„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.
Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️
In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Gastgeberin Christina Hillesheim mit der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Dr. Julia Simone über den Umgang mit Angst bei Kindern. Es geht um Schul- und Kita-Angst, Krankheits- und Erbrechensangst, Todes- und Trennungsängste – und darum, wie Eltern mit einfachen, alltagstauglichen Strategien ihre Kinder wirksam unterstützen können.
Die Tonalität im Gespräch ist persönlich, ermutigend und direkt – mit einer klaren Du-Ansprache. Genau so ist auch dieser Artikel gestaltet.
Dr. Julia Simone ist Kinder– und Jugendlichenpsychotherapeutin in eigener Praxis mit dem Schwerpunkt Verhaltenstherapie. Zusätzlich ist sie Traumatherapeutin mit einer mehrjährigen Zusatzausbildung, wodurch sie Ängste von Kindern und Jugendlichen noch tiefer verstehen und gezielt bearbeiten kann.
Außerdem lehrt sie an der Universität im Bereich Erziehungswissenschaft und bildet angehende Lehrkräfte, Pädagog:innen und Heilpädagog:innen aus. In ihren Workshops – unter anderem im Happy Club von Christina – zeigt sie, wie Eltern und Fachkräfte Kinder bei Ängsten konkret begleiten können, ohne den Alltag zu überfrachten.
Der vielleicht wichtigste Unterschied zur Erwachsenentherapie: In der Kindertherapie wird viel gespielt. Und das ist keineswegs „nur Spiel“, sondern ein zentraler Zugang zur inneren Welt der Kinder.
In der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie werden nie nur die Kinder „allein“ behandelt. Eltern und andere Bezugspersonen sind immer mit im Boot:
Julia unterscheidet zwischen zwei Arten von Spielen:
Beispiele für therapeutische Zugänge:
Was Erwachsene als Gespräch führen würden („Was könntest du sagen?“), wird mit Kindern im Gewand des Spiels geübt. Dadurch können sie neue Verhaltensweisen ausprobieren, ohne sich bloßgestellt zu fühlen.
Neben Gedankenarbeit („Was sind Angstgedanken, was sind Angst-Killer-Gedanken?“) setzt Julia stark auf körperorientierte und achtsamkeitsbasierte Methoden:
Ein Satz aus der Therapie, der die Kraft solcher Übungen zeigt:
„Frau Simon, ich bin der Lionel Messi der Atemübungen.“ – sagte ein Kind, das zuvor massive Atemängste hatte. Dieses Selbstwirksamkeitsgefühl ist ein zentrales Ziel der Behandlung.
Viele Eltern kennen es: Das Kind bricht morgens in Tränen aus, will nicht in die Kita oder Schule, klammert sich an, vielleicht sogar an die Garderobe oder Fensterscheibe. Für Eltern ist das emotional kaum auszuhalten.
Ängste verstärken sich häufig nach Ferien oder längeren Pausen. Kinder „entwöhnen“ sich schnell von Schule oder Kita, besonders wenn sie ohnehin ein eher vorsichtiges, ängstliches Temperament haben.
Julias Empfehlung:
So entstehen positive innere Bilder („Kita kann schön sein, Schule hat auch angenehme Seiten“), statt dass die Rückkehr das Kind plötzlich und unvorbereitet trifft.
Beim morgendlichen Abschied ist es wichtig, das Kind nicht einfach dem Stress zu überlassen, aber auch nicht der Angst nachzugeben („Dann bleibst du heute zu Hause“), wenn kein triftiger Grund vorliegt. Denn:
Hilfreiche Strategien:
Gute innere Bilder helfen auch den Eltern: das Bild des spielenden Kindes statt des weinenden. So können sie sich selbst beruhigen und bleiben für ihr Kind besser ansprechbar.
Kinder sind Expert:innen für ihre Eltern – sie lesen Stimmungen und Körpersprache extrem genau. Wenn du selbst innerlich wackelig bist, wird sich dein Kind schwer trennen können.
Deshalb gehört zur Begleitung von Kinderängsten immer auch:
Ein hilfreiches Bild für Kinder ist das unsichtbare Band zwischen Eltern und Kind:
So kann ein Kind die Trennung leichter aushalten, ohne das Gefühl zu haben, die Bindung bricht ab.
Ein Thema, das viele Eltern überrascht: starke Angst vor Erbrechen, Durchfall oder Krankheiten bei Kindern. Oft liegt ein sehr konkretes, belastendes Erlebnis dahinter – zum Beispiel eine Magen-Darm-Grippe mit Erbrechen in der Öffentlichkeit.
Erbrechen ist für Kinder (und Erwachsene) oft doppelt belastend:
Im Alltag erleben Kinder ihren Körper meist als steuerbar: rennen, klettern, Tore schießen. Erbrechen hingegen passiert „einfach“, ohne Zustimmung. Das kann das Vertrauen in den Körper erschüttern.
Wenn sich die Angst klar auf ein Ereignis zurückführen lässt, arbeitet Julia gerne spielerisch mit diesem Ursprung:
Damit entsteht eine neue Bedeutung:
Oder wie Julia es zuspitzt: Der Körper ist wie eine innere „Polizei“, die ruft: „Freunde, ihr gehört hier nicht rein, raus mit euch!“
Hinter der Angst vor Erbrechen steckt häufig auch die Angst vor der Reaktion der anderen:
„Alle lachen mich aus. Alle finden mich eklig.“
Hier nutzt Julia mit Kindern (und Erwachsenen) gern einen Perspektivwechsel:
Fast alle merken: Sie würden Mitgefühl empfinden, helfen, trösten – und niemanden auslachen. Daraus lässt sich ableiten:
Viele Kinder (wie auch Erwachsene) horchen stark in ihren Körper hinein: „Da kribbelt es, stimmt da etwas nicht?“
Hilfreich ist dann, den Körper besser zu verstehen:
Wissen ist hier eine Art Gegengewicht zu Katastrophenphantasien und kann Ängste deutlich reduzieren.
Spätestens im Vorschulalter (oft schon um das vierte Lebensjahr) beginnen viele Kinder, über Tod und Sterben nachzudenken – besonders dann, wenn sie mit einem Todesfall (Haustier, Großeltern, Nachbar:in) konfrontiert wurden.
Bevor du mit deinem Kind über den Tod sprichst, ist es hilfreich, dir selbst einige Fragen zu beantworten:
In unserer Gesellschaft wird der Tod häufig verdrängt und wenig besprochen. Umso wichtiger ist es, dass du als Elternteil eine authentische Sprache dafür findest.
Julia empfiehlt ausdrücklich:
Stattdessen kannst du ehrlich sagen:
Tröstlich können Bilder sein, die den Fokus auf das, was bleibt, legen:
So lernen Kinder: Nicht alles ist einfach weg. Es gibt etwas, das in ihnen weiterlebt, selbst wenn ein Mensch körperlich nicht mehr da ist.
Nach einem Todesfall im Umfeld ist es völlig normal, dass Kinder sich fragen:
Hier braucht es vor allem Verständnis und Entlastung:
Wichtig ist dabei die Botschaft:
Gerade wenn Kinder Angst um ihre Eltern haben, hilft es, Trennung konkret und überschaubar zu machen:
So entstehen korrigierende Erfahrungen: Die Angst kündigt das Schlimmste an, die Realität verläuft viel harmloser. Diese Erlebnisse müssen benannt werden, damit das Kind sie auch innerlich abspeichern kann.
Ein roter Faden in Julias Ansatz: Viel erklären. Kinder verstehen oft mehr, als wir denken – sie können nur noch nicht alles selbst einordnen.
Hilfreich ist zum Beispiel:
Wissen gibt Orientierung – und Orientierung nimmt Angst die Schärfe.
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