Panikattacken überwinden: Der Weg zu Erfüllung und Zufriedenheit

Interview mit Elena Carrière

Folge 368 | Panikattacken überwinden - der Weg zu Erfüllung und Zufriedenheit mit Elena Carrière

„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.

Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️

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Inhalt

Panikattacken verstehen: Wenn die Angst scheinbar aus dem Nichts kommt

„Ich dachte, ich sterbe.“ – So beschreibt Elina Carrier ihre erste Panikattacke. Obwohl ihr körperlich nichts fehlte, war der Eindruck überwältigend real. In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Host Christina Hillesheim mit Elina über Panikattacken, Unterforderung in der Corona-Zeit, Burnout-Gefahr, Nervensystem-Regulation und die Macht von Gemeinschaft.

Die Folge richtet sich vor allem an Menschen mit Angststörungen, Panikattacken, Erschöpfung oder innerer Unruhe – und an alle, die verstehen wollen, was ihr Körper ihnen mit diesen „Alarmzeichen“ eigentlich sagen will.

Unser Gast: Elina Carrier

Elina Carrier ist Unternehmerin, Moderatorin und Content Creatorin. Seit über zehn Jahren arbeitet sie auf Social Media, lange bevor „Influencerin“ ein etablierter Beruf war. Heute nutzt sie ihre Reichweite, um über mentale Gesundheit, Panikattacken und das Nervensystem zu sprechen und Menschen zu zeigen, dass sie mit ihren Themen nicht alleine sind.

Mit ihrem Projekt „Dinnerkonvos“ bringt sie Personen der Öffentlichkeit an einen Tisch, um über Themen wie mentale Gesundheit, Diversität oder Zykluswissen zu sprechen – offen, verletzlich und jenseits von polierter Social-Media-Fassade.

Wenn Panik aus heiterem Himmel kommt: Elinas erste Attacke

Elinas erste Panikattacke kam nicht im Stress-Chaos eines übervollen Terminkalenders, sondern in einer Phase, die von außen fast „perfekt entschleunigt“ wirkte.

Die Situation in Portugal: äußerlich ruhig, innerlich im Ausnahmezustand

Anfang 2021 verbringt Elina den Winter in Portugal. Corona, Regenwochen, ein kaltes Airbnb, viel Zeit allein:

  • wenig Struktur, kaum soziale Kontakte
  • viel Yoga, Lesen, Spazierengehen
  • beruflich zwar Aufträge, aber noch kein klares inneres „Warum“

Sie beschreibt diese Zeit als Mischung aus Überforderung und Unterforderung: Äußerlich passiert wenig, innerlich ist viel Unklarheit, Sinnsuche und diffuse Anspannung. Dann steht sie an den Klippen bei Lagos, vor meterhohen Wellen:

„Ich war plötzlich so krass überwältigt von dieser Naturgewalt … irgendwas fühlt sich komisch an.“

Herzrasen, Unruhe, ein Gefühl von Kontrollverlust – die Symptome verfliegen zunächst wieder. Doch in der Nacht kommt die Panik mit voller Wucht zurück. Elina liegt im Bett, ihr Herz rast, sie kann es nicht einordnen:

„Ich dachte, ich sterbe, obwohl körperlich ja nichts los ist. Das ist ja das Verrückte an Panik.“

Was dahinter steckte: Unterforderung, Einsamkeit und Sinnlosigkeit

Erst im Rückblick erkennt Elina, was ihr Nervensystem so aus der Bahn geworfen hat:

  • emotionale Unterforderung und das Gefühl, „zu nichts wirklich nützlich zu sein“
  • Einsamkeit: wochenlang kaum Körperkontakt, kaum Umarmungen
  • fehlender Purpose: Social Media als Job ohne klares inneres Warum
  • Corona-Bedingungen: Einschränkungen, Ungewissheit, keine Planbarkeit

Sie beschreibt ihre Panik als Zeichen eines überforderten Nervensystems, nicht als Zeichen eines „schwachen Charakters“:

„Panik ist ja ein Gefühl, was uns eigentlich früher mal geschützt hat. Das Problem ist: Heute gibt es in unserer westlichen Welt oft keinen akuten Säbelzahntiger mehr. Dann wird Panik zum Zeichen, dass irgendwas im Nervensystem nicht in Balance ist.“

Geteilter Schmerz, halbe Last: Warum Offenheit so wichtig war

Nach einigen Wochen entscheidet sich Elina, ihre Erfahrung auf Instagram zu teilen. Die Reaktionen sind überwältigend:

  • so viele Nachrichten wie nie zuvor
  • viele Follower:innen erkennen sich in ihrer Geschichte
  • zahlreiche Menschen schreiben: „Es klingt nach Anxiety, nach Panikattacken.“

Für Elina war das ein Wendepunkt:

Die wichtigste Botschaft aus dieser Phase:

Du musst Panik nicht alleine aushalten. Und sie sagt nichts darüber aus, wie „stark“ oder „schwach“ du bist.

Panik, Burnout & Nervensystem: Was dein Körper dir eigentlich sagen will

Im Gespräch wird deutlich: Sowohl Panikattacken als auch depressive Phasen oder Burnout sind körperliche Warnsignale. Sie zeigen, dass etwas in deinem Leben nicht mehr im Gleichgewicht ist.

Panik nicht bekämpfen, sondern zulassen

In der akuten Phase haben Elina klassische Tipps wie „benenne fünf Dinge, die du siehst“ nur begrenzt geholfen. Was für sie wirklich einen Unterschied gemacht hat:

  • nicht mehr kämpfen gegen die Panik
  • atmen und aushalten, statt sich zusätzlich hinein zu steigern
  • sich immer wieder sagen: „Körperlich passiert mir nichts, ich bin sicher.“

„Resisting macht es schlimmer. Einfach in dieses Allowing gehen und wissen: Es fühlt sich gerade so an, aber es wird auch wieder weggehen.“

Genau dieses „Nicht-mehr-Weglaufen“ ist auch für Christina ein Kernpunkt: Viele geraten in einen Teufelskreis aus Vermeidung (nicht mehr U-Bahn fahren, nicht mehr einkaufen, nie allein sein). Der Weg heraus beginnt oft damit, sich der Angst in kleinen Schritten wieder zu stellen.

Burnout als letztes Alarmzeichen des Körpers

Christina teilt ihre eigene Erfahrung mit einer mittelgradigen Depression / Erschöpfungsdepression (Burnout). Sie beschreibt:

  • eine agitiert-depressive Phase mit extremer innerer Unruhe („Duracell-Hase“)
  • massive Schlafstörungen und das Gefühl, „kurz vorm Platzen“ zu sein
  • phasenweise eine so schwere, körperliche Schwere, dass „normale“ Tätigkeiten zur Qual werden

Auch hier war der Auslöser: jahrelang an den eigenen Bedürfnissen vorbei leben, kein echter Sinn im Job, permanentes Übergehen von Erschöpfungssignalen.

Spannend ist dabei ein Gedanke, den Elina aus einem Gespräch mitnimmt:

  • Burnout ist nicht der Feind, sondern das letzte, lauteste Stoppschild deines Körpers.
  • Wer einmal voll in einem Burnout war, dessen Körper „weiß“, dass diese Notbremse möglich ist – und kann tendenziell schneller wieder dorthin kippen.
  • Umso wichtiger ist es, frühe Signale (Müdigkeit, Erschöpfung, Gereiztheit, Konzentrationsprobleme) ernst zu nehmen.

Christina war letztlich ein Jahr krankgeschrieben, hat danach aber ihr Leben grundlegend verändert:

  • Wohnortwechsel
  • Selbstständigkeit
  • Ausrichtung auf ein Leben, das zu ihren Werten passt

Ihr Fazit: „Nach diesen 12 Monaten ging es mir besser als vorher – weil ich endlich so gelebt habe, wie es wirklich zu mir passt.“

Was dein Nervensystem beruhigt: konkrete Hebel aus der Folge

Mehrere Strategien ziehen sich durch das gesamte Gespräch:

  • Körper ernst nehmen: Müdigkeit, innere Unruhe, Tränen bei „Kleinigkeiten“ sind Signale, keine Schwächen.
  • Reizreduktion: Zeit in der Natur, weniger Screentime, Pausen ohne Handy.
  • Präsenz kultivieren:
    • an der Ampel: bewusst atmen statt scrollen
    • an der Supermarktkasse: kurz den Körper spüren statt Mails checken
    • im Familienalltag: immer wieder zurück ins „Was brauche ich jetzt gerade?“
  • Kleine Check-ins im Alltag: zwischendurch innehalten, atmen, den Körper scannen.
  • Sinn & Kreativität:
    • statt nur „funktionieren“: Fragen wie „Was macht mir wirklich Freude?“
    • Kreativität nicht nur als Malen verstehen, sondern auch als Unternehmen aufbauen, eigene Geschichte teilen, Projekte gestalten.

Ein wichtiger Punkt von Christina: Du musst nicht sofort dein Leben umkrempeln oder dich selbstständig machen. Aber es lohnt sich, ehrlich hinzuschauen: „Was versucht mir mein Nervensystem gerade zu sagen? Wo passt mein Leben nicht mehr zu mir?“

Gemeinschaft statt Isolation: Warum Verbindung heilend wirkt

Einsamkeit und fehlende Berührung waren bei Elina zentrale Faktoren, die ihr Nervensystem aus der Balance gebracht haben. Gleichzeitig spielt Verbindung heute eine große Rolle in ihrem Heilungs- und Arbeitsansatz.

Umarmungen, Co-Regulation und eine einfache, starke Übung

Elina beschreibt, wie sehr ihr heute körperliche Nähe hilft – etwa mit ihrem Partner:

„Wir sind so unglaublich viel körperlich, weil ich merke, wie krass mich das reguliert und entspannt.“

Sie teilt außerdem eine Übung zur Co-Regulation, die sie liebt und die in der Folge mehrfach angesprochen wird:

  1. Stell dich mit einer Person, der du vertraust, nah zusammen und umarmt euch.
  2. Atme gemeinsam tief ein.
  3. Atmet gemeinsam aus und macht dabei einen langen, vibrierenden Ton: „Vuuuuuu…“
  4. Wiederholt das 3–5 Mal.

Worauf es ankommt:

  • Ihr solltet euch gegenseitig körperlich spüren.
  • Die Vibration der Stimme beruhigt über den Körper (unter anderem den Vagusnerv).

Diese Übung stammt aus der traumasensiblen Körperarbeit und zeigt eindrücklich, wie sehr unser Nervensystem auf Verbindung reagiert. Sie lässt sich in abgewandelter Form auch allein durchführen (mit Ton und Berührung des eigenen Körpers).

„Dinnerkonvos“: offene Gespräche mit Menschen aus der Öffentlichkeit

Mit Dinnerkonvos schafft Elina einen Raum, in dem Menschen mit Stimme in der Öffentlichkeit – Influencer:innen, Moderator:innen, Schauspieler:innen, Journalist:innen – über persönliche Themen sprechen. Das Format:

  • intime Dinnerrunde mit ca. zehn Personen
  • ein Fokusthema (z. B. mentale Gesundheit, Diversität, Zyklus)
  • kein großer Kamerazirkus, sondern ein bewusst schlichter Rahmen

Die Gespräche werden in Berlin aufgenommen, inhaltlich vorbereitet und später in Ausschnitten auf den jeweiligen Kanälen geteilt. Warum vor allem Menschen aus der Öffentlichkeit?

  • Weil es enorm wirkt, wenn sichtbare Personen offen über Panik, Selbstzweifel oder mentale Gesundheit sprechen.
  • Weil es die klassische Einbahnstraßen-Dynamik („ein Creator – viele konsumieren“) aufbricht.
  • Weil so Verbundenheit entsteht: „Alle kochen nur mit Wasser. Jede Person trägt ihr Päckchen.“

Für die Community gibt es darüber hinaus kostenlose Events wie Picknicks, Movie Nights, Runs oder Zyklusabende, bei denen sich Menschen mit ähnlichen Themen treffen und austauschen können.

Praktische Wege, dein Nervensystem im Alltag zu schützen

Zum Ende der Folge sprechen Christina und Elina darüber, wie sie heute auf ihr Nervensystem achten – gerade weil beide wissen, wie schnell man an den Rand von Panik oder Erschöpfung geraten kann.

1. Früh Signale wahrnehmen – und reagieren

Typische Warnsignale, die du ernst nehmen solltest:

  • du fängst wegen kleinster Nachrichten an zu weinen
  • du bist ungewöhnlich gereizt oder dünnhäutig
  • du schläfst deutlich schlechter oder deutlich mehr als sonst
  • du hast das Gefühl, innerlich permanent „auf Hochspannung“ zu sein

Elina beschreibt einen Schlüsselmoment: Eine völlig alltägliche SMS („Kannst du später noch ein Video aufnehmen?“) bringt sie so aus der Fassung, dass sie draußen auf dem Boden zusammenbricht und weint. Ihr klarer Gedanke danach:

„I’m not going there, I’m not doing this.“„Da gehe ich nicht wieder hin.“

Sie bucht eine Woche allein in Schweden, reduziert Input, gibt ihrem System Raum, sich zu sortieren – und merkt, wie wichtig es ist, vor dem Absturz gegenzusteuern.

2. Alleinsein – aber nicht isoliert sein

Ein wichtiger Unterschied, der in der Folge deutlich wird:

  • heilsames Alleinsein: kurze Auszeiten, in denen du dich selbst wieder hören kannst
  • schädliche Isolation: wochenlang niemanden umarmen, kaum reale Kontakte, nur Bildschirmkontakt

Beides sind Extreme, die du balancieren darfst:

  • Zeit nur mit dir – ohne Social Media als Dauerbeschallung.
  • Zeit „nebeneinander“ mit vertrauten Menschen: im selben Raum, ohne dauernd zu reden oder aufs Handy zu schauen.

Präsenz in Beziehungen ist dabei ein wichtiger Schutzfaktor: Zusammen sein, ohne sich zu betäuben oder zu zerstreuen.

3. Kleine Rituale für mehr Körperkontakt mit dir selbst

Auch wenn du nicht „spirituell“ bist: Dein Körper reagiert auf Berührung, Bewegung und Stimme. Ideen aus der Folge:

  • Klopfen / Schütteln: den Körper locker ausschütteln, sich leicht abklopfen, um Spannung abzubauen.
  • Töne machen: summen, lange Vokale tönen („aaa“, „ooo“, „vuuu“), um über Vibration zu beruhigen.
  • Hände auflegen: Hand aufs Herz oder den Bauch, deinen Herzschlag bewusst spüren.

Christina betont: Diese Dinge sind kein „Spirikram“, sondern physiologisch sinnvoll, weil sie dein Nervensystem direkt ansprechen.

4. Gedanken über Zukunftsangst entlarven

Ein häufiger Trigger für Angst: Katastrophenfantasien über die Zukunft. Christina empfiehlt, sich immer wieder bewusst zu fragen:

  • „Was ist jetzt, in diesem Moment, wirklich das Problem?“
  • „Ist gerade tatsächlich etwas Schlimmes passiert – oder denke ich nur darüber nach, was passieren könnte?“

Oft zeigt sich: Im jetzigen Moment ist vieles in Ordnung. Genau diese Rückkehr ins Hier und Jetzt entlastet das Nervensystem.

Weitere Inhalte der Podcastfolge

  • Frage einer Mutter an die Community: Wie kann ich vertrauen, wenn ich Angst habe, mein Kind zu verlieren – und was hilft in Konflikten mit dem Ex-Partner?
  • Elinas Social-Media-Anfänge: Warum „Influencerin“ früher fast als „Krankheit“ belächelt wurde und was sich geändert hat.
  • Sinn finden nach der Angst: Wie sowohl Elina als auch Christina ihren Purpose nach Panik und Burnout Schritt für Schritt entdeckt haben.
  • Frauenkreise & Empowerment: Warum insbesondere Frauenräume, in denen ehrlich über Schmerz und Stärke gesprochen wird, so inspirierend sein können.
  • Buchtipp: „Der Gesang der Flusskrebse“ – ein Roman, der Natur, Lebensgeschichte und Spannung verbindet und wohltuend Abstand zu Ratgeberliteratur schafft.
Dies ist ein Podcast aus meiner Themenwelt „Akute Angst & Panik". Du findest viele weitere hilfreichen Informationen und Tipps auf der Themenseite: „Akute Angst & Panik"
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