„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.
Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️
Alkohol ist gesellschaftlich akzeptiert, überall verfügbar – und für viele Menschen mit Angst, Stress und Burnout ein vermeintlicher Ausweg. In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Christina Hillesheim mit Journalistin und Autorin Nathalie Stüben darüber, wie eng Alkohol, Angststörungen und Depressionen zusammenhängen, warum wir Trinken immer noch als Belohnung verklären und wie ein nüchternes Leben zur echten inneren Freiheit werden kann.
Nathalie Stüben ist gelernte Journalistin, erfolgreiche Podcasterin und Spiegel-Bestsellerautorin. Nach Jahren problematischen Trinkens und wiederkehrender Abstürze hat sie sich für ein nüchternes Leben entschieden – und nennt es heute „die beste Entscheidung meines Lebens“.
Sie:
Ihre Kernbotschaft fasst sie in einem Satz zusammen:
„Ein Leben ohne Alkohol ist keine Qual. Es bedeutet Freiheit.“
Viele Menschen mit Angststörung, Panikattacken oder Burnout greifen zum Alkohol, um „endlich mal runterzukommen“ oder nichts mehr zu spüren. Kurzfristig scheint das zu funktionieren – langfristig ist es Gift, im wahrsten Sinne des Wortes.
Alkohol wirkt im Gehirn unter anderem:
Nathalie beschreibt es so:
„Das, was an der Angst so unangenehm ist – dieses Zittrige, Unruhige, Nervöse – das potenziert Alkohol noch mal.“
Dein Nervensystem ist ohnehin schon unter Spannung, wenn du mit Angst oder Stress kämpfst. Alkohol setzt oben drauf:
Viele Betroffene kennen das als „Psychokater“: Am Tag nach dem Trinken kommen nicht nur Kopfschmerzen, sondern auch:
Wer Alkohol nutzt, um Angst, Stress oder innere Leere nicht fühlen zu müssen, begeht – aus Verzweiflung, nicht aus Schuld – eine Form von Selbstmedikation. Die Dynamik dahinter:
Nathalie fasst zusammen:
„Es ist kein Wunder, dass Menschen über diese Form von Selbstmedikation in eine Alkoholabhängigkeit rutschen.“
Spannend ist: Nicht alle fangen wegen Angst an zu trinken – bei einigen entsteht die Angst erst durch Alkohol. So war es bei Nathalie:
Ihre Erkenntnis:
„Diese Droge verwebt sich so stark mit unserem Kern, dass wir irgendwann denken: Ich bin halt so. Dabei ist es der Alkohol, der uns so macht.“
Eine zentrale Einsicht, auch im Hinblick auf Angststörungen: Wenn Körper und Nervensystem dauerhaft unter Alkoholstress stehen, färbt das zwangsläufig auf deine Psyche ab. Körper und Gefühle lassen sich nicht trennen.
Alkoholprobleme sehen selten so aus, wie das Klischee es erzählt: zitternd, Tag für Tag mit der Flasche in der Hand. Viele Betroffene sind nach außen völlig „funktional“ – so wie Nathalie.
Nathalie trank über Jahre „gesellschaftlich unauffällig“ – und doch problematisch:
Gleichzeitig hatte sie:
Erst als sie sich ständig Trinkregeln aufstellte und diese nicht einhalten konnte, wurde ihr klar, dass da etwas nicht stimmt:
Wenn es mal „klappte“, war der Abend trotzdem furchtbar anstrengend, weil sich alles nur noch um die Frage drehte: „Darf ich noch eins? Trinke ich zu schnell? Wie viel ist noch im Glas?“
Ihre innere Bilanz:
„Es war so befreiend, irgendwann nicht mehr permanent mit mir verhandeln zu müssen, wie ich mich dem Alkohol gegenüber verhalte.“
Nathalie macht deutlich: Sucht ist kein „Ja oder Nein“, sondern ein Kontinuum. Lange bevor eine Abhängigkeit diagnostiziert würde, tauchen Warnzeichen auf.
Typische rote Flaggen:
Nathalie betont: Unproblematischer Konsum (nicht gesunder!) sieht anders aus. Sie nennt als Beispiel ihren Mann, der vielleicht einmal in zwei Jahren ein Glas Sekt annimmt – mit der gleichen inneren Relevanz wie ein Pfefferminztee:
„Wenn das nicht da ist, spielt es für mein Leben keine Rolle.“
Besonders eindrücklich ist das Bild, mit dem Nathalie die Wirkung von Alkohol auf das Belohnungssystem erklärt:
Die Folge: Du glaubst irgendwann ernsthaft, dass ein Leben ohne Alkohol langweilig, freudlos oder „nicht richtiges Leben“ ist – obwohl das objektiv nicht stimmt.
Die gute Nachricht: Dein Gehirn ist neuroplastisch. Du kannst dem „Algorithmus“ im Kopf wieder beibringen, dass:
wieder echte Dopaminquellen werden. Das braucht Übung und Zeit – aber es ist möglich.
„Ein Hirn kann regenerieren. Wir können alte Muster überschreiben und uns Schritt für Schritt in ein Leben führen, das wirklich schön ist.“
Frauen trinken heute immer häufiger – und werden von der Alkoholindustrie gezielt angesprochen. Gleichzeitig reagiert ihr Körper empfindlicher auf Alkohol als der von Männern.
Aus biologischer Sicht haben Frauen in der Regel:
Konsequenz:
Fachleute sprechen vom Teleskopeffekt: Alkohol-bedingte Erkrankungen treten bei Frauen oft schneller und heftiger auf, darunter über 200 Krankheitsbilder wie:
Nathalie betont: Schon kleine tägliche Mengen Alkohol erhöhen das Brustkrebsrisiko deutlich – ein Fakt, den viele Frauen schlicht nicht kennen.
Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat ihre Empfehlungen überarbeitet und sagt inzwischen klar:
Verglichen damit liegt das, was gesellschaftlich noch als „normal“ gilt, schon im Risiko- oder Hochrisikobereich.
Das Bild vom „Glas Wein als Belohnung“ ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Jahrzehnten cleverer Werbung. In ihrem Buch „Frauen und Alkohol“ beschreibt Nathalie, wie:
Alkohol steht damit plötzlich nicht mehr für „ich trinke ein Zellgift“, sondern für:
Mit fatalen Folgen, weil das eigentliche Bedürfnis dahinter – Entlastung, Ruhe, Verbundenheit – auf Dauer eben nicht erfüllt, sondern überdeckt wird.
Die Forschung ist hier komplex, aber aus Nathalies Praxis zeigt sich eine Tendenz:
Dazu kommt die Sozialisierung: Mädchen und Frauen lernen früh, dass die Welt „gefährlich“ sein kann – pass auf, geh nicht allein im Dunkeln, lass dein Glas nicht unbeaufsichtigt. Wer ohnehin eine Veranlagung zu Angst hat, erlebt das wie einen Brandbeschleuniger.
Wenn du beim Lesen merkst, dass dich vieles anspringt, stellt sich unweigerlich die Frage: Und jetzt? Nathalie macht Mut: Es gibt viele Wege raus – wichtig ist, dass du anfängst.
Noch einmal deutlich: Abhängigkeit ist kein Schalter, der von „aus“ auf „an“ springt. Du bewegst dich auf einer Skala. Entscheidend sind zwei Fragen:
Spätestens wenn du:
ist es an der Zeit, bewusster hinzuschauen und dir zu erlauben, etwas zu verändern – lange bevor eine Diagnose gestellt wird.
In manchen Fällen ist der Ausstieg ohne ärztliche Begleitung gefährlich. Such dir unbedingt medizinische Hilfe, wenn du merkst:
Das deutet auf eine körperliche Abhängigkeit hin. Hier ist ein ärztlich begleiteter Entzug wichtig, um ernsthafte Komplikationen zu vermeiden.
Die gute Nachricht: Es gibt nicht nur einen „richtigen“ Weg. Viele Betroffene kombinieren verschiedene Ansätze. Mögliche Bausteine sind:
Wesentlich ist weniger das „Wie“ als die Haltung dahinter:
Christina bringt ihre eigene Erfahrung mit einer Angststörung ein: Über Jahre war sie extrem ängstlich, hatte Panikattacken und katastrophisierende Gedanken bei jedem Körpersymptom. Heute sagt sie:
„Natürlich habe ich noch Angst – ich bin ein Mensch. Aber diese übertriebene Angst, die früher alles bestimmt hat, ist weg.“
Genau hier trifft sich die Arbeit mit Angst und mit Sucht:
Das gilt nicht nur für Alkohol, sondern für alle Formen von Kompensation: Essen, Rauchen, Social Media, Workaholism. Wichtig ist, dass du erkennst:
Je öfter du dir das gibst, was du wirklich brauchst, statt die Emotion nur zu deckeln, desto ruhiger und stabiler wird dein Nervensystem.
Der Satz „Einmal süchtig, immer süchtig“ sitzt tief in vielen Köpfen. Nathalie stellt ihn klar in Frage:
Nathalie trinkt heute nicht mehr, nicht aus Angst, sondern aus innerer Klarheit:
So wie viele Ex-Raucher:innen sagen können: „Ich würde im Leben nicht wieder zum Automaten gehen und mir eine Schachtel kaufen.“, so geht es ihr mit Alkohol.
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