„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.
Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️
In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Gastgeberin Christina Hillesheim mit Ex-Eishockey-Profi Andreas Renz über Bindungsangst, Verlustangst, Trennungsangst und den Weg aus inneren Krisen. Die beiden zeigen, wie stark Beziehungen, Kindheitserfahrungen und Angststörungen miteinander verknüpft sind – und wie Heilung über Mitgefühl, Fühlen und ehrliche Innenschau beginnt.
Die Folge richtet sich vor allem an Menschen, die unter Ängsten leiden – körperlich spürbar wie bei Panik und Krankheitsangst, aber auch emotional in Form von Bindungs- und Verlustangst. Die Tonalität ist persönlich, nahbar und motivierend. Du wirst geduzt und eingeladen, dich selbst liebevoller zu betrachten.
Andreas Renz ist ehemaliger Eishockey-Profi und Nationalspieler, heute Coach, Autor und Speaker. Nach außen wirkte sein Leben lange perfekt: Profisport, Status, gutes Einkommen, gesunder Körper, Ehe mit der Jugendliebe.
Innen sah es anders aus: Andreas beschreibt eine tiefe Leere, das Gefühl, nie wirklich anzukommen und ständig auf der Suche nach Glück und sich selbst zu sein. Schwere Kindheitserlebnisse, traumatische Erfahrungen und der Burnout seines Vaters prägten ihn – und wurden später zum Nährboden für Bindungs- und Verlustangst, Karriere-Überkompensation und letztlich eine heftige Lebenskrise.
Heute begleitet er Menschen zurück in die Verbindung zu sich selbst, zu ihren Gefühlen und in reifere Beziehungen.
Christina und Andreas zeigen, wie eng Bindungsangst, Verlustangst und Trennungsangst miteinander verknüpft sind – und wie sehr sie meist in der Kindheit wurzeln.
Andreas erzählt von einer Schlüsselszene: Als Kind erlebt er, wie sein Vater in einer psychischen Krise von Klinikmitarbeitern „weggerissen“ wird. Er ist zu klein und zu schwach, um ihn zu halten. Der Vater kommt Monate später medikamentös ruhiggestellt zurück und erkennt seinen Sohn kaum wieder.
Daraus entstehen in ihm unbewusst drei starke Prägungen:
Diese kindlichen Schlussfolgerungen werden später zu Leistungsdruck, Härte und Überfunktionieren – und gleichzeitig zu massiven Verlust- und Bindungsängsten.
Christina kennt das Muster aus ihrer eigenen Geschichte: Sie dachte lange, sie sei diejenige, die sich binden will, geriet aber immer wieder an Männer mit Bindungsangst. Bis sie erkannte:
Beide beschreiben, wie sich das zeigt:
Im Kern ist beides oft dasselbe: „Ich halte echte Nähe nicht aus, weil ich so unglaublich Angst habe, verletzt oder verlassen zu werden.“
Christina bringt es auf den Punkt: „Wenn du dich nicht traust, Nein zu sagen, kannst du auch nicht wirklich Ja sagen.“ Wer Nähe und Verletzlichkeit vermeidet, zahlt langfristig einen hohen Preis:
Key-Learning: Bindungs- und Verlustangst sind selten „nur“ Beziehungsprobleme. Sie sind oft alte, unverarbeitete Schmerzen aus der Kindheit – und wollen gesehen, gefühlt und integriert werden.
Andreas beschreibt sehr offen seine heftigste Lebenskrise: eine sechsjährige Dreiecksbeziehung zwischen seiner Ehefrau und einer anderen Frau, voller On-Off, Lügen, Schuld und Scham.
Nach außen läuft alles scheinbar perfekt: Karriere, Ehe, Erfolg. Innerlich ist er getrieben, leer, nie wirklich angekommen. Er beginnt Affären, sucht Anerkennung und Bestätigung bei anderen Frauen:
Er beschreibt diese Phase so:
„Sechs Jahre mit On, Off und Lügen und hin und her. Und das Schlimmste war, dass ich mir selber nicht mehr vertraut habe.“
Andreas versucht immer wieder, eine Entscheidung zu treffen – und scheitert:
Das Ergebnis:
Die eigentliche Erkenntnis kommt später, als er beginnt, sich selbst zu hinterfragen:
Andreas formuliert es so:
„Es war etwas in mir, das partout nicht loslassen wollte, obwohl der Mann von damals sich entscheiden wollte.“
Seine Erfahrung: Rund 95 % unseres Lebens sind von unbewussten Mustern und Glaubenssätzen gesteuert. Solange diese nicht bewusst werden, sind klare Entscheidungen in Beziehungen fast unmöglich.
Parallel zur Beziehungskrise brechen Andreas’ äußere Lebenssäulen weg:
Übrig bleibt die Frage: „Wer bin ich ohne all das?“
Diese totale Krise zwingt ihn, hinzuschauen. Anders gesagt: Die äußere Katastrophe spiegelt seine innere Unordnung – und wird zum Startpunkt einer echten inneren Veränderung.
Key-Learning: Solange unbewusste Verlustangst dein System bestimmt, wirst du im Außen keine Klarheit finden. Die Beziehungskrise ist oft nur das Symptom eines viel tieferen inneren Konflikts.
Andreas’ Weg aus der Krise war weder linear noch „mindset-only“. Er zeigt sehr klar, warum reines Verstehen nicht reicht – und warum Fühlen und Mitgefühl mit dir selbst der eigentliche Gamechanger sind.
Andreas versucht zunächst alles im Außen:
Sein Fazit:
„Der Rucksack meiner Probleme war oben auf dem Berg genauso schwer wie unten.“
Am Ende steht die frustrierende Einsicht: Die Lösung findet sich nicht irgendwo da draußen, nicht in exotischen Orten oder besonderen Menschen – sondern nur in der Verbindung zu dir selbst.
Widerwillig meldet Andreas sich zu einer „Woche des Neubeginns“ an. Räucherwerk, Yoga-Utensilien, weinende Menschen – er empfindet es als „Spiri-Kaffeefahrt“ und will abreisen. Eine Assistentin hält ihn mit einem Satz:
„Warum gibst du dem Tag nicht eine Chance? Heute Abend mache ich eine Meditation, die heißt ‚Reise in dein Herz‘. Ich glaube, das wäre was für dich.“
Er bleibt. In der Meditation beschreibt sie, wie er sein Herz fühlen soll. Zum ersten Mal in seinem Leben spürt er bewusst:
Für ihn ist das ein Wunder:
„Für einen Mann, der 30 Jahre nicht mehr weinen konnte, war das ein Wunder.“
Er erkennt: Das ist keine Träne des Mannes von heute, sondern eine Kindheitsträne. Die Bilder von der Krise mit seinem Vater tauchen auf. Er beginnt zu verstehen:
Dieses Verstehen ist kein rein gedanklicher Prozess. Es führt zu etwas viel Tieferem: Mitgefühl mit sich selbst.
Andreas beschreibt, was sich verändert:
Damit kann er seine Themen nicht mehr nur analysieren, sondern wirklich fühlen und integrieren. Und genau dadurch lösen sie sich Schritt für Schritt.
Er betont immer wieder:
Eines der praktischsten Tools aus dieser Folge: Stell dir deine Angst als beste Freundin vor.
So kannst du es anwenden, wenn eine Angstwelle kommt (Panik, depressive Stimmung, Krankheitsangst, Verlustangst):
Dieses kleine Tool verändert die Haltung von „Ich will das weg haben“ hin zu „Ich bin für mich da, auch wenn ich Angst habe“. Genau darin liegt tiefste Annahme und echte Integration.
Christina ergänzt aus ihrer Erfahrung mit Depression und Angststörung: Viele verstehen Annahme falsch. Es geht nicht darum zu sagen:
Es geht darum, innerlich zu sagen:
Christina beschreibt es mit dem Bild einer Welle: Depressive Gefühle kamen auf sie zu, sie spürte sie lange im Voraus und bekam Panik, dass „alles wieder von vorne losgeht“. Der Wendepunkt:
Eckhart Tolles Bild, das sie dazu sehr hilfreich findet: Gefühle sind wie Frösche. Wenn du es schaffst, den Frosch zu küssen – also das Gefühl wirklich zu fühlen, statt es abzulehnen – wird er zum Prinzen. Das heißt: Du transformierst das Gefühl durch deine Präsenz und Annahme.
Key-Learning: Heilung passiert nicht im Kopf, sondern im Herzen. Der Weg führt über Fühlen, Mitgefühl, Annahme und die Bereitschaft, dich selbst wie deine beste Freundin zu behandeln.
Zum Ende hin sprechen Christina und Andreas darüber, wie gesunde Beziehungen gelingen – gerade, wenn Bindungs- und Verlustangst bisher dein Muster waren.
Andreas ist klar:
„Das Fundament für eine erfüllende Beziehung ist die Beziehung zu dir selber. Die Beziehung im Außen spiegelt deine Beziehung zu dir selbst wider.“
Das bedeutet:
Viele Beziehungen sind deshalb kindliche Beziehungen:
Andreas’ Einladung: Erwachsene Beziehungen zu führen. Das heißt:
Ein zentraler Satz von Andreas:
„Du hast in jedem Moment den richtigen Partner. Wenn du gerade keinen Partner hast, dann ist es auch richtig so.“
Was er damit meint:
Nachdem Andreas seine inneren Themen bearbeitet und seine Verlustängste integriert hat, verändert sich auch seine Beziehungswelt:
Wichtig: Dieser Weg ist kein „magischer Quickfix“, aber er zeigt, was möglich ist, wenn du die Krise mit dir selbst zuerst löst.
Key-Learning: Reife Beziehung beginnt dort, wo du dich nicht mehr über den anderen definierst, sondern innerlich sicher mit dir selbst bist. Dann wird Partnerschaft zur Ergänzung – nicht zur Krücke.
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