„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.
Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️
In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Christina offen mit Sängerin und Autorin Mandy Capristo über Panikattacken, Angststörungen, Überforderung und den Weg zurück in ein erfülltes Leben. Außerdem geht es um Mentaltraining: Wie du deine Gedanken als Ressource nutzen kannst, statt dich von ihnen fertig machen zu lassen.
Mandy Capristo ist erfolgreiche Sängerin, Songwriterin und Autorin. Schon als Teenager stand sie im Rampenlicht und lernte früh, sich in einer leistungsorientierten Branche zu behaupten. Parallel entwickelte sie eine starke Faszination für mentale Gesundheit und positive Psychologie. Aus dieser Leidenschaft heraus gründete sie die Online-Plattform Felice, die Betroffene und Interessierte rund um Prävention und mentale Gesundheit unterstützt, und schrieb ihr Buch über ihre eigene Angst- und Panikgeschichte – mit einer klaren Botschaft: „Du bist an erster Stelle Mensch, kein Roboter.“
Mandy beschreibt sehr eindrücklich, wie aus „funktionieren“ und „stark sein“ Schritt für Schritt eine Angststörung wurde.
Jahrelang lebte Mandy nach einem inneren Drehbuch aus:
Sie beschreibt dieses Muster so: ständige Überforderung, alles in eine „Muss-Schublade“ stopfen, immer noch ein Flug, noch ein Auftritt, noch ein Gespräch. Bis der Körper die Reißleine zieht.
Ein Satz, der sowohl Mandy als auch Christina tief geprägt hat, kommt aus der Therapie:
„Du bist nicht schwach, du warst nur zu lange stark.“
Ein Schlüsselmoment war eine Fahrstuhlsituation:
Sie beschreibt das Gefühl als „Nahtod-Experience bis in die Fußzehen“. Danach fährt sie einfach keinen Aufzug mehr. Zunächst erscheint das wie eine Lösung – tatsächlich ist es bereits der Einstieg in Vermeidung.
Die Panik verlagert sich schnell:
Mit der Zeit „dockt sich die Angst an ihr Leben an“, wie Mandy es nennt, bis sich eine ausgewachsene Angststörung entwickelt. Dazu kommt das Gefühl, in Strukturen festzustecken – Verträge, Erwartungen, Rollen –, aus denen sie „psychisch nicht rauskommt“.
Christina ergänzt: Enge zeigt sich oft körperlich (Aufzug, Restaurant, Bühne) und gleichzeitig psychisch (Verträge, Beziehungen, Verpflichtungen). Der Körper macht sichtbar, was innerlich längst zu eng geworden ist.
Aus Mandys persönlicher Krise entstand nicht nur ihr Buch, sondern auch die Plattform Felice – und ein völlig neuer Umgang mit sich selbst.
Mandy hatte schon vor ihren eigenen Panikattacken die Idee, eine Online-Plattform für mentale Gesundheit zu gründen. Heute verfolgt Felice vor allem ein Ziel:
Ein großer Traum von Mandy: Mentale Gesundheit als Fach in der Schule. Erste Gespräche mit Schulen laufen bereits. Ziel ist, Kindern früh Tools an die Hand zu geben zu Themen wie:
Zu Beginn ihrer Therapie reagierte Mandy auf das Thema Selbstliebe ähnlich genervt wie viele andere:
„Ich konnte dieses Wort nicht mehr hören – der nächste T‑Shirt-Slogan.“
Doch als ihre Therapeutin sie fragte, wieviel Selbstliebe sie sich tatsächlich gibt, wurde schnell klar: für andere war immer Verständnis da, für sie selbst kaum. Konsequenz:
Christina schildert ergänzend, wie sehr Bücher wie „Die Kraft der Gegenwart“ von Eckhart Tolle ihr geholfen haben zu erkennen, wie zerstörerisch eigene Gedanken sein können – und dass man ihnen nicht blind glauben muss.
Ein wichtiges Element in Mandys Heilung: Sie hört auf, ihre eigenen Horrorgeschichten zu glauben, und beginnt, ihre „innere Festplatte“ neu zu beschreiben.
Statt nur alte Glaubenssätze zu hinterfragen, schreibt sie bewusst neue Geschichten über sich – so, wie sie es ihrer besten Freundin erzählen würde:
Das braucht Disziplin und Wiederholung. Mandy vergleicht es mit einer Festplatte, die neu bespielt werden muss. Ihre Therapeutin konfrontiert sie immer wieder mit der Frage:
„Und wie wäre es, wenn es jetzt richtig gut enden würde?“
Mit der Zeit werden aus Worst-Case-Szenarien bewusst gestaltete Best-Case-Bilder. Leichtigkeit, Spaß und „Softness“ kehren zurück – Qualitäten, die in ihrem Leben lange keinen Platz mehr hatten.
Ein wiederkehrendes Thema der Folge ist Hoffnung. Beide – Mandy und Christina – kennen existenzielle Ängste: „Bleibt das jetzt für immer so?“ Gerade bei Depressionen und Angststörungen ist dieser Gedanke typisch.
Ein Bild aus Mandys Therapie hat sie tief berührt und vielen Hörer:innen kann es helfen. Ihre Therapeutin sagte zu ihr:
„Du musst dir dein Leben wie einen Himmel vorstellen. Die Panikattacken sind die Wolken, die irgendwann vergehen. Wenn sie weg sind, ist da wieder dein Leben, das im Hintergrund immer da war. Du musst nicht hoffen, dass irgendwann ein blauer Himmel entsteht – er ist schon immer da gewesen. Warte einfach, bis die Wolken vorbeiziehen.“
Für Mandy wurde daraus ein persönliches Ritual:
Dieses Bild hilft, schwierige Phasen als Phasen zu sehen – nicht als endgültiges Urteil über das ganze Leben.
Christina beschreibt ihren eigenen Weg aus Angst, Burnout und Depression so:
Wenn sie gefragt wird, wie lange Heilung dauert, sagt sie: Heilung verläuft wie Wellen, nicht als steile Gerade nach oben. Man geht zwei Schritte vor und wieder einen zurück. Mit der Zeit werden neue Gedanken und Verhaltensweisen zur Gewohnheit; alte Muster werden überschrieben, bis sie immer seltener auftauchen.
Beide sind sich einig:
Einer der wichtigsten Aha-Momente für Mandy war: Gefühle auszusprechen ist kein Zeichen von Schwäche.
Sie erlebte, wie tief noch immer die Vorstellung sitzt, man müsse alles alleine schaffen, dürfe niemandem zumuten, wie schlecht es einem geht. Für sie ist klar:
Christina betont zusätzlich, wie wichtig es ist zu wissen, dass „Ich komme hier nie wieder raus“ ein Symptom der Depression ist – und nicht die Wahrheit. Zu hören, dass andere Menschen es aus ähnlichen Krisen geschafft haben, war für sie selbst damals lebenswichtig.
Im zweiten Teil der Folge widmet sich Christina dem Thema Mentaltraining und zeigt, wie du im Alltag anfangen kannst, deine Gedanken bewusst zu nutzen – ohne toxische Positivität oder Verdrängung.
Mentaltraining kommt ursprünglich aus dem Leistungssport. Sportler:innen bereiten sich nicht nur körperlich, sondern auch geistig auf Wettkämpfe vor, weil Körper, Geist und Seele eng zusammenarbeiten.
Übertragen auf den Alltag bedeutet Mentaltraining:
Wichtig: Es geht nicht darum, nur noch positiv zu denken oder negative Gefühle wegzudrücken. Es geht darum, nicht permanent im inneren Horrorkino zu leben.
Mentaltraining kann in vielen Bereichen wirken:
Affirmationen werden oft belächelt. Christina zeigt, wie kraftvoll sie sein können, wenn du sie richtig nutzt.
Ein persönliches Beispiel: Während ihres Kaiserschnitts wiederholte sie innerlich wie ein Mantra:
„Alles wird gut, alles wird gut.“
In einer Extremsituation hat ihr dieser Satz Halt gegeben. Im Burnout nutzte sie unter anderem:
„Alles in meinem Leben passiert genau zur richtigen Zeit. Alles ist gut, alles ist im Fluss.“
Praktischer Einstieg:
Menschen mit Angst kennen es gut: das automatische Ausmalen des schlimmsten Falls. Mentaltraining dreht dieses Muster bewusst um.
Frag dich:
Statt dein Nervensystem mit Horrorvisionen zu fluten, trainierst du dein Gehirn darauf, positive Zukünfte als realistische Option wahrzunehmen.
In schwierigen Momenten kannst du dir ein inneres „Board“ aus Menschen vorstellen, von denen du dich inspiriert oder gehalten fühlst:
Frage dich in einer belastenden Situation:
Praktischer Tipp: Lege dir auf dem Handy einen Ordner mit 3–4 Fotos deines „Unterstützungsteams“ an. In angespannten Momenten kannst du sie bewusst anschauen und dich von ihrer Haltung erinnern und tragen lassen.
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