„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.
Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️
In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Gastgeberin Christina Hillesheim gemeinsam mit ihrem Mann Daniel darüber, wie es ist, an der Seite eines Menschen mit Burnout, Angststörung und Depression zu sein – und was Betroffene wie Angehörige konkret tun können, um diese Zeit zu überstehen und gestärkt daraus hervorzugehen.
Die beiden erzählen offen von Christinas schwerer Krise 2016, ihrem Weg durch Burnout, Angststörung und Depression, dem Umgang mit Medikamenten, Klinikaufenthalten und vom Neuaufbau eines Lebens, das wirklich zu ihr passt. Gleichzeitig gibt Daniel einen ehrlichen Einblick in die Rolle eines Partners, der unterstützen will, ohne sich selbst zu verlieren.
Daniel ist Christinas Mann, Vater ihrer zwei Kinder und beschreibt sich selbst mit einem Augenzwinkern als „größten Edelfan“ von Christinas Arbeit. Er hatte vor ihrer Krise kaum Berührungspunkte mit psychischen Erkrankungen und musste sich das Verständnis für Angststörungen, Depression und Burnout erst erarbeiten.
Gerade dadurch bringt er eine Perspektive mit, die für viele Angehörige typisch ist: Unsicherheit, Hilflosigkeit, aber auch wachsendes Verständnis und Klarheit. Heute kann er gut benennen, was aus seiner Sicht geholfen hat – und wo Partner:innen klare Grenzen ziehen müssen, um nicht selbst auszubrennen.
Christina und Daniel sind Anfang 2016 zusammengekommen – genau in der Phase, in der Christina langsam in ihr Burnout und die Angststörung hineinschlitterte. Anfangs war davon wenig sichtbar, erst nach dem Zusammenziehen wurde der Druck für sie immer größer.
Christina kämpfte schon Jahre vorher mit massiven Schlafproblemen. Ein Arzt verschrieb ihr damals „bei Bedarf“ ein schlafförderndes Antidepressivum – ohne tiefer nach den Ursachen zu fragen. Rückblickend war das ein Warnsignal, das sie selbst und die Ärzt:innen übersehen haben.
Christina beschriebt die Monate von Februar bis August 2016 als eine Abwärtsspirale: Schlaflosigkeit, innere Unruhe, Panik bei der Arbeit, das Gefühl, am Schreibtisch nicht mehr sitzen zu können. Hinzu kam ein Schockereignis in der Familie (Suizid einer Angehörigen mit Depression), das ihre Angst noch verstärkt hat.
Sie ließ sich schließlich krankschreiben – mit der Hoffnung, „in zwei Wochen wieder gesund zu sein“. Tatsächlich dauerte es deutlich länger als ein Jahr, bis sie sich stabil fühlte.
Christina beschreibt einen Zwiespalt, den viele mit Ängsten kennen:
Sie wollte damals oft nicht, dass Daniel zur Arbeit geht. Gleichzeitig weiß sie heute: Dauerhafte „Rund-um-die-Uhr-Begleitung“ hätte ihre Eigenständigkeit weiter geschwächt und die Angst verstärkt.
Wichtiger Punkt für Angehörige:
Christina rät Betroffenen, allein sein zu üben, bevor es „müssen“ heißt – also lieber bewusst kleine Alleinzeiten einbauen, als panisch zu werden, wenn der Partner plötzlich weg muss.
Daniel beschreibt offen, wie fremd ihm anfangs alles war: Antidepressiva, Angstzustände, Panik. Dennoch hat er sich bewusst gegen Kommentare wie „Stell dich nicht so an“ entschieden.
Stattdessen hat er versucht, zwei Dinge gleichzeitig zu halten:
Beide sind sich einig: Der klassische Satz „Reiß dich mal zusammen“ ist in einer akuten Krise fehl am Platz.
Daniel sagt dazu:
„Also so Sprüche wie ‚reiß dich mal zusammen‘, die sind halt eher kontraproduktiv.“
Christina ergänzt: Es kommt zwar immer auch auf den Ton und den Kontext an – heute, im Alltag, kann sie humorvoll mit einem lockeren „Jetzt reiß dich mal zusammen“ leben, wenn sie selbst merkt, dass sie gerade übertreibt. In der akuten Phase aber war dieser Satz für sie undenkbar.
Für Angehörige bedeutet das:
Christina betont, wie wichtig es ist, Gefühlen Raum zu geben – auch, wenn sie unangenehm sind. Sie kennt selbst den inneren Konflikt: Wut auf das ständig wache Kind, direkt gefolgt von schlechtem Gewissen. Sie ist überzeugt:
Für Partner:innen heißt das: Du musst nicht alles „fixen“. Manchmal ist es wichtiger, die Emotion des anderen einfach stehen zu lassen, statt sie zu bewerten.
Daniel bringt es auf den Punkt:
„Man muss als Partner nicht alles verstehen. Wichtig ist, dass man es akzeptiert.“
Psychische Erkrankungen sind komplex. Du wirst nicht jede Gedankenschleife oder Panikreaktion nachvollziehen können. Aber du kannst:
Christina erzählt, wie sehr es sie beruhigt hat, zu hören, dass Daniel auch mal seltsame oder belastende Gedanken hat – nur geht er anders damit um:
Genau dieser Austausch kann entlastend sein: Zu merken, dass Gedanken an sich nichts Gefährliches sind, sondern jeder Mensch mal schräge, beunruhigende oder belastende Gedanken hat.
Konkrete Empfehlung:
Ein Wendepunkt in Christinas Heilung war ein klarer, erfahrener Psychiater, den ihre Tante für sie organisiert hat. Sie war damals an einem Tiefpunkt, fühlte sich, als würde sie „innerlich platzen“.
Daniel erinnert sich:
„Der Mann hat den Startschuss gesetzt. Er hat gesagt: ‚Sie stecken da jetzt tief drin. Wir müssen da jetzt erstmal mit Medikamenten was machen.‘ Und du hattest endlich einen Fahrplan.“
Wichtige Einordnung von Christina:
Sie weiß, dass viele Angst vor Nebenwirkungen haben. Ihr Rat:
Daniel betont, dass diese Erfahrung auch seine Sicht auf Medikamente grundsätzlich verändert hat: In schweren Fällen können sie eine wichtige Stütze sein.
Beide sprechen intensiv darüber, wie groß die Angst vor der Psychiatrie in vielen Köpfen ist. Daniel sagt:
„Das ist nichts anderes wie eine andere ärztliche Behandlung. Wenn man sich den Rücken bricht, fährt man auch ins Krankenhaus.“
Christina ergänzt:
Für Angehörige bedeutet das:
Ein schwieriges, aber wichtiges Thema: Was, wenn der Partner gar kein Interesse am Verstehen zeigt?
Christina sagt klar: Wenn jemand seit langer Zeit signalisiert, dass es ihm sehr schlecht geht, und der andere reagiert dauerhaft nur mit Abwertung oder Ignoranz, ist es legitim, die Gesundheit der Beziehung zu hinterfragen.
Daniel ergänzt den Gedanken:
Beide betonen: Niemand soll leichtfertig zur Trennung geraten, aber deine Intuition ist wichtig. Wenn du seit Jahren unglücklich bist und Symptome entwickelst, lohnt ein ehrlicher Blick.
Christina war über ein Jahr krankgeschrieben und beschreibt diese Zeit heute nicht als „Auszeit“, sondern als Notwendigkeit, um überhaupt wieder zu sich zu finden.
Sie hat sich früh von der Vorstellung verabschiedet, „nach zwei Wochen wieder fit“ zu sein. Stattdessen hat sie:
Daniel erinnert daran, wie wichtig genau diese Stabilität war: Er selbst konnte seinen Job weiter ausüben, Kraft tanken, seine eigenen Bedürfnisse wahrnehmen – und gleichzeitig für Christina da sein.
Ein zentraler Punkt aus Daniels Sicht:
Das kann bedeuten:
Christina hat genau daraus gelernt: Zu sehen, dass jemand klar „Nein“ sagen kann, ohne die Beziehung zu gefährden, war für sie ein wichtiger Lernmoment. Heute weiß sie, dass konsequente Grenzen nicht nur sie selbst schützen, sondern auch anderen helfen, in ihre Verantwortung zu kommen.
Als sie etwas stabiler war, hat Christina begonnen, ihren Tag bewusst zu strukturieren:
Wichtige Learnings daraus:
Ein weiterer Baustein: Christina hat sich intensiv mit Themen wie Grenzen setzen, Nein sagen, eigene Bedürfnisse spüren und Gefühle zulassen beschäftigt – all das, was vorher in ihrem Leben kaum Platz hatte.
Heute beschreibt Christina sich als im Wesentlichen angstfrei – insbesondere, was die früher völlig irrationalen, übersteigerten Ängste anging. Sie fliegt, reist, lebt mit zwei Kindern und einem vollen Alltag.
Was geblieben ist:
Doch der Umgang hat sich komplett verändert:
Daniel ergänzt humorvoll:
„Partner dann bitte auch richtig googeln und nicht nur die ersten Suchergebnisse lesen. Die sind meistens die mit den schlimmsten Krankheiten.“
In den ersten ein bis zwei Jahren nach der Krise gab es immer wieder Situationen, in denen Christina merkte: Das ist zu viel, zu früh.
Ein Beispiel: Eine geplante USA-Reise mit Hawaii, die sie dann doch abgesagt haben. Finanzielle Verluste inklusive. Daniel war enttäuscht, klar, aber vor allem verständnisvoll:
„Das wäre einfach zu viel gewesen.“
Genau das empfiehlt Christina heute ihren Hörer:innen:
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