„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.
Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️
In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Gastgeberin Christina Hillesheim mit Verhaltenstherapeutin und Podcasterin Franka Cerutti darüber, wie Angststörungen, Depressionen und Sucht entstehen, warum sie so oft zusammenhängen und was dir konkret helfen kann, wieder mehr Sicherheit und Zuversicht zu spüren.
Die beiden bleiben dabei nah am echten Leben, teilen persönliche Erfahrungen und übersetzen psychologisches Fachwissen in Bilder und Strategien, die du direkt anwenden kannst – ohne Schönreden, aber mit viel Hoffnung.
Franka Cerutti ist approbierte Verhaltenstherapeutin und war über zwölf Jahre mit eigener Praxis am Niederrhein tätig. Während der Corona-Pandemie verlagerte sie ihren Schwerpunkt zunehmend in die digitale Welt: Ihr Podcast „Psychologie to go“ ist seit Monaten Dauergast auf Platz 1 der Gesundheitscharts.
Neben ihrer Podcast-Arbeit ist Franka Buchautorin und Gruppentherapeutin. Ihr Herzensthema: Menschen mit Angststörungen, Depressionen und Abhängigkeitserkrankungen verständlich erklären, was mit ihnen passiert – und vor allem, wie sie wieder handlungsfähig werden. In Christinas Happy Club hat sie dazu bereits mehrere Workshops gegeben.
Eine der zentralen Botschaften dieser Folge: Angststörungen entstehen nicht aus Schwäche, sondern aus einer Mischung aus Veranlagung und Belastung. Oder wie Franka es erklärt:
„Wir sprechen in der Psychologie vom Vulnerabilitäts-Stress-Modell: Es gibt eine Verletzlichkeit in dir plus Stress – und diese Kombination kann dann eine Störung auslösen.“
Viele Menschen mit Angststörung kennen das aus ihrer Familie:
Diese genetische oder biologische Komponente nennt man in der Psychologie Vulnerabilität – also Verletzlichkeit oder Anfälligkeit.
Viele Betroffene haben das Gefühl: „Die Panikattacke kam aus heiterem Himmel.“ Die Forschung zeigt jedoch etwas anderes:
Schaut man genauer hin, findet sich fast immer ein Zeitraum, in dem du über deine Grenzen gegangen bist – emotional, körperlich oder beides.
Um Angst verständlich zu machen, nutzt Franka ein Bild aus ihrem Buch:
„Angst ist wie ein Feuermelder. An sich etwas Wertvolles, das uns das Leben retten kann. Nur bei einer Angststörung ist er viel zu sensibel eingestellt und geht ständig los, obwohl gar kein echtes Feuer da ist.“
Übertragen heißt das:
Allein diese Sichtweise kann schon entlasten: Du bist nicht „verrückt“. Dein System ist schlicht zu empfindlich eingestellt.
Viele Hörerinnen und Hörer fragen sich: „Habe ich ‚nur‘ eine Angststörung oder schon eine Depression?“ Christina kennt beide Seiten – jahrelange Angst und später einen Burnout mit Depression. Franka beschreibt, worauf du achten kannst.
Depression ist mehr als „schlecht drauf sein“. Laut Franka zeigen sich depressiven Episoden häufig durch:
Franka betont: „Depression kann jede Person treffen“ – unabhängig davon, ob du als lebensfroh, stark oder belastbar giltst. Gerade die, die „immer funktionieren“, erwischt es häufig besonders hart.
Depressive Symptome entstehen nicht im luftleeren Raum. Franka nennt zwei wichtige Modelle:
Dazu kommt ein dritter Faktor, den Christina aus eigener Erfahrung beschreibt:
Christina formuliert es so: „Irgendwann hat mein Körper gesagt: Ich bin jetzt fertig.“ Diese „Zwangspause“ kann sich furchtbar anfühlen, ist aber oft ein drastisches Stopp-Signal des Körpers.
Beide sind sich einig: Während man mitten in der Depression steckt, helfen Sätze wie „Das ist für irgendetwas gut“ wenig. Und dennoch berichten viele Menschen im Rückblick:
Wichtig ist die Haltung, die Franka vorschlägt:
„Nicht: Was sagt meine Symptomatik über mich? Sondern: Was sagt sie zu mir?“
Damit wird Depression nicht verharmlost, aber sie wird zu einem Signal, das du ernst nehmen darfst – und das dich einlädt, dein Leben neu auszurichten.
Sowohl bei Angst als auch bei Depression spielen Gedanken eine Schlüsselrolle. Viele Betroffene sagen jedoch: „In der Panik kann ich gar nicht denken.“ Franka widerspricht:
„Wir denken in der Panik extrem viel – nur leider fast ausschließlich das Falsche.“
In der Verhaltenstherapie wird immer mit drei Ebenen gearbeitet:
Menschen kommen in Therapie, weil es ihnen emotional schlecht geht. Direkten Zugriff auf Gefühle haben wir aber kaum. Deshalb setzen Therapeutinnen und Therapeuten an Gedanken und Verhalten an – und das wirkt indirekt, aber kraftvoll auf das Fühlen.
Zentral ist dabei die Erkenntnis:
Christina beschreibt, wie der Satz „Du bist nicht deine Gedanken“ für sie ein Wendepunkt war. Ein hilfreiches Bild von Franka dazu:
Stell dir deine Gedanken vor wie kleine Teller auf einem Sushi-Fließband:
Viele Menschen haben schlechte Erfahrungen mit simplen Affirmationen („Ich bin stark, ich schaffe alles“) gemacht. Innen drin meldet sich dann eine Stimme: „Das glaube ich dir kein bisschen.“
Hier helfen Ifirmationen – ein kleiner, aber entscheidender sprachlicher Trick:
Dieses „Was ist, wenn doch…“ öffnet ein inneres Fenster für die Möglichkeit eines guten Ausgangs, ohne den Verstand zu überfordern. Es erzeugt weniger Widerstand und bringt dich sanft aus dem Katastrophenkino heraus.
Christina hat für sich das Wort „genug“ eingebaut:
Das ist näher an der gefühlten Wahrheit als überzogene Superhelden-Sätze – und genau das macht es wirksam.
Stell dir deine Gedankenwelt wie eine Waage vor:
Franka und Christina sprechen über Prüfungen, Lampenfieber und Panikattacken. Kernpunkte:
Hilfreiche Strategien:
Ein wichtiger Beruhigungsfaktor ist Wissen:
Franka formuliert es so:
„Es ist nicht schön, aber nicht gefährlich. Dein Körper kann das. Du bist in der Panik physiologisch eher maximal vital, nicht kurz vorm Sterben.“
Wenn du das weißt, kannst du in einer Attacke eher denken:
Viele Betroffene fürchten vor allem eines: Sichtbarkeit und Beschämung. Doch Frankas Erfahrung aus unzähligen Expositionsübungen mit Patientinnen und Patienten zeigt etwas anderes:
Ein eindrückliches Beispiel ist eine Person, die sich erkrankungsbedingt in der Fußgängerzone in die Hose gemacht hat:
Auch öffentlich bekannte Personen wie Sänger Robbie Williams haben offen von Panikattacken auf der Bühne berichtet – das Publikum hat davon während des Konzerts nichts bemerkt. Ein ermutigender Vergleich: Wenn das dort möglich ist, ist der Supermarkt mit Herzklopfen meist erst recht machbar.
Im letzten Teil der Folge geht es um den dritten großen Themenkomplex: Sucht, insbesondere Alkohol, und seine Verknüpfung mit Angst und Depression.
Gesellschaftlich wird Alkohol stark romantisiert: Entspannung, Geselligkeit, Lockerheit. Für Menschen mit Angst ist er deshalb besonders tückisch:
Das Problem: Diese Wirkung ist nur kurzfristig.
Am Folgetag zeigt sich die andere Seite:
So verstärkt Alkohol langfristig genau das, wogegen er vermeintlich helfen soll.
Besonders riskant wird es, wenn du beginnst, zweckgebunden zu trinken:
Studien zeigen: Gerade bei alkoholabhängigen Frauen liegt sehr oft eine Angststörung oder Depression zugrunde. Alkohol erscheint als Lösung – und schafft in Wahrheit eine zweite, schwere Erkrankung.
Franka bringt es auf den Punkt:
Interessant ist, wie unterschiedlich viele Menschen über Medikamente und Alkohol denken:
Franka zitiert ihren Mann, einen Psychiater: Würde auf jeder Flasche Alkohol ein Beipackzettel mit allen Risiken stehen, wären die meisten sehr viel vorsichtiger.
Die Empfehlung der beiden:
Wichtig: Lass dich dazu immer individuell und seriös beraten. Die richtige Dosierung, Dauer und Kombination gehört in die Hände von Fachleuten – nicht in Selbstversuche.
Christina und Franka betonen mehrfach:
Gerade Angststörungen gehören zu den am besten behandelbaren psychischen Erkrankungen. Die Wartezeit oder Suche kann anstrengend sein, aber es lohnt sich, dranzubleiben.
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