Kennst du diese schreckliche Angst vor Krankheiten? Dass du bei jedem Symptom gleich befürchtest, todkrank zu sein? Ständig Selbstdiagnosen anstellst oder Doktor Google fragst, was die unterschiedlichsten Symptome bedeuten könnten? Hast du vielleicht sogar Angst, unter Leute zu gehen, weil du dich anstecken könntest?
Das ging mir lange Zeit ganz genauso. Ich war der größte Hypochonder auf Erden 🙈
Ich hatte Angst vor Krebs, Angst vor Aids, Angst vor ALS – und bei jedem Herzstolpern die Angst, dass es ein Herzinfarkt sein könnte.
Was die Krankheitsangst ausmacht, wie ich meine Hypochondrie erlebt habe und welche Tipps meiner Erfahrung nach dagegen helfen können, das erfährst du in diesem Beitrag.
Woran kann man eine übersteigerte Angst vor Krankheiten erkennen?
Keiner möchte gerne krank sein, das ist ja ganz normal. Erst wenn die Angst vor Krankheiten stark ausgeprägt ist und das eigene Leben und Handeln stark beeinflusst, dann bezeichnet man das als Hypochondrie, bzw. als „übersteigerte Angst vor Krankheiten“.
Hier findest du eine Auflistung von typischen Verhaltensweisen, Gedanken und Symptome, die auf eine übersteigerte Krankheitsangst bzw. Hypochondrie hinweisen können:
- Kopfschmerzen, Verdauungsgeräusche, ein erhöhter Herzschlag, das Kribbeln in der rechten Hand … solche und weitere Körpersignale interpretierst du als bedrohliche Anzeichen für schwerwiegende Krankheiten.
- Du fokussierst dich stark auf deine körperlichen Empfindungen und fragst dich ständig, warum dein Körper tut, was er tut.
- Du machst dir intensive Sorgen um deine Gesundheit und deine Gedanken kreisen ständig um schwerwiegenden Erkrankungen wie beispielsweise Krebs, Multiple Sklerose, Aids, Corona oder sogar ganz exotische Krankheiten – selbst wenn das Risiko super gering ist, daran zu erkranken.
- Du bist ständig am googeln, was deine Symptome zu bedeuten haben, und siehst dich schnell bestätigt von den Horrordiagnosen, die du dort herausfindest.
- Du gehst ständig zum Arzt, um dich untersuchen zu lassen und abzusichern, dass du nicht ernsthaft erkrankt bist.
- Selbst bei negativen Befunden hältst du aber an deiner Angst fest und bleibst skeptisch gegenüber der Diagnose des Arztes und seiner Ratschläge.
- Oder: Du meidest Ärzte und Vorsorgeuntersuchungen, weil du Angst hast, dass dir eine schlimme Krankheit diagnostiziert werden könnte.
- Du hast ständig den Drang, dich selbst zu untersuchen und suchst deinen Körper oft intensiv nach Anzeichen oder Veränderungen ab, die auf eine Krankheiten hindeuten könnten.
- Du sprichst viel über deinen Gesundheitszustand und suchst im Gespräch mit anderen auch nach Bestätigung und Zuspruch für deine Sorgen.
- Du neigst dazu, Krankheiten anderer auf dich selbst zu übertragen und zu glauben, dass du dieselbe Krankheit auch haben könntest.
- Du meidest Situationen oder Orte, die du als gesundheitlich riskant einstufst. Dazu gehören vielleicht auch schon die U-Bahn oder der Besuch bei deiner Freundin, deren Kinder mal wieder krank sind.
- Du isolierst dich aus Angst, dich irgendwo anstecken zu können.
- Deine Angst vor Krankheiten bestimmt über dein Leben und beeinträchtigt deine Lebensqualität.
- Deine Gedanken kreisen ständig um deine Gesundheit. Typische Gedanken sind so etwas wie „Dieses Symptom könnte auf [Krankheit xy] hinweisen.“, „Kein Arzt nimmt meine Symptome ernst.“, „Ich finde keine Erklärung, also muss es etwas Schlimmes sein.“, „Ich muss ständig auf meinen Körper achten.“, “Ich fühle mich nicht gut, also kann ich nicht normal funktionieren.“, „Ich kenne jemanden, der an dieser Krankheit gestorben ist.“ usw.
- Ganz oft leiden Hypochonder auch unter Panikattacken, die durch die große Angst vor Krankheiten natürlich erst ausgelöst werden.
Ich selbst habe tatsächlich unter so ziemlich jedem dieser Symptome gelitten. Meine Angst vor Krankheiten hat sich einfach durch mein Leben gezogen und ganz klar meine Gedanken, aber auch mein Verhalten bestimmt.
Heute weiß ich: Meine Hypochondrie war die eigentliche Krankheit, die geheilt werden musste.
Warum du unbedingt etwas gegen deine Angst vor Krankheiten tun solltest
Ich weiß natürlich nicht, wie es bei dir ist. Aber ich kann rückblickend ganz klar sagen: Die Hypochondrie hat mir mein Leben zur Hölle gemacht.
Ich bin in Gedanken ständig um meine Angst vor Krankheiten gekreist. Ich habe bei jedem kleinsten Wehwehchen gegoogelt und die schlimmsten Befürchtungen bestätigt gesehen. Hatte so oft Angst, sterben zu müssen und habe mir in Gedanken die schlimmsten Horrorszenarien ausgemalt, wie ich leiden werde. Hatte so oft Panikattacken.
Ich war ständig beim Arzt, habe ständig nach Hilfe gesucht – und wurde ständig belächelt. Das war nicht nur zusätzlich beängstigend, weil mir ja auch keiner geholfen hat. Sondern ich habe mich auch einfach total einsam und unverstanden gefühlt.
Bis ich mich immer mehr isoliert habe. Ich habe Situationen vermieden, in denen ich krank werden könnte. Und mich irgendwann auch nicht mehr anderen anvertraut, weil ich ja eh kein Verständnis bekommen konnte und gefühlt jeder von mir genervt war.
Und damit habe ich mich natürlich auch nicht gut gefühlt. Mein Selbstwertgefühl war im Eimer.
Hypochondrie kann sich auf das komplette Leben auswirken
Ja, die Angst vor Krankheiten kann ganz viele unterschiedliche negative Auswirkungen auf unser Leben nehmen:
- Soziale Isolation: Wenn du dich zurückziehst, um Ansteckung zu vermeiden, oder weil du dich unverstanden fühlst.
- Beeinträchtigte Arbeitsleistung: Weil du dich schlecht konzentrieren kannst oder wegen vermeintlicher Krankheit oft zu Hause bleibst
- Psychische Belastungen: Weil du durch deine Angst vor Krankheiten unter starkem Stress, innere Unruhe, Angstzustände und Depressionen leidest.
- Körperliche Symptome: Weil deine Angst selbst körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden oder Schlafstörungen auslösen kann.
- Schuldgefühle: Weil du wegen deiner Angst vor Krankheiten andere Termine absagst oder „krank“ zu Hause bleibst.
- Eingeschränkte Lebensqualität: Weil du dein Leben einfach nicht in vollen Zügen genießen kannst, wenn du ständig in Sorge bist.
- Beziehungskonflikte: Weil du dich oft unverstanden fühlst und andere dir nicht helfen können oder wollen. Und gleichzeitig auch, weil die anderen nicht wissen, wie sie richtig mit dir und deiner Angst umgehen können.
- Selbstwertprobleme: Weil du dich einfach schlecht mit deiner Angst fühlst und das Vertrauen in dich und deinen Körper verloren hast.
Die gute Nachricht: Hypochondrie ist heilbar
Wenn du dich in meinem Beitrag und dem, was ich beschrieben habe, wiedererkennst, dann möchte ich dir ganz dringend eine Therapie empfehlen. Denn mit einer guten Therapie kannst du diese schreckliche Angst loswerden und wieder ganz neu erlernen, deinem Körper zu vertrauen und die Zeichen, die dein Körper dir sendet, richtig zu interpretieren.
- Ich habe in meiner Therapie gelernt, meine Angstgedanken und Unsicherheit auszuhalten und Abstand dazu zu gewinnen.
- Ich habe natürlich auch heute noch irgendwelche körperlichen Symptome. Kopfschmerzen, Magengrummeln, Halsschmerzen, Müdigkeit … Heute – mit 2 kleinen Kindern – bin ich soo, soo oft krank. Aber ich kann das jetzt aushalten.
- Ich kann meine Körpersignale besser deuten und sie als das verstehen, was sie sind. Nämlich Anzeichen meines Körpers, dass er irgendetwas von mir braucht.
- Ich schaffe es, dem Impuls zu widerstehen, alles mögliche zu googlen und dadurch in noch viel schlimmerer Horrorgedanken einzutauchen.
- Ich kann unter Menschen gehen – sogar in Zeiten von Corona – ohne dass das Gedankenkarussell anspringt und ich ständig Angst habe, krank zu werden.
- Und wenn ich krank werde – und das bin ich als zweifache Mutter ständig – dann kann ich jetzt besonnen darauf reagieren und mich ausruhen statt mich und meinen Körper mit meiner Angst noch viel stärker zu belasten.
Das alles kann eine gute Therapie bewirken. Und dein Arzt wird dir gerne dabei helfen die passende Therapieform für dich zu finden.
3 Tipps: Das kannst du selbst gegen deine Angst vor Krankheiten tun
Es gibt wirklich eine Menge Dinge, die du begleitend zur therapeutischen Behandlung selbst tun kannst, um besser mit deiner Angst zurechtzukommen. Hier findest du 3 sehr hilfreiche Tipps:
Tipp 1: Nicht googlen
Symptome zu googeln kann in eine Sucht ausarten und ist absolutes Gift für Hypochonder.
Denn Google zeigt in den ersten Beiträgen die Ergebnisse, die am häufigsten geklickt wurden. Und das sind meistens die schlimmsten Horrorszenarien mit der geringsten Wahrscheinlichkeit. Und trotzdem befeuern diese Ergebnisse deine Angst noch.
Mein Tipp: Schließe mit dir selbst einen „Anti-Google-Pakt“, indem du dir täglich aufs Neue vornimmst: „HEUTE google ich nicht.“ Versuche diesen Pakt mindestens 30 Tage durchzuziehen, um dich von der Sucht nach Symptomen zu Google, zu befreien.
Alternativ kannst du ein Symptomtagebuch führen, in das du körperliche Symptome notierst, es dann erst einmal zur Seite legst und abwartest. Du wirst sehen: Die allermeisten Symptome sind nach spätestens 3–4 Wochen verschwunden.
Tipp 2: Affirmationen bei Angst vor Krankheiten
Affirmationen sind positive Botschaften, die du dir selbst zusprichst. Diese Botschaften sollen dir Mut machen, dich trösten oder beruhigen.
Hier findest du ein paar hilfreiche Affirmationen, die du dir am besten täglich aufsagst, um dein Nervensystem zu beruhigen und dein Vertrauen in deinen Körper zu stärken:
- „Ich habe ein Problem und darf mir selber helfen. Ich bin auf dem richtigen Weg.“
- „Ich darf mir selbst und meinem Körper vertrauen.“
- „Ich lebe in einem gesunden und starken Körper, der jeden Tag sein bestes für mich gibt.“
- „Ich bin kerngesund und meine Familie ist kerngesund.“
- „Ich kümmere mich gut um meinen Körper und gebe ihm, was er braucht.“
- „Ich bin keine Maschine. Es muss mir nicht jeden Tag gut gehen.“
Wenn du dieses Wissen vertiefen möchtest, schau dir doch mal meinen Online-Workshop zum Thema an:
Zum Workshop „Angst vor Krankheiten“
Lerne, wie du deine Angst besser verstehen und deinen Körper wieder als sicheren Ort erleben kannst.
Tipp 3: „Symptome“ gezielt loslassen
Spürst du irgendwelche körperlichen Symptome, die dich direkt beängstigen?
Dann ist es wichtig, dass du dich nicht weiter hineinsteigerst, denn das könnte dazu führen, dass du noch weitere Symptome dazubekommst, wie Herzrasen oder Schwindel.
Stattdessen hilft es, wenn du ruhig und tief atmest und das Symptom aktiv mit der folgenden Übung loslässt:
Stelle beide Füße fest auf den Boden und schließe deine Augen. Atme mehrmals vier Sekunden bewusst ein und acht Sekunden wieder aus. Lass deinen Atem zur Ruhe kommen und spüre, wie du innerlich ruhiger wirst.
Konzentriere dich dann auf dein Symptom: Wo sitzt es? Wie fühlt es sich an? Welche Farbe hat es? Stelle dir dann vor, wie du die Festigkeit und die Farbe, zum Beispiel durch einen goldenen Lichtstrahl, aktiv veränderst, sodass es sich verflüssigt oder ganz weich wird.
Lasse es dann in Gedanken über deine Füße tief in die Erde abfließen und prüfe erneut: Wie fühlt es sich jetzt in deinem Körper an? Ist es noch da? Oder ist es vielleicht schon weniger geworden?
Halte es nicht länger fest sondern verabschiede dich. Und dann suchst du dir am besten etwas, was dir richtig guttut.
Eine ganz wichtige Botschaft an dich
Dein Leben muss nicht so bleiben. Du kannst etwas tun, damit du deine Angst vor Krankheiten loswirst. Deshalb warte nicht länger und verschwende nicht mehr Lebenszeit an deine Ängste: Mach eine Therapie, und lass dir helfen.
Ich hoffe, mein Beitrag kann dich dabei schon ein Stückchen weiterbringen. 🙏🏼
Über die Autorin: Christina von HappyDings ist Diplom-Soziologin, Spiegel-Bestsellerautorin und weiß aus eigener Erfahrung, wie es ist, unter Angst, Panik und Erschöpfung zu leiden. Nach einem Burnout und Jahren mit Depression und Angststörung hat sie ihr Leben grundlegend verändert .
Christina zeigt in ihren Workshops, Podcasts und Texten zusammen mit Ärzt:Innen, Fachleuten und Ex-Betroffenen, was dir hilft, deine Ängste dauerhaft loszulassen, deine Symptome besser zu verstehen und dein Nervensystem wieder in Regulation zu bringen.
FAQ - Häufige Fragen zu Angst vor Krankheiten
Was ist Angst vor Krankheiten?
Angst vor Krankheiten beschreibt die starke Sorge, ernsthaft krank zu sein oder zu werden, obwohl keine oder nur harmlose körperliche Befunde vorliegen. Betroffene achten häufig übermäßig auf Körpersignale und interpretieren normale Symptome schnell als Hinweis auf eine schwere Erkrankung.
Warum entwickelt man Angst vor Krankheiten?
Die Angst vor Krankheiten entsteht oft durch Stress, belastende Lebensphasen, frühere Krankheitserfahrungen oder ein sensibles Nervensystem. Auch häufiges Googeln von Symptomen kann die Angst verstärken, weil harmlose Körperempfindungen zunehmend als bedrohlich bewertet werden.
Wie äußert sich Krankheitsangst?
Typische Anzeichen sind ständiges Beobachten des Körpers, häufige Arztbesuche oder das Gegenteil – das Vermeiden von Untersuchungen aus Angst vor Diagnosen. Betroffene grübeln viel über Symptome, spüren starke Unsicherheit und finden trotz medizinischer Rückversicherung oft nur kurzfristige Beruhigung.
Ist Angst vor Krankheiten eine Angststörung?
Wenn die Sorgen über Krankheiten dauerhaft bestehen, den Alltag stark beeinträchtigen und trotz ärztlicher Abklärung nicht nachlassen, kann eine sogenannte Krankheitsangststörung vorliegen. In diesem Fall kann professionelle Unterstützung helfen, die zugrunde liegenden Angstmechanismen zu verändern.
Ist Hypochondrie heilbar?
Hypochondrie ist gut behandelbar. Mit psychotherapeutischer Unterstützung, Aufklärung über Angstmechanismen und dem Erlernen neuer Denk- und Verhaltensweisen können sich die Symptome deutlich verbessern oder ganz zurückgehen.
Wenn du tiefer verstehen möchtest, wie die Angst vor Krankheiten entsteht und wie du deinen Körper wieder als sicheren Ort erleben kannst, dann schau dir doch mal meinen Online-Workshop zum Thema an:
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Das Besondere: Coach Ben und ich waren selbst Hypochonder. Wir teilen also als Ex-Betroffene unsere echten Erfahrungen und was uns geholfen hat, die Angst vor Krankheiten dauerhaft loszuwerden.