10 Panikattacken am Tag: Annas Weg zurück aus Derealisation & Angst

Interview mit Ex-Betroffener Anna

05.05.2025
Folge 330 | 10 Panikattacken am Tag- Annas Weg zurück aus Derealisation & Angst

„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.

Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️

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Inhalt

Derealisation und Depersonalisation: Wenn sich das eigene Leben unwirklich anfühlt

In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Gastgeberin Christina Hillesheim mit der ehemaligen Betroffenen Anna über eines der irritierendsten Symptome von Angststörungen und Depressionen: Derealisation und Depersonalisation.

Anna erzählt, wie sie sich von einem fröhlichen „Sonnenkind“ zu einer jungen Frau entwickelte, die sich selbst im Spiegel nicht mehr erkannte – und wie sie es trotzdem geschafft hat, wieder vollständig gesund zu werden.

Unser Gast: Anna

Anna ist heute 29 Jahre alt, Yogalehrerin sowie Tanz- und Bewegungspädagogin. Vor rund acht bis neun Jahren war sie selbst schwer betroffen von:

Aus dieser Krise hat sie ihren Beruf gemacht: Heute begleitet sie Menschen dabei, zurück in ihren Körper, ins Fühlen und in ihre Selbstermächtigung zu kommen – mit Bewegung, Atmung und Körperarbeit.

1. Von der ersten Panikattacke zur Derealisation: Annas Weg in die Angst

Am Anfang wirkte alles „normal“: erster Freund, erste Wohnung, Job als Bürokauffrau im Familienbetrieb. Kein großer äußerer Knall, keine offensichtliche Krise. Und trotzdem begann sich etwas schleichend zu verändern.

Schlafstörungen und die erste Panikattacke

Es startete harmlos – mit ein paar schlechten Nächten. Dann wurden daraus handfeste Schlafstörungen. Kurz darauf kam die erste Panikattacke:

  • Luftnot – das Gefühl „Ich kriege keine Luft“, obwohl sie hyperventilierte
  • massive körperliche Alarmreaktion
  • Fahrt ins Krankenhaus, Diagnose: Panikattacke, körperlich „nichts Schlimmes“

Doch dabei blieb es nicht. Anna lebte zunächst ihren Alltag weiter, doch die Panikattacken wurden häufiger und intensiver, bis hin zu bis zu zehn Panikattacken pro Tag.

„Ich war immer ein Sonnenkind und gut drauf und das wurde immer mehr überdeckt durch diese Angst und durch diese Panikattacken, die mich aus dem Nichts überrascht haben.“

Scham, Rückzug und der Versuch, „normal“ zu funktionieren

Wie so viele Betroffene versuchte Anna, ihr Leiden zu verstecken:

  • sie zog sich von Freunden und Familie zurück
  • das Thema war ihr schambehaftet
  • sie setzte sich „eine Maske auf“ und spielte Normalität im Büro

Irgendwann ging es nicht mehr: Anna brach vor Kollegen und Chef zusammen, beichtete ihre Panikattacken und wurde vom Chef persönlich nach Hause gefahren. Zu ihrer Überraschung erlebte sie viel Verständnis und Mitgefühl – ein wichtiges Gegenbild zur Angst, „niemand versteht mich“.

Wenn die Welt unwirklich wird: Das „Wolkengefühl“

Nach vielen Panikattacken schlich sich ein neues Symptom ein, das Anna als „Wolke“ beschreibt:

  • körperliche Angstsymptome und Gedanken mischten sich immer stärker
  • ein innerer Schleier legte sich über Wahrnehmung und Selbstbild
  • bis zu dem Moment, in dem sie sich im Spiegel nicht mehr erkannte

„Da bist du selbst, du schaust in den Spiegel und es ist eine Wand vor dir, eine Wolke, ein Schleier, etwas, was dich von dir selbst abgrenzt.“

Genau das ist typisch für Derealisation und Depersonalisation: sich selbst und die Umwelt nicht mehr richtig „echt“ zu erleben, wie in einer Blase, abgetrennt von sich und der Welt.

2. Derealisation/Depersonalisation verstehen: Zwischen Diagnose, Angst vorm Verrücktwerden und Hoffnung

Die große Frage: „Geht das jemals wieder weg?“

Für Anna war das ihre größte Angst:

„Geht dieses Syndrom, dieses Gefühl, diese Empfindungen jemals wieder weg?“

Sie dachte, es sei unheilbar. Heute kann sie aus eigener Erfahrung sagen:

Ja, es geht wieder weg. Du kannst wieder ein normales, glückliches Leben führen.

Zwischen Dr. Google und professioneller Hilfe

Wie viele Betroffene suchte Anna zuerst online nach Erklärungen. Durch das Googeln stieß sie auf Derealisation/Depersonalisation – für sie gleichzeitig schockierend und erleichternd:

  • Schock, weil es „so gut passte“
  • Erleichterung, weil sie endlich einen Namen für das Symptom hatte

Christina macht in der Folge einen wichtigen Punkt klar: Psychische Diagnosen gehören immer in die Hände von Fachleuten. Eigenrecherche kann Hinweise geben, ersetzt aber keine ärztliche oder therapeutische Abklärung.

Annas Weg:

  • Hausarzt mit körperlicher Diagnostik (Blutwerte, Schilddrüse etc.)
  • Gesprächstherapie beim Psychotherapeuten
  • später ergänzend: Körperpsychotherapie und eigene Körperarbeit

Angst vorm Verrücktwerden und Kontrollverlust

Typisch für dieses Symptom sind Gedanken wie:

  • „Ich werde verrückt“
  • „Ich verliere die Kontrolle“
  • „Ich bin nicht mehr wirklich da“

Diese Gedanken verstärken die Derealisation jedoch oft. Das innere Katastrophendenken kurbelt das Nervensystem weiter an, die „Wolke“ wird dichter. Genau hier setzte Annas Heilungsweg an: Verstehen, Akzeptanz und ein anderer Umgang mit den Empfindungen.

3. Heilung durch Körperarbeit, Akzeptanz und kleine Schritte zurück ins Leben

Ein Wendepunkt für Anna war die Erkenntnis, dass Reden allein für sie nicht reicht. Sie brauchte einen Weg, aus dem Kopf in den Körper zu kommen.

Körperpsychotherapie: Zurück ins Fühlen

In der Körperarbeit ging es nicht darum, die Derealisation „wegzumachen“, sondern sie in einem sicheren Rahmen zu fühlen und zu verkörpern:

  • erstes Gespräch: Wie fühlt sich die Empfindung gerade an?
  • dann: Verkörperung über Bewegung und Berührung

Konkret hat Anna unter anderem erlebt:

  • Stampfen über längere Zeit, um den Körper zu aktivieren und Sicherheit zu signalisieren
  • Atemarbeit, um das Nervensystem zu beruhigen
  • Körpergriffe und Berührung (ähnlich Massage), um Präsenz zu stärken
  • EFT/Klopfakupressur zur Regulation von Stress und Emotionen
  • manchmal auch: nur liegen, nichts spüren, und genau das annehmen

„Der Körper ist voller Weisheit. Wenn man einmal anfängt, mit ihm zusammenzuarbeiten, tut er alles, damit es einem wieder gut geht.“

Christina verstärkt das: Gerade, wenn Meditation im Sitzen anfangs zu schwer ist, können Bewegung, Spaziergänge oder Tanz ein viel besserer Einstieg sein, um überhaupt wieder ins Spüren zu kommen.

Der Schlüssel: Akzeptanz statt Kampf

Ein weiterer großer Wendepunkt war für Anna die innere Haltung:

  • weg von „Es muss sofort weg“
  • hin zu „Ich nehme das Symptom mit und lebe trotzdem“

„Ich habe gemerkt, es macht es für mich schlimmer, wenn ich mein ganzes Leben aufgebe. Dann gebe ich die ganze Macht an das Derealisationssyndrom ab.“

Sie begann wieder normale Dinge zu machen, obwohl sie sich weiterhin unwirklich fühlte:

  • Treffen mit Freunden
  • Spaziergänge, Natur, Foodtruck-Festival
  • Shoppen in der Stadt, Fitnessstudio, Fahrradfahren

Die Botschaft an ihren Körper lautete: „Ich bin mit dieser Empfindung sicher. Ich kann mein Leben trotzdem leben.“

Christina fasst es mit einem Bild zusammen:

„Ich lasse es rauschen.“ – also das Symptom wahrnehmen, aber nicht ständig kontrollieren und prüfen, ob es noch da ist.

Rückschläge gehören zum Heilungsweg

Der Verlauf war nicht linear. Es gab Phasen, in denen alles leichter wurde, und dann wieder Rückschläge – zum Beispiel, wenn:

  • viel Stress im Außen war
  • eine Panikattacke wieder auftauchte
  • Anna sich überforderte oder zu schnell zu viel wollte

Statt diese Phasen als „Versagen“ zu deuten, hat Anna gelernt, sie als Teil des Prozesses zu sehen:

  • „zwei Schritte vor, einen zurück“ als normaler Heilungsverlauf
  • Rückschläge als Zeichen: Ich war schon mal weiter, ich komme wieder dahin
  • Signal des Körpers: Du hast dich gerade wieder überfordert

Die Toolbox, die bleibt

Aus dieser Zeit hat Anna eine persönliche Toolbox mitgenommen, die ihr bis heute hilft – und die niemand ihr mehr nehmen kann:

  • Atemtechniken für Akutsituationen
  • Bewegung, Tanzen, Yoga, um die Spannung im Körper zu regulieren
  • innere Sätze wie:
    • „Das geht vorbei.“
    • „Ich bin sicher.“
    • „Es sind nur Gedanken – sie müssen nicht wahr sein.“

Später, als ihr Hund eine Bandscheiben-OP hatte und die Situation sie stark belastete, merkte Anna genau, wie sehr sie gewachsen ist: Sie spürte eine aufkommende Panik, konnte sich aber selbst regulieren und erlebte bewusst:

„Dieser ganze Weg war nicht umsonst. Ich habe die Kontrolle über meinen Körper, ich bin sicher. Es wird nie wieder so schlimm werden wie früher.“

4. Ein Leben nach der Derealisation: Wenn der Körper „Nein“ sagt und du ein neues Ja findest

Heute sagt Anna klar: Ihr Leben ist schöner als vor der Angststörung. Und sie ist überzeugt, dass ihr Körper sie damals auf etwas Wichtiges hinweisen wollte.

Angst als Warnsignal: Ein Leben, das nicht mehr passt

Christina und Anna sind sich einig: Hinter vielen Angst- und Depressionssymptomen steckt oft ein Leben, das nicht zu den eigenen Bedürfnissen und Werten passt:

  • unterdrückte Wünsche
  • überfahrene Grenzen
  • Beziehungen, die nicht guttun
  • Arbeit, die leer und unbefriedigend ist

Christinas Psychiater brachte es einmal so auf den Punkt: Hinter vielen Ängsten und Depressionen steckt eine Unterdrückung von Bedürfnissen. Ein Körper, der zu 100 Prozent glücklich mit dem eigenen Leben ist, hat selten Grund, dauerhaft Angst zu produzieren – abgesehen von klar organischen Erkrankungen.

Für Anna bedeutete das konkret:

  • Trennung vom ersten Freund, der sie nicht wirklich liebte
  • Ausstieg aus dem unbefriedigenden Bürojob
  • alleine mit dem Rucksack nach Portugal reisen, trotz Restängsten
  • ihr Leben so gestalten, dass es sich wieder „wie ihres“ anfühlt

„Mein Leben hat sehr an mir gerüttelt, aber jetzt bin ich sehr dankbar. Ich führe ein viel schöneres Leben als vor dem Syndrom.“

Heute: Andere Menschen zurück in ihr Strahlen begleiten

Mittlerweile arbeitet Anna als:

  • Yogalehrerin
  • Tanz- und Bewegungspädagogin
  • Mentorin für Menschen, die wieder ins Fühlen und in ihre Kraft kommen wollen

Sie hilft ihren Teilnehmer:innen,

  • ihren Körper als Verbündeten zu erleben
  • Blockaden, Ängste und Sorgen mitzunehmen statt zu bekämpfen
  • „die beste Version ihres Selbst“ zu leben – ohne Perfektionsdruck

Der Blick auf ihre Geschichte hat sich komplett gewandelt:

„An allem Schlechten ist immer etwas Gutes. Ohne das Syndrom wäre ich heute nicht diejenige, die andere dabei unterstützt.“

Christina bringt es auf den Punkt: Viele erleben Angst, Panik und Derealisation als das Schlimmste, was ihnen je passiert ist – und sagen Jahre später, es sei gleichzeitig das Wichtigste gewesen, weil es sie zurück zu sich selbst geführt hat.

Weitere Inhalte der Podcastfolge

  • Warum es gefährlich ist, Symptome ständig zu „checken“ und zu kontrollieren
  • wie du mit Rückfällen umgehen kannst, ohne dich selbst fertigzumachen
  • warum Meditation nicht nur „still sitzen und nichts denken“ bedeutet
  • Ideen für erste Körperübungen und Mini-Bewegungsrituale im Alltag
  • die Rolle des Atems als SOS-Anker bei Panik – und warum du ihn auch wirklich nutzen musst
  • warum das Leben immer für dich arbeitet, auch wenn es sich kurzfristig anders anfühlt
Dies ist ein Podcast aus meiner Themenwelt „Akute Angst & Panik". Du findest viele weitere hilfreichen Informationen und Tipps auf der Themenseite: „Akute Angst & Panik"
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