„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.
Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️
In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Gastgeberin Christina Hillesheim, Spiegel-Bestsellerautorin und Diplom-Soziologin, mit ihrer Gästin Gabi Birnbreyer. Im Mittelpunkt stehen die Fragen:
Bin ich hochsensibel? Wie hängt Hochsensibilität mit Angst zusammen? Und wie kannst du dein Nervensystem im Alltag beruhigen, wenn alles zu viel wird?
Außerdem leitet Gabi eine einfache, aber sehr wirkungsvolle Entspannungsübung mit einem Akupressurpunkt an, die du jederzeit selbst nutzen kannst.
Gabi ist 57 Jahre alt, hochsensibel und kennt Ängste aus eigener Erfahrung. Gleichzeitig bringt sie ein außergewöhnlich breites Profi-Wissen mit:
Gerade diese Kombination aus eigener Betroffenheit, Körperwissen und <strongBühnenpraxis macht ihre Perspektive so greifbar: Sie weiß, wie es ist, wenn Hochsensibilität und Angst den Alltag bestimmen – und wie man Schritt für Schritt wieder Sicherheit in sich aufbaut.
Gabi beschreibt ihre Hochsensibilität als etwas, das schon in der Kindheit spürbar war – lange bevor sie wusste, wie dieses Persönlichkeitsmerkmal heißt.
Schon im Kindergarten erlebte sie massive körperliche Reaktionen:
Beim Neurologen stellte man fest, dass ihre Gehirnfunktion deutlich sensibler auf Reize reagiert. Damals war Hochsensibilität noch kein Thema – das Ergebnis: Sie „passte nicht recht rein“ und wurde aus dem Kindergarten genommen. Das Gefühl „Irgendwas stimmt mit mir nicht“ begleitete sie viele Jahre.
Ein prägendes Bild aus ihrer Jugend: Gabi wächst mit einem schwer nierenkranken Vater auf, der an der Dialyse behandelt wird. Sie sagt:
„Ich habe immer schon gespürt, dass ich die Schmerzen, egal von wem, immer als meine eigenen gesehen hab.“
Statt ihre eigenen Gefühle zu fühlen, hat sie sich vollständig auf den leidenden Vater fokussiert:
Genau das erleben viele hochsensible Menschen: extreme Empathie, die kippt, wenn keine Grenzen da sind.
Ob in der Schule, im Sport, im sozialen Umfeld: Gabi beschreibt ein dauerhaftes Gefühl von Nicht-Zugehörigkeit. Besonders deutlich wurde das im Leistungssport:
Dieses ständige Anpassen, um niemanden zu verletzen oder zu enttäuschen, gehört für viele Hochsensible zum Alltag – und führt oft zu Sätzen wie:
Die Folge: ein sehr niedriges Selbstwertgefühl und das Gefühl, ein „Alien“ zu sein, das sich dauernd anpassen muss, um überhaupt geliebt oder akzeptiert zu werden.
Im Gespräch nennt Gabi drei Merkmale, bei denen du hellhörig werden kannst, wenn du dich darin wiederfindest. Hochsensibilität ist zwar keine Diagnose, sondern ein Persönlichkeitsmerkmal, aber diese Punkte sind sehr typisch.
Ein sehr häufiges Zeichen ist das Gefühl von Überforderung durch äußere Reize:
Wenn du oft denkst:
…dann ist das kein Charakterfehler, sondern kann ein Hinweis auf Hochsensibilität sein. Andere Menschen haben im Gehirn so etwas wie einen „Türsteher“, der Reize filtert. Hochsensible Menschen bekommen alles ab – ungefiltert.
Hochsensible haben eine ungewöhnlich starke Einfühlungsfähigkeit. Sie nehmen Stimmungen, Spannungen und unausgesprochene Dinge direkt wahr – oft sogar im Körper.
Zur Veranschaulichung erzählt Gabi das Beispiel, das viele kennen: Im Kindergarten gibt es Läuse, und plötzlich juckt einem selbst der Kopf, als hätte man sie. Hochsensible erleben solche Projektionen jedoch:
Typisch:
Ein weiterer Punkt, den Gabi sehr klar formuliert:
„Hochsensible Menschen können zum Beispiel gar nichts mit Smalltalk anfangen.“
Stattdessen wollen sie:
Gabi war jahrelang als Sängerin im Fernsehen und auf Tour mit bekannten Persönlichkeiten unterwegs und erlebt dort viel Oberflächlichkeit. Während andere locker „Mir geht’s gut, alles super“ sagen konnten, musste sie sich diese Fähigkeit antrainieren, weil sie innerlich immer in die Tiefe ging.
Sie beschreibt Hochsensible als Menschen, die:
Im zweiten Teil des Gesprächs geht es darum, warum hochsensible Menschen so oft mit Ängsten und Angststörungen zu tun haben – und was im Gehirn dabei passiert.
Die Psychologin Elaine Aron hat Hochsensibilität wissenschaftlich mit erforscht. Ihre und andere Erkenntnisse bestätigen: Bei Hochsensiblen arbeitet das limbische System, also das Zentrum für Emotionen und Verarbeitung von Erfahrungen, aktiver.
Gabi erklärt, dass genau das schon als Kind bei ihr festgestellt wurde: Ihr Gehirn reagiert stärker auf Reize. Die Folge:
Wenn diese Prägungen nicht bewusst bearbeitet werden, läuft das Nervensystem quasi dauerhaft im Überlebensmodus.
Durch die Kombination von Hochsensibilität und einem nicht passenden Umfeld entstehen oft tiefe Glaubenssätze, zum Beispiel:
Daraus folgen:
Gabi sagt dazu sehr klar:
„Ein Mensch, der wenig Selbstwertgefühl hat, rennt durch sein Leben als Opfer. Und ein Opfer hat Angst.“
Diese innere Opferrolle führt zu:
Viele Hochsensible spüren das vor allem körperlich: Herzrasen, Enge in der Brust, Luftnot, Ohnmachtsgefühle – der Körper spielt die Angst direkt mit.
Sowohl Christina als auch Gabi sprechen über einen entscheidenden Wendepunkt: das Bewusstsein für den Moment zwischen Reiz und Reaktion.
Beispiele:
Christina beschreibt, wie sie Jahrzehnte brauchte, um zu verstehen, dass dieser Automatismus veränderbar ist. Je öfter du das alte Muster abspielst, desto stärker wird es. Aber:
Mit Übung kannst du diesen Moment dazwischen erkennen:
Genau hier setzen Gabis Methoden an: über den Körper ins Nervensystem zu arbeiten, um die alten Muster zu durchbrechen.
Im Interview führt Gabi eine konkrete Übung an, die du direkt anwenden kannst. Sie kombiniert einen Akupressurpunkt mit bewusster Körperwahrnehmung und Atmung.
So findest du den Punkt:
Du kannst ihn mit dem Daumen sanft drücken und in kleinen Kreisen massieren. Gabi empfiehlt für intensivere Stimulation auch einen Kuli ohne Mine, um gezielter zu drücken.
Wirkung:
Während du den Punkt stimulierst:
Wichtig ist das Gefühl, dass du nicht verloren bist, sondern getragen und geerdet.
Nun kommt die Atmung dazu:
Schon ein bewusster Atemzug kann reichen, um dich wieder mehr in den Körper zu bringen. Über den Körper erreichst du dein Nervensystem – und kannst es beruhigen.
Gabi führt dann eine kurze Körperreise an. Du kannst sie jederzeit für dich nutzen, zum Beispiel abends oder bei akuter Anspannung:
Begleitet wird das von beruhigenden Sätzen wie:
Wenn Gedanken kommen, nimm sie wahr und lass sie weiterziehen – wie Wolken am Himmel. Bleib bei deiner Atmung und bei den Körperempfindungen.
Zum Abschluss:
Diese Übung ist besonders hilfreich für alle, die:
Im Anschluss an das Interview beantwortet Christina eine Frage aus der Community, die viele umtreibt: „Ist eine Angststörung heilbar?“
Ihre Position ist eindeutig:
Wichtig dabei:
Christinas Botschaft:
Sie lädt dich ein, deine eigenen Erfahrungen zu reflektieren:
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