„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.
Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️
In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Gastgeberin Christina Hillesheim mit Isabel darüber, wie sich ihr Leben innerhalb weniger Monate von einer selbstverständlichen Normalität in eine massive Angststörung mit Panikattacken verwandelt hat – und wie sie Schritt für Schritt wieder hinausgefunden hat.
Du erfährst, wie sich eine schwere Angstphase im Alltag anfühlen kann, welche konkreten Schritte Isabel in Richtung Heilung gegangen ist und welche Übungen ihr bis heute helfen, ruhiger, mutiger und selbstbestimmter zu leben.
Isabel ist 34 Jahre alt und lebt im Landkreis Main-Spessart zwischen Würzburg und Frankfurt. Vor ihrer ersten Panikattacke beschreibt sie sich selbst als eher abenteuerlustig und nicht besonders ängstlich.
Das änderte sich im Jahr 2020 grundlegend: Eine Frühgeburt, mehrere Todesfälle in der Familie und die Belastungen rund um Corona führten dazu, dass Isabel innerhalb weniger Monate eine ausgeprägte Angststörung mit Panikattacken entwickelte. Im März 2021 konnte sie ihre Wohnung kaum noch verlassen.
Heute ist Isabel Teilnehmerin im Angstfrei Onlinekurs und im Happy Club von Christina. Sie teilt dort regelmäßig ihre Fortschritte und macht damit anderen Betroffenen Mut: Angst kann sich verändern – und es gibt einen Weg zurück in ein freieres Leben.
Isabels Geschichte zeigt, wie schnell Angst das Leben dominieren kann, selbst wenn man sich vorher nie als „ängstlich“ gesehen hat.
Im Oktober 2020 erlebt Isabel beim Einkaufen ihre erste Panikattacke:
Sie weiß in diesem Moment nicht, was mit ihr passiert. Erst draußen am Auto lässt die Angst wieder nach. Rückblickend erkennt sie darin die typischen Anzeichen einer Panikattacke.
„Irgendwie hat sich dann die Situation so zugeschnürt, bis ich im März 2021 die Wohnung überhaupt nicht mehr verlassen konnte.“
Ab diesem Zeitpunkt übernimmt die Angst komplett. Ihr Mann muss Einkäufe erledigen, mit der Tochter zum Arzt gehen und vieles im Alltag allein tragen.
Isabel beschreibt das Jahr vor den Panikattacken als eine Kette von Schicksalsschlägen:
Isabel war vorher kein „Angsttyp“, aber diese Häufung von Stress, Sorgen und Verlusten hat Spuren hinterlassen. Ein typisches Muster, das Christina immer wieder sieht: Entweder gibt es eine lange Angstgeschichte – oder sehr viele Belastungen auf einmal, die schließlich im Körper und im Nervensystem „ankommen“.
Besonders belastend für Isabel: Die Angst zieht in ihr Zuhause ein.
„Ich konnte mit meinem Mann und meiner Tochter nicht mehr beim Essen sitzen. Ich konnte eigentlich nur noch alleine sein. Wenn du dich in deiner Wohnung ängstlich fühlst, denkst du, dein Leben hat keinen Sinn mehr.“
Dieses Erleben kennen viele: Orte, die eigentlich Sicherheit geben sollen, werden plötzlich mit Angst verknüpft. Genau an diesem Punkt beginnt für Isabel der Wendepunkt – nicht, weil die Angst verschwindet, sondern weil klar wird: So kann es nicht bleiben.
Isabels Weg aus der Angst war kein schneller „Heilungs-Shortcut“, sondern eine Reihe mutiger Entscheidungen und kleiner Experimente.
Einer der wichtigsten Momente für Isabel war, als sie im März ihre Situation nicht mehr versteckt, sondern aktiv anspricht:
„Damit hat irgendwie mein Heilungsweg begonnen. Dieses erstmal von der Seele reden: Was ist mit mir?“
Auch Christina betont, wie hilfreich Offenheit in vielen Bereichen sein kann – besonders bei Ärzten oder im Freundeskreis. Am Arbeitsplatz rät sie dazu, individuell abzuwägen, wie viel man teilen möchte.
Weil Isabel die Wohnung nicht mehr verlassen kann, kommt der Hausarzt zu ihr nach Hause. Eine belastende Szene: Sie sitzt im Schlafzimmer, der Arzt in der Küche, sie telefonieren miteinander, obwohl sie in derselben Wohnung sind.
Der Arzt verschreibt ihr ein leichtes Antidepressivum. Isabel nimmt es als notwendige Unterstützung, nicht als Dauerlösung:
Christina ergänzt aus ihrer Erfahrung:
Die Botschaft: Es gibt kein „besser“ oder „schlechter“, ob man Medikamente nutzt oder nicht. Entscheidend ist, was dir in deiner Situation hilft.
Parallel zu den Medikamenten sucht Isabel eine Psychotherapie. Die erste Erfahrung – online während Corona – passt überhaupt nicht:
Ein wichtiger Punkt, den Christina unterstreicht: Du darfst und sollst eine Therapie abbrechen, wenn die Chemie nicht stimmt. Eine gute Zusammenarbeit ist zentral.
Im Juni/Juli findet Isabel dann eine Verhaltenstherapeutin, mit der sie sich „rundum wohlfühlt“:
Für Isabel ist klar: Diese Kombination aus fachlicher Kompetenz und menschlicher Wärme war für ihren Weg entscheidend.
Neben der Therapie beginnt Isabel, sich selbst aktiv in kleinen Schritten herauszufordern:
Besonders hilfreich empfindet sie dort die Interviews mit anderen Betroffenen:
„Diese Interviews mit den Betroffenen haben mir am allermeisten geholfen. Leute, die das selber hatten und davon weg sind – das ist die Motivation, die man braucht.“
Genau dieses Vorbild-Prinzip ist auch für Christina zentral: Zu sehen, dass andere es geschafft haben, gibt Hoffnung und zeigt, dass Veränderung möglich ist.
Im Laufe der Zeit hat sich Isabel einen sehr persönlichen „Anti-Angst-Werkzeugkasten“ aufgebaut. Viele der Methoden sind einfach, aber sie wirken – vorausgesetzt, man nutzt sie regelmäßig.
Atmen ist für Isabel das wichtigste Werkzeug in akuten Angstsituationen:
Aus der Therapie hat sie außerdem ein wichtiges Bild verinnerlicht:
„Meine Therapeutin hat mir bestimmt 20-mal die Angstkurve an die Tafel gemalt: Die Angst steigt bis zu einem gewissen Punkt und dann fällt sie wieder.“
Dieses Wissen hilft ihr, die ersten Minuten einer Angstsituation zu überstehen, ohne gleich zu fliehen. Sie weiß: Die Angst bleibt nicht auf dem Höchststand, sie ebbt ab.
Isabel hat mehrere regelmäßige Rituale in ihren Alltag integriert, um ihr Nervensystem generell zu beruhigen:
Vieles davon hielt sie früher für „gar nichts für mich“. Heute weiß sie: Die Kombination aus regelmäßigem Üben und dem bewussten Einplanen von „Zeit für mich“ macht einen großen Unterschied.
„Es nützt nichts, Bücher zu lesen und Kurse zu machen, wenn man nichts selber dafür tut.“
Isabel beschreibt sich selbst als eher vorsichtig. Sie wählt deshalb bewusst den Weg der Minischritte statt radikaler Konfrontation:
Ihr Vorteil: Sie bringt sich so regelmäßig in Kontakt mit der Angst, aber überfordert ihr Nervensystem nicht.
Christina betont dazu den Unterschied im Wording:
Ein weiterer, sehr hilfreicher Tipp von Isabel: Sie informiert Ärzt:innen und Praxen offen über ihre Angststörung:
„Ich sag an der Anmeldung einfach: Ich habe eine Angststörung. Dann nehmen das alle total gut auf und sagen: Wenn was ist, gehst du halt einfach.“
Diese Ehrlichkeit nimmt ihr massiv Druck. Für Christina ist das ein starkes Zeichen von Selbstbewusstsein, nicht von Schwäche.
Eine besonders schöne Strategie von Isabel ist das Arbeiten mit „Mut-Ankern“:
Dieses kleine Schiff wird zu ihrem Anker:
„Wenn ich dieses Schiff in einer Angstsituation anschaue, hilft es mir ungemein. Ich bin dann wieder auf diesem Schiff, es war so schön, die Sonne hat geschienen – und die Angst ist wie weggeblasen.“
So erinnert sie sich: Ich habe das geschafft. Ich kann auch anderes schaffen. Genau dieses Prinzip nutzt Christina auch für sich, zum Beispiel bei Live-TV-Auftritten – der Gedanke an das „Danach-Gefühl“ motiviert, sich der Situation überhaupt zu stellen.
Isabel merkt ganz konkret, wie sie im Alltag mutiger wird:
„Man wird einfach mutiger. Es wird definitiv besser, auch wenn ich selbst es früher nicht geglaubt hätte.“
Für Christina ist Isabel damit ein Paradebeispiel: Mut entsteht nicht im Kopf, sondern durch Erfahrungen. Jede gemeisterte Situation stärkt das Vertrauen: „Das kann ich.“
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