„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.
Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️
In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Host Christina Hillesheim mit Autorin und Mutmacherin Jana Krämer über Essstörungen, Selbsthass, Multiple Sklerose, Mobbing – und darüber, wie es trotzdem möglich ist, ein erfülltes, freies Leben zu führen.
Der Artikel fasst die wichtigsten Erkenntnisse des Gesprächs für dich zusammen und zeigt dir konkrete Perspektivwechsel, die dir bei Angst, Selbstzweifeln und Körperthemen helfen können.
Jana Krämer ist TikTokerin, Podcasterin und Spiegel-Bestsellerautorin von „Jana, 39, ungeküsst“. Früher war sie stark übergewichtig, litt an Binge-Eating, lebte mit 180 Kilo, massiven Selbstzweifeln und führte ein heimliches Doppelleben voller Scham. Heute steht sie mit fast einer Million Followern für radikale Ehrlichkeit, Selbstakzeptanz und Mut.
Jana lebt zudem mit Multiple Sklerose und Lipödem – und zeigt offen, dass ein gutes Leben nicht trotz, sondern mit den eigenen „Macken“ möglich ist.
Janas Leben war lange geprägt von dem Gefühl, „nicht zu reichen“: Sie fühlte sich zu dick, zu falsch, zu wenig leistungsfähig. Die Folge: eine schwere Binge-Eating-Störung und ein Gewicht von 180 Kilo.
Wichtige Erkenntnis: Nicht der Körper war das eigentliche Problem, sondern die Gedanken dazu.
Jana sagt dazu:
„Die Problemzone ist nicht mein Bauch, sondern die Problemzone hatte ich im Kopf.“
Spannend: Jana wuchs in einer liebevollen Familie auf, bekam viel Zuwendung und wurde nicht nach Leistung bewertet. Gleichzeitig war ihr Vater schwer alkoholkrank, zu Hause war nie klar, ob „Himmel oder Hölle“ wartet. Zusätzlich kam der harte Bruch durch den Wechsel aufs Gymnasium:
Ihr Bedürfnis nach Kontrolle verlagerte sich aufs Essen:
Jana hat heute noch immer die gleichen körperlichen Spuren: überschüssige Haut, Risse, sichtbare Veränderungen. Was sich komplett verändert hat, ist ihre Beziehung zu sich selbst:
„Mein Körper hat sich nicht geändert – nur meine Psyche. Und plötzlich finde ich meinen Körper wunderbar.“
Darum lehnt sie Schönheits-OPs aus rein optischen Gründen ab:
Key Take-away für dich:
Ein zentrales Thema in Janas Geschichte ist der Umgang mit Gefühlen und Angst. Früher wollte sie nichts fühlen – aus Angst, wie ihr Vater zu werden, der alle Gefühle offen lebte und alkoholkrank war.
„Ich wollte am liebsten gar nichts fühlen. Ich wollte einfach nur funktionieren.“
Was Jana beschreibt, kennst du vielleicht von dir selbst:
Bei Jana war das vor allem:
Heute sieht sie das anders:
„Inzwischen ist es so, dass ich Gefühle einfach fühle. Sie sind da, aber sie machen mir keine Angst mehr.“
Statt zu essen oder zu flüchten, fragt sie sich heute:
Dafür hat sie zwei feste Ansprechpersonen:
Sie unterscheidet bewusst zwischen zwei Arten von Angst in sich und sucht sich passend dazu die richtige Unterstützung.
Ein eindrückliches Beispiel ist Janas Erlebnis am Bahnhof: schwerer Koffer, kaputte Aufzüge, Multiple Sklerose, drohende Inkontinenz, Zeitdruck vor einem Auftritt. Sie war kurz davor, zu überfluten.
Statt im Kopf Katastrophen zu drehen, blieb sie stehen, atmete und fragte sich:
Allein dieses Durchspielen der Optionen nimmt Angst die absolute Macht.
Übertrag für deine Angst:
Besonders hilfreich ist Janas Blick auf Rückfälle in alte Muster – ob bei Essstörung, Burnout oder Angst:
„Ich sehe es gar nicht mehr als Rückfall. Das ist wie beim Tanzen: ein Zwischenstep.“
Was sie konkret macht:
Ihre Essstörung betrachtet sie inzwischen sogar als Kompass:
„Wenn ich wieder über Kalorien oder Nährwerte nachdenke, schaue ich: Was stimmt gerade in meinem Leben nicht? Wofür brauche ich die alte Kontrolle?“
Übertrag auf Angst und Depression:
Ein Kernmoment in Janas Heilungsweg: Sie hörte auf, ihre Geschichte zu verstecken. Vorher führte sie ein heimliches Doppelleben und war überzeugt, dass ihre Wahrheit „nicht reicht“. Sie log, übertrieb, machte Dinge dramatischer oder spannender.
„Früher habe ich viel gelogen, weil ich dachte, die Wahrheit ist nicht genug.“
Auf Tour mit einer Band, die sie managte, stritt sie sich ständig mit dem Bassisten – ihrem heutigen besten Freund. Er spürte, dass etwas nicht stimmt, fragte nach, Jana machte dicht. Irgendwann zog er sich zurück, weil er dachte, sie seien „nur Partyfreunde“.
Aus Angst, ihn zu verlieren, schrieb Jana ihm schließlich ihre ganze Lebensgeschichte in einer PDF und schickte sie nachts per Mail. Während die anderen im Nightliner feierten, lag sie in ihrer Koje, aß, weinte und schrieb.
Seine Antwort: kein langer Brief, sondern ein Lied, das alles ausdrückte, was er fühlte. Er blieb. Trotz – oder gerade wegen – der Wahrheit.
„Da habe ich gemerkt: Ich muss nichts beschönigen. Ich kann ehrlich sein. Und er bleibt.“
Jana hat sich früher für alles geschämt:
Heute sagt sie:
„Man muss sich nur für eine Sache schämen: einen scheiß Charakter. Alles andere sind Besonderheiten.“
Diese „Besonderheiten“ sind genau das, was andere an uns lieben:
Wenn du Jana heute in Talkshows oder auf Social Media siehst, wirkt sie sicher und klar. Doch der Weg dahin war alles andere als glatt:
Ihr „Trick“: Sie hat sich anfangs für andere überwunden. Ihr bester Freund sagte, ihr Buch könne vielen helfen. Also tat sie es für die Menschen, denen ihre Geschichte etwas geben würde – und hatte gleichzeitig einen sicheren doppelten Boden:
Mit der Zeit merkte sie:
„Je öfter Dinge schief gelaufen sind, desto mehr habe ich gecheckt: Genau das mögen die Menschen.“
Praktische Impulse für dich:
Jana lebt mit Multiple Sklerose und Lipödem. Sie weiß, wie es ist, vorübergehend nicht sehen zu können, Lähmungserscheinungen zu haben oder nicht aus dem Bett zu kommen.
Statt gegen den Körper zu kämpfen, arbeitet sie heute mit ihm zusammen.
Bestimmte Symptome sind für sie Hinweise, genauer hinzuschauen:
Ihre Fragen dazu:
Stellt sie fest, dass Stress eine große Rolle spielt, zieht sie bewusst die Reißleine:
Ihr Ziel ist nicht ein „perfekter“ Körper, sondern ein Körper, mit dem sie alt werden kann. Dafür macht sie morgens ein kleines „Wake-up-Programm“:
Damit setzt sie bewusst eine andere Motivation:
Take-away für dich: Dein Körper ist kein Gegner, den du disziplinieren musst. Er ist ein Verbündeter, der dir früh zeigt, wenn etwas nicht stimmt. Je früher du hinhörst, desto sanfter kannst du gegensteuern.
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