner Lesung für ein interaktives Rollenspiel meldete, während junge Menschen schwiegen. Sie las souverän englische Ausdrücke wie „Get your shit together“ vor und bekam Standing Ovations. Für Thomas ein Symbol dafür, wie viel Mut in Menschen steckt, wenn sie einfach machen, ohne zu viel zu grübeln.
  • Der Panda-Stein: Eine Leserin schliff einen Stein und zeichnete mit der Hand den traurigen Panda vom Buchcover darauf. Stunden an liebevoller Arbeit für einen Menschen, den sie nur aus einem Buch kennt. Für Thomas ein tief berührendes Zeichen, dass seine Arbeit ankommt und etwas bewirkt.

Im Gegensatz zu seiner früheren Arbeit („E-Mails in, E-Mails out“) sieht er heute unmittelbar, was sein Tun bei anderen auslöst. Das gibt seiner Geschichte einen Sinn, den er sich mitten in der Psychiatrie nie hätte vorstellen können.

Weitere Inhalte der Podcastfolge

  • Wie sich depressive Grübelspiralen von lösungsorientiertem Denken unterscheiden
  • Der Unterschied zwischen „Angst als Warnsignal“ und „Angst als Wachstumschance“
  • Warum viele Betroffene sich in der ersten Episode schämen und ihre Diagnose verheimlichen
  • Christinas eigene Burnout-Geschichte und Parallelen zu Thomas’ Erleben
  • Warum es so schwer ist zu merken, dass das eigene Leben „zu viel“ geworden ist – und wie Reflexion helfen kann
  • Die Rolle von Ergotherapie und Kreativität beim Wiederaufbau von Selbstvertrauen
  • Wie kleine, konsequente Routinen (Spaziergänge, Journaling) langfristig stabilisieren können
Dies ist ein Podcast aus meiner Themenwelt „Akute Angst & Panik". Du findest viele weitere hilfreichen Informationen und Tipps auf der Themenseite: „Akute Angst & Panik"
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