Ich will neu anfangen! Angst vor Veränderung und Neuanfang

Interview mit Jasmin Böhm

Folge 334 | Ich will neu anfangen! Angst vor Veränderung und Neuanfang - Interview mit Jasmin Böhm

„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.

Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️

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Inhalt

Mit Angst im Gepäck: Wie Jasmin ihren Job kündigte, mit ihrem Sohn die Welt bereist – und dabei sich selbst vertraute

Wie triffst du mutige Entscheidungen, wenn du voller Angst bist, alleinerziehend und finanziell unter Druck? In dieser Folge von „Angst unplugged“ erzählt Reiseautorin Jasmin Böhm, wie sie drei Jobs, eine angefangene Doktorarbeit und ihr altes Leben hinter sich ließ, um mit ihrem kleinen Sohn per Fahrrad die Welt zu erkunden – trotz (und mit) vielen Ängsten.

Der Artikel fasst ihre wichtigsten Erkenntnisse zusammen: über finanzielle Sorgen, Mom-Guilt, gesellschaftliche Erwartungen, Panikattacken im Zelt und den Mut, Träume nicht länger aufzuschieben.

Unser Gast: Jasmin Böhm

Jasmin Böhm ist alleinerziehende Mutter, Autorin und Langzeitreisende. Sie reist seit vier Jahren mit ihrem Sohn um die Welt – bevorzugt langsam, mit dem Fahrrad, per Segelboot und Zelt. Vor ihrem Aufbruch jonglierte sie drei Jobs, schrieb an ihrer Doktorarbeit in Kunstgeschichte und war emotional wie körperlich am Limit.

Auf ihren Reisen schreibt sie Bücher, hält Vorträge und teilt auf Instagram ihren Alltag als alleinerziehende Reisemama. Ihre beiden Bücher „Hallo, glücklich gibt es ja doch“ und „Hallo Angst, ich mache es jetzt doch“ zeigen, wie sie aus einem Leben im Dauerfunktionieren Schritt für Schritt in ein selbstbestimmtes Leben gefunden hat – mit vielen Ängsten, aber ohne sich von ihnen aufhalten zu lassen.

Vom Nervenzusammenbruch zur Entscheidung: „Ich kündige jetzt, es ist mir egal, was passiert“

Als Jasmin ihre erste große Entscheidung trifft, steht sie mit dem Rücken zur Wand: drei Jobs, alleinerziehend, kaum Zeit für ihren Sohn, permanente Erschöpfung. Sie spürt, dass sie geradewegs in Burnout und Depression steuert.

Ihr Wendepunkt beginnt mit einem radikalen inneren Check-in:

  • Sie hinterfragt in einem Moment totaler Erschöpfung ihr komplettes Leben.
  • In der Badewanne stellt sie sich intensiv vor, sie hätte nur noch einen Monat zu leben.
  • Sie erinnert sich an den Tod ihrer Mutter, die Anfang 20 an Krebs gestorben ist – und an ihr Versprechen, „immer dem Glück zu folgen“.

Jasmin beschreibt, wie klar plötzlich alles wurde:

„Ich habe mich gefragt: Was würde ich machen, wenn ich nur noch einen Monat zu leben hätte? Und in dem Moment war klar: Ich kündige jetzt. Es ist mir egal, was passiert.“

Sie kündigt alle Jobs auf einmal, ohne fertigen Plan, nur mit dem Wissen: So kann es nicht weitergehen. Die Angst vor Burnout und einem Leben, in dem ihr Kind „überhaupt gar nichts mehr“ von ihr hat, ist größer als ihre finanzielle Angst.

Was du daraus mitnehmen kannst:

  • Angst kann ein Warnsignal sein, dass du ein Leben lebst, das nicht zu dir passt.
  • Die Frage „Was, wenn ich nur noch einen Monat hätte?“ sortiert Prioritäten oft radikal.
  • Du musst nicht wissen, wie alles geht – manchmal reicht der erste konsequente Schritt.

Finanzielle Angst, Alleinerziehend & Weltreise: Wie soll das bitte gehen?

Jasmins größte Angst auf der ersten Reise war nicht die Fremde, sondern das Geld. Sie war überzeugt: Ohne Vollzeitjob kann man als Alleinerziehende nicht überleben. Trotzdem geht sie los – mit ihrem Sohn, dem Fahrrad und 1.500 Euro Startkapital.

Schrittweiser Ausstieg statt perfekter Masterplan

Die Entscheidung war kein spontaner Impuls, sondern das Ende eines langen inneren Ringens:

  • Schon ein Jahr lang spricht sie darüber, „alles zu kündigen“, traut sich aber nicht.
  • Sie fühlt sich im klassischen Lebensmodell gefangen: Arbeiten, um Miete, Kita und Betreuung zu zahlen, um weiter arbeiten zu können.
  • Ihr altes Leben gibt scheinbare Sicherheit – aber raubt ihr jede Lebensfreude.

Nach der Kündigung kommen die Lösungen nicht auf Knopfdruck, aber Schritt für Schritt:

  • Sie vermietet ihre Wohnung unter und reduziert damit drastisch ihre Fixkosten.
  • Sie erhält überraschend ein rückwirkendes Stipendium für ihre Masterarbeit.
  • Sie startet (fast nebenbei) mit Instagram und nimmt die Menschen auf ihre Reise mit.
  • Ihre Community spendet ihr einen Monat Lebenszeit, damit sie weiter Verlage anschreiben kann.
  • Schließlich bekommt sie ein Verlagsangebot und veröffentlicht ihr erstes Buch.
  • Später kombiniert sie mehrere Einkommensquellen: Bücher, Vorträge, Lehraufträge, Kooperationen.

„Ich habe nicht mehr gearbeitet, aber plötzlich mehr Geld als vorher mit drei Jobs. Das war total absurd.“

Realistisch bleibt es trotzdem: Geld bleibt über Jahre ein Dauerthema, gerade auf der Reise ans Nordkap. Doch jede kreative Lösung stärkt ihr Vertrauen: Es findet sich immer ein Weg.

Für wen dieser Weg realistisch ist – und für wen (erstmal) nicht

Jasmin verschweigt nicht, dass sie gewisse Vorteile hatte:

  • Ein Vermieter, der Untervermietung erlaubt.
  • Ehemalige Arbeitgeber, die ihr eine Rückkehr in Aussicht stellen.
  • Akademischer Hintergrund und die Möglichkeit, Lehraufträge online zu geben.

Ihr Ansatz ist deshalb eher:

  • Klein anfangen: erst Reisen in Etappen, nicht gleich alles kündigen.
  • Sicherheitspuffer identifizieren: Welche Türen wären im Notfall noch offen?
  • Mut mit Plan verbinden: Träume ernst nehmen, aber nicht blauäugig werden.

„Wenn es nicht klappt, kannst du immer noch in deine alten Jobs zurück. Aber bis zu dem Punkt versuchst du es einfach.“

Mit Angst reisen: Panik im Zelt, Horrorwellen im Kopf – und trotzdem losgehen

Wer Jasmin auf Instagram sieht, denkt schnell: „Die hat keine Angst, die ist einfach mutig geboren.“ In der Podcastfolge zeigt sich ein anderes Bild: Jasmin ist jemand, der sich viele Sorgen macht und sehr viele Ängste hat – und trotzdem handelt.

Wildzelten: Von Panikattacken zu „komplett relaxed“

Ein Beispiel, das sich durch das Gespräch zieht, ist das Wildzelten in Norwegen.

  • Beim ersten Mal hat sie die komplette Nacht Panikattacken.
  • Sie liegt wach, malt sich Horrorszenarien aus: Männer im Wald, Bären, „irgendwas passiert“.
  • Am Morgen merkt sie: Es ist nichts passiert. Aber in mir ist etwas passiert.

„Am Morgen war ich der glücklichste Mensch der Welt, weil ich es geschafft habe.“

Mit jedem weiteren Mal wird es leichter:

„Wie krass es ist, was in ein paar Monaten möglich ist: von extremen Panikattacken zu komplett relaxed im Zelt liegen.“

Übertragbar auf dein Leben: Ob Vortrag, Bahnfahren, Büro oder Alleinreisen – Vermeidung hält die Angst am Leben, Erfahrung nimmt ihr langsam die Macht.

Angst vs. reale Gefahr: Wie sie unterscheidet

Angst ist nicht per se der Feind. Sie schützt auch. Gerade auf riskanteren Touren muss Jasmin ständig prüfen: Ist das meine Angst – oder echte Gefahr?

Ihre Strategien:

  • Realitätscheck: Wie wahrscheinlich ist das Horrorszenario wirklich?
  • Vergleich:
    • Ist ein Fahrradunfall im spanischen Hinterland wirklich gefährlicher als einer im deutschen Wald?
    • Ist die Wahrscheinlichkeit zu kentern wirklich höher als die, auf der Autobahn zu verunglücken?
  • Andere fragen: Sie spricht vor Ort mit Menschen, die Erfahrung mit Stürmen, Wellen, Tunneln etc. haben.
  • Statistische Einordnung: Sie schaut sich Worst-Case-Szenarien an, aber bewertet sie nüchtern: wie selten sind sie?

„In einem anderen Land gibt es auch Krankenhäuser, auch Menschen, die dir helfen.“

So lernt sie, zwischen „mein Kopf dreht frei“ und „hier ist es wirklich riskant“ zu unterscheiden.

Wenn Träume größer sind als die Angst

Jasmin zwingt sich nicht, jede Angst „wegzutherapieren“:

  • Sie wird nicht aus dem Flugzeug springen oder Bungee-Jumping machen – weil sie es schlicht nicht will.
  • Ihre Spinnenangst akzeptiert sie, ohne sie zum Lebenshindernis werden zu lassen.

Anders ist es, wenn ein Herzenswunsch im Weg steht – wie das Wildzelten oder jetzt die Überfahrt nach Australien mit dem Segelboot.

„Mit dem Segelboot nach Australien – ich habe so eine Angst davor, aber ich weiß, das wird vielleicht das Coolste der gesamten Reise.“

In solchen Fällen folgt sie einem klaren inneren Kompass:

  • Wenn der Traum dich nicht loslässt, lohnt sich der Weg durch die Angst.
  • Wenn du es gar nicht willst, musst du dich dieser Angst nicht zwingend stellen.

Oder wie Christina es auf den Punkt bringt: Träume aufzuschieben nur wegen der Angst macht auf Dauer unglücklich.

Mutige Mutterschaft: Reisen mit Kind, Krankheit & ehrlichem Umgang mit Angst

Viele Hörerinnen sind Mütter. Entsprechend groß sind die Fragen: Darf ich mein Kind so „mitnehmen“? Ist das nicht egoistisch? Was, wenn es krank wird?

Wie ihr Sohn die Reisen erlebt

Schon mit zweieinhalb meldet ihr Sohn zurück, wie gut ihm das gemeinsame Unterwegssein tut:

„Er saß im Anhänger und rief: ‚Mama?‘ – ‚Ja?‘ – ‚Ich bin glücklich.‘“

Heute, mit sechs Jahren, kann er es noch klarer ausdrücken:

  • Er bedankt sich bei Jasmin für das Leben, das er führen darf.
  • Er erlebt Wale, Rentiere, Orang-Utans, Berge, Meer, fremde Kulturen.
  • Er wird mit jeder Reise offener, selbstbewusster, sprachlich sicherer.
  • Unterwegs lernt er ganz nebenbei Englisch und spricht mit Menschen aus aller Welt.

Jasmin beobachtet ein wiederkehrendes Muster:

  • Zu Hause ist er eher der Beobachter.
  • Nach ein paar Wochen auf Reisen verwandelt er sich in ein „Reisekind“: offen, abenteuerlustig, neugierig.

Die Stimmen von außen („Kindergarten ist essenziell“, „du nimmst ihm etwas weg“) haben sie lange verunsichert. Trotzdem zeigt die Erfahrung: Die Reisen tun ihnen beiden gut.

Umgang mit der Angst ums Kind

Die Angst um ihr Kind kennt Jasmin sehr gut – besonders bei Krankheiten oder medizinischen Eingriffen. Sie relativiert für sich jedoch einen wichtigen Punkt:

  • Was ihrem Sohn in Indonesien passieren kann, kann ihm in Deutschland auch passieren.
  • Ein aufgeschnittenes Abszess am Bein wäre in Deutschland exakt gleich behandelt worden.
  • Für schwere Fälle gibt es die Option, in ein Land mit Top-Medizin (z. B. Singapur) zu fliegen – abgesichert durch die Auslandskrankenversicherung.

Um handlungsfähig zu bleiben, arbeitet sie mit Notfall-Plänen:

  • Bei abgelegenen Orten schickt sie Standortdaten an Vertrauenspersonen.
  • Sie legt vorher fest: „Wenn X passiert, mache ich Y. Wenn es bis Tag Z nicht besser ist, gehe ich ins Krankenhaus.“
  • So muss sie im Akutfall nicht mehr entscheiden, sondern nur ihren eigenen Plan abarbeiten.

„Wenn man sich einen Plan zurechtlegt, kann man im Notfall einfach funktionieren.“

Wie sie mit ihrem Sohn über ihre Ängste spricht

Jasmin versteckt ihre Angst nicht, dramatisiert sie aber auch nicht vor ihrem Sohn. Sie geht sehr bewusst damit um:

  • Sie ist transparent: „Die Mama hat ein bisschen Angst vor hohen Wellen.“
  • Sie teilt Fakten, nicht Horrorfilme:
    • „Segelboote sind so gebaut, dass sie nicht kentern.“
    • „Das Boot ist für hohe Wellen gemacht.“
  • Sie erklärt, dass ihr Kopf Filme macht, „die gar nicht wahr werden können“.
  • Sie gibt ihrem Sohn damit eine gesunde Botschaft: Angst darf da sein – und gleichzeitig können wir sicher sein.

Die Reaktion ihres Sohnes?

  • Er bekommt selbst keine zusätzliche Angst.
  • Er wird oft zum Mutmacher: „Mama, du brauchst keine Angst haben, wir können nicht kentern.“
  • Auf Bergtouren feuert er sie an: „Du schaffst das, komm noch ein bisschen!“

So wird aus Jasmins persönlicher Angstgeschichte eine gemeinsame Lernreise für Mutter und Kind.

Weitere Inhalte der Podcastfolge

  • Wie Jasmins toxische Beziehung mit häuslicher Gewalt ihre Sehnsucht nach einem „sicheren Zuhause“ geprägt hat – und warum das Loslassen der Wohnung so schwer war.
  • Warum Kindergarten und klassisches Familienmodell für sie nicht automatisch „das Beste“ für ihr Kind waren.
  • Wie ihre akademische Laufbahn (Soziologie, Kunstgeschichte, Kuratiorial Studies) in ein freies Leben als Autorin und Reisende mündete.
  • Die Entstehung ihrer Bücher „Hallo, glücklich gibt es ja doch“ und „Hallo Angst, ich mache es jetzt doch“ – und für wen welches Buch besonders geeignet ist.
  • Warum Medienberichte oft ein verzerrtes Bild der Welt zeichnen – und welche Erfahrungen sie mit Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit in über 25 Ländern gemacht hat.
  • Christinas Perspektive: Wie sich Mut und Sicherheit auch im Business aufbauen – vom panischen ersten Webinar zur entspannten Live-Session aus dem Stegreif.
Dies ist ein Podcast aus meiner Themenwelt „Angst & Überforderung". Du findest viele weitere hilfreichen Informationen und Tipps auf der Themenseite: „Angst & Überforderung"
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