„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.
Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️
In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Gastgeberin Christina Hillesheim mit der Psychotherapeutin Dr. Julia Tank über ein Thema, das viele betrifft, aber kaum jemand offen anspricht: die Angst vor dem Erbrechen (Emetophobie), ihre Ursachen, typische Verläufe und wie man sie behandeln kann. Außerdem geht es um die Abgrenzung zu Essstörungen und den Einfluss von Social Media auf unser Körperbild.
Die Folge richtet sich vor allem an Frauen, die unter Angststörungen, Emetophobie, Essstörungen oder starkem Körperzweifel leiden – und an alle, die ihr Verhältnis zu Körper, Essen und Social Media heilen oder entspannen möchten.
Dr. Julia Tank ist Psychologin und Psychotherapeutin aus Hamburg. Sie arbeitet mit Patientinnen und Patienten mit verschiedenen psychischen Erkrankungen, vor allem mit Essstörungen und Körperbildstörungen – stationär in der Psychiatrie und ambulant in ihrer Praxis.
In ihrer Doktorarbeit und klinischen Arbeit hat sie beobachtet, dass Angststörungen häufig fälschlicherweise als Essstörungen eingestuft werden, wenn starkes Vermeidungsverhalten beim Essen auftritt. Genau hier setzt das Gespräch an: Wie unterscheidet man Emetophobie von einer Essstörung? Wie hängen Angststörungen und Essstörungen zusammen? Und was können Betroffene konkret tun?
Viele Betroffene glauben, mit ihrer Angst völlig allein zu sein. Die Realität sieht anders aus: Die Angst vor dem Erbrechen ist weit verbreitet, wird aber selten offen thematisiert.
Oft beginnt Emetophobie schon in der Kindheit oder Jugend – meist nach einem einzelnen, stark belastenden Erlebnis rund um Erbrechen, etwa:
Ein prägendes Beispiel aus der Praxis: Ein Kind erlebt, wie ein Mitschüler sich im vollen Bus erbricht und „an allen vorbeiläuft“. Das Bild brennt sich ein. Auch wenn sich daraus nicht immer eine Phobie entwickelt, wird deutlich, wie stark und langfristig solche Szenen wirken können.
Bei vielen Betroffenen entsteht daraus Schritt für Schritt eine immer größere Angstspirale:
Hinter der Emetophobie steckt häufig weniger der Ekel als Kernproblem, sondern eine tieferliegende Angst vor Kontrollverlust.
Mit der Zeit kann die Angst nahezu alle Lebensbereiche durchdringen. Typische Vermeidungsstrategien sind:
Dr. Julia Tank fasst es so zusammen:
„Man hört schon raus, wie viel Raum das dann am Ende einnehmen kann. Ich gehe nicht mehr mit Kindern um, nicht mehr in Restaurants, nicht mehr auf Feiern – und mein Essverhalten wird immer restriktiver.“
Wichtig: Oft essen Betroffene deutlich weniger oder sehr einseitig, nicht aus Angst vor Gewichtszunahme, sondern nur aus Angst vor Erbrechen oder Durchfall. Das kann nach außen wie eine Essstörung wirken, ist aber vom inneren Antrieb her eine Angststörung.
Emetophobie ist eine spezifische Phobie und damit eine anerkannte psychische Erkrankung, die grundsätzlich gut behandelbar ist und – bei entsprechender Diagnose – von der gesetzlichen Krankenkasse übernommen werden kann.
Dr. Julias wichtigste Empfehlungen:
Eine Kernbotschaft der Folge lautet:
„Die Angst ist viel häufiger da als das Ereignis selbst. Viele können sich gar nicht erinnern, wann sie sich das letzte Mal wirklich erbrochen haben.“
Viele Betroffene meiden nicht nur Situationen, sondern auch Informationen – etwa Workshops, Podcasts oder Bücher zum Thema, aus Angst, dadurch „noch mehr Angst“ zu bekommen.
Das ist verständlich, verstärkt aber langfristig den Teufelskreis:
Hilfreich ist stattdessen:
Überforderung bringt allerdings wenig. Wichtig ist ein langsam aufgebautes Training, bei dem du neue, korrigierende Erfahrungen machst – und merkst, dass du Situationen und Gefühle aushalten kannst.
Viele Betroffene erleben psychosomatische Symptome wie:
Diese Symptome entstehen häufig erst durch die ängstlichen Gedanken („Was, wenn ich mich anstecke?“) und die Daueranspannung. Ein typisches Muster ist: Zuerst ist alles okay – erst nach der Information „Das Kind hatte Magen-Darm“ treten Symptome auf.
Hilfreiche Strategien:
Weil Emetophobie oft mit stark eingeschränktem Essverhalten einhergeht, werden Betroffene nicht selten als „Essstörungspatient:innen“ eingestuft. Dr. Julia Tank betont, wie wichtig es ist, die inneren Motive zu unterscheiden.
Essstörungen gehören zu den gefährlichsten psychischen Erkrankungen überhaupt. Vor allem die Anorexia nervosa (Magersucht) weist die höchste Sterblichkeitsrate aller psychischen Störungen auf – vor allem durch die körperlichen Folgen des massiven Untergewichts, etwa Herzstillstand.
Typisch sind:
Wichtige Formen von Essstörungen:
Essstörungen gehen häufig mit weiteren Problemen einher, zum Beispiel:
Es gibt Gemeinsamkeiten, aber einen zentralen Unterschied:
Beide Störungsbilder können beinhalten:
Entscheidend ist daher immer die Frage: Wovor habe ich eigentlich Angst?
In der Praxis treten beide Störungen häufig gemeinsam auf. Deshalb ist ein ganzheitlicher Blick in Diagnostik und Therapie so wichtig.
Im zweiten großen Themenblock geht es um Social Media und die Frage, wie Plattformen wie Instagram & Co. unser Körperbild, Essverhalten und Selbstwertgefühl beeinflussen.
Über Social Media werden uns permanent „Ideal-Körper“ präsentiert – meist stark bearbeitet, gefiltert und weit entfernt von der Realität der meisten Menschen. Besonders Jugendliche sind davon betroffen.
Dr. Julia beschreibt, was das mit uns macht:
Hinzu kommen:
Ein Begriff dafür ist „Selfie Dysphoria“: Menschen können sich irgendwann nur noch mit Filter ertragen und empfinden ihr echtes Aussehen als „nicht zumutbar“.
Schönheits-OPs haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen, auch bei sehr jungen Menschen. Dr. Julia berichtet, dass plastische Chirurg:innen zunehmend Anfragen von 18- bis Anfang-20-Jährigen bekommen, die z. B. Brustvergrößerungen oder Po-Operationen wollen.
Einige Ärzt:innen ziehen hier klare Grenzen, aber das gesellschaftliche Signal ist deutlich: „Du bist optimierbar – und solltest es auch tun.“
Dabei ist wichtig zu unterscheiden:
Dr. Julias Anliegen ist es, dass wir uns klar machen, welche Kräfte da auf uns wirken – und wie wir unseren Selbstwert wieder mehr von innen als von außen beziehen können.
Christina teilt zum Schluss noch ihre persönliche Entwicklung: Heute nutzt sie Sport und Ernährung vor allem, um sich gesund, fit und lebendig zu fühlen – nicht, um einem Ideal zu entsprechen.
Wichtige Perspektivwechsel, die sie beschreibt:
Gerade nach Schwangerschaft und Geburt kann es helfen, sich klar zu machen:
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