Wie Isabelle ihre Ängste besiegt hat

Community Interview mit Isabelle

07.05.2023

„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.

Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️

Jetzt anhören auf:
Inhalt

Angst überwinden: Isabels Weg aus der Panik zurück ins Leben

In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Gastgeberin Christina Hillesheim mit Isabel darüber, wie sich ihr Leben innerhalb weniger Monate von einer selbstverständlichen Normalität in eine massive Angststörung mit Panikattacken verwandelt hat – und wie sie Schritt für Schritt wieder hinausgefunden hat.

Du erfährst, wie sich eine schwere Angstphase im Alltag anfühlen kann, welche konkreten Schritte Isabel in Richtung Heilung gegangen ist und welche Übungen ihr bis heute helfen, ruhiger, mutiger und selbstbestimmter zu leben.

Unser Gast: Isabel

Isabel ist 34 Jahre alt und lebt im Landkreis Main-Spessart zwischen Würzburg und Frankfurt. Vor ihrer ersten Panikattacke beschreibt sie sich selbst als eher abenteuerlustig und nicht besonders ängstlich.

Das änderte sich im Jahr 2020 grundlegend: Eine Frühgeburt, mehrere Todesfälle in der Familie und die Belastungen rund um Corona führten dazu, dass Isabel innerhalb weniger Monate eine ausgeprägte Angststörung mit Panikattacken entwickelte. Im März 2021 konnte sie ihre Wohnung kaum noch verlassen.

Heute ist Isabel Teilnehmerin im Angstfrei Onlinekurs und im Happy Club von Christina. Sie teilt dort regelmäßig ihre Fortschritte und macht damit anderen Betroffenen Mut: Angst kann sich verändern – und es gibt einen Weg zurück in ein freieres Leben.

Von der ersten Panikattacke zur Angst vor dem Alltag

Isabels Geschichte zeigt, wie schnell Angst das Leben dominieren kann, selbst wenn man sich vorher nie als „ängstlich“ gesehen hat.

Die erste Panikattacke im Supermarkt

Im Oktober 2020 erlebt Isabel beim Einkaufen ihre erste Panikattacke:

  • plötzliches Herzrasen
  • Übelkeit und das Gefühl, umzukippen
  • das Bedürfnis, aus dem Laden zu fliehen und die Maske vom Gesicht zu reißen

Sie weiß in diesem Moment nicht, was mit ihr passiert. Erst draußen am Auto lässt die Angst wieder nach. Rückblickend erkennt sie darin die typischen Anzeichen einer Panikattacke.

„Irgendwie hat sich dann die Situation so zugeschnürt, bis ich im März 2021 die Wohnung überhaupt nicht mehr verlassen konnte.“

Ab diesem Zeitpunkt übernimmt die Angst komplett. Ihr Mann muss Einkäufe erledigen, mit der Tochter zum Arzt gehen und vieles im Alltag allein tragen.

Belastungen, die das „Fass zum Überlaufen“ bringen

Isabel beschreibt das Jahr vor den Panikattacken als eine Kette von Schicksalsschlägen:

  • Frühgeburt ihrer Tochter in der 29. Schwangerschaftswoche, zwei Monate Krankenhauszeit
  • starke Sorgen: Wird alles gut? Kommt das Kind gesund nach Hause?
  • der Tod ihres Stiefvaters, der für sie „wie ein richtiger Papa“ war
  • der Tod der Großeltern ihres Mannes
  • zusätzliche Belastung und Unsicherheit durch Corona

Isabel war vorher kein „Angsttyp“, aber diese Häufung von Stress, Sorgen und Verlusten hat Spuren hinterlassen. Ein typisches Muster, das Christina immer wieder sieht: Entweder gibt es eine lange Angstgeschichte – oder sehr viele Belastungen auf einmal, die schließlich im Körper und im Nervensystem „ankommen“.

Wenn selbst die eigenen vier Wände zum Angstraum werden

Besonders belastend für Isabel: Die Angst zieht in ihr Zuhause ein.

„Ich konnte mit meinem Mann und meiner Tochter nicht mehr beim Essen sitzen. Ich konnte eigentlich nur noch alleine sein. Wenn du dich in deiner Wohnung ängstlich fühlst, denkst du, dein Leben hat keinen Sinn mehr.“

Dieses Erleben kennen viele: Orte, die eigentlich Sicherheit geben sollen, werden plötzlich mit Angst verknüpft. Genau an diesem Punkt beginnt für Isabel der Wendepunkt – nicht, weil die Angst verschwindet, sondern weil klar wird: So kann es nicht bleiben.

Schritt für Schritt ins Leben zurück: Therapie, Offenheit und kleine Mutproben

Isabels Weg aus der Angst war kein schneller „Heilungs-Shortcut“, sondern eine Reihe mutiger Entscheidungen und kleiner Experimente.

Offenheit als Startpunkt: „Damit hat mein Heilungsweg begonnen“

Einer der wichtigsten Momente für Isabel war, als sie im März ihre Situation nicht mehr versteckt, sondern aktiv anspricht:

  • Sie erzählt Familie, Freunden und auf der Arbeit, was mit ihr los ist.
  • Sie erklärt, warum sie Termine absagt oder nicht mehr zum Essen kommt.
  • Sie nimmt sich den Druck, „funktionieren“ zu müssen.

„Damit hat irgendwie mein Heilungsweg begonnen. Dieses erstmal von der Seele reden: Was ist mit mir?“

Auch Christina betont, wie hilfreich Offenheit in vielen Bereichen sein kann – besonders bei Ärzten oder im Freundeskreis. Am Arbeitsplatz rät sie dazu, individuell abzuwägen, wie viel man teilen möchte.

Ärztliche Hilfe und Antidepressiva: Weder Wundermittel noch Schwäche

Weil Isabel die Wohnung nicht mehr verlassen kann, kommt der Hausarzt zu ihr nach Hause. Eine belastende Szene: Sie sitzt im Schlafzimmer, der Arzt in der Küche, sie telefonieren miteinander, obwohl sie in derselben Wohnung sind.

Der Arzt verschreibt ihr ein leichtes Antidepressivum. Isabel nimmt es als notwendige Unterstützung, nicht als Dauerlösung:

  • Die Tabletten helfen ihr durch die schlimmste Phase.
  • Später schleicht sie sie langsam aus – in Absprache mit dem Arzt.
  • Heute braucht sie keine Medikamente mehr.

Christina ergänzt aus ihrer Erfahrung:

  • Antidepressiva sind weder „Wunderpille“ noch Zeichen von Schwäche.
  • Sie können in sehr belastenden Phasen eine wichtige Hilfe sein.
  • Wichtig ist die individuelle Entscheidung mit ärztlicher Begleitung und der eigene Leidensdruck.

Die Botschaft: Es gibt kein „besser“ oder „schlechter“, ob man Medikamente nutzt oder nicht. Entscheidend ist, was dir in deiner Situation hilft.

Die Suche nach der passenden Therapie

Parallel zu den Medikamenten sucht Isabel eine Psychotherapie. Die erste Erfahrung – online während Corona – passt überhaupt nicht:

  • Sie fühlt sich mit dem ersten Therapeuten nicht wohl.
  • Sie bricht die Sitzungen ab, weil sie merkt: „Das bringt mich nicht weiter.“

Ein wichtiger Punkt, den Christina unterstreicht: Du darfst und sollst eine Therapie abbrechen, wenn die Chemie nicht stimmt. Eine gute Zusammenarbeit ist zentral.

Im Juni/Juli findet Isabel dann eine Verhaltenstherapeutin, mit der sie sich „rundum wohlfühlt“:

  • Die ersten Stunden bestehen nur darin, wieder überhaupt aus der Wohnung heraus und in die Praxis zu kommen.
  • Später üben sie gemeinsam Situationen wie Einkaufen.
  • Isabel beschreibt die Therapeutin als jemanden, mit der sie sich „eine richtig dicke Freundschaft“ hätte vorstellen können.

Für Isabel ist klar: Diese Kombination aus fachlicher Kompetenz und menschlicher Wärme war für ihren Weg entscheidend.

Mut-Challenges und der Angstfrei-Kurs

Neben der Therapie beginnt Isabel, sich selbst aktiv in kleinen Schritten herauszufordern:

  • Ihr Mann unterstützt sie mit kleinen Challenges, damit sie ins Tun kommt.
  • Sie liest viele Bücher, merkt aber: Nur lesen reicht nicht – Handeln ist entscheidend.
  • Sie startet im Angstfrei Onlinekurs von Christina und wird eines der ersten Mitglieder.

Besonders hilfreich empfindet sie dort die Interviews mit anderen Betroffenen:

„Diese Interviews mit den Betroffenen haben mir am allermeisten geholfen. Leute, die das selber hatten und davon weg sind – das ist die Motivation, die man braucht.“

Genau dieses Vorbild-Prinzip ist auch für Christina zentral: Zu sehen, dass andere es geschafft haben, gibt Hoffnung und zeigt, dass Veränderung möglich ist.

Werkzeugkasten gegen Angst: Was Isabel im Alltag wirklich hilft

Im Laufe der Zeit hat sich Isabel einen sehr persönlichen „Anti-Angst-Werkzeugkasten“ aufgebaut. Viele der Methoden sind einfach, aber sie wirken – vorausgesetzt, man nutzt sie regelmäßig.

Atmung: 4-7-8 und bewusster Umgang mit der Angstkurve

Atmen ist für Isabel das wichtigste Werkzeug in akuten Angstsituationen:

  • Sie nutzt häufig die 4-7-8-Atmung (Einatmen 4 Sekunden, Luft anhalten 7 Sekunden, Ausatmen 8 Sekunden).
  • Vor herausfordernden Situationen (z. B. Einkaufen, Termine) beruhigt sie sich damit gezielt.

Aus der Therapie hat sie außerdem ein wichtiges Bild verinnerlicht:

„Meine Therapeutin hat mir bestimmt 20-mal die Angstkurve an die Tafel gemalt: Die Angst steigt bis zu einem gewissen Punkt und dann fällt sie wieder.“

Dieses Wissen hilft ihr, die ersten Minuten einer Angstsituation zu überstehen, ohne gleich zu fliehen. Sie weiß: Die Angst bleibt nicht auf dem Höchststand, sie ebbt ab.

Routinen für ein ruhigeres Nervensystem

Isabel hat mehrere regelmäßige Rituale in ihren Alltag integriert, um ihr Nervensystem generell zu beruhigen:

  • Dankbarkeitsroutine: Jeden Abend schreibt sie zehn Dinge auf, für die sie an diesem Tag dankbar ist.
  • Meditationen aus dem Angstfrei-Kurs – besonders vor anstehenden Terminen.
  • Progressive Muskelentspannung (PMR), um Anspannung im Körper abzubauen.
  • EFT (Emotional Freedom Technique), also Klopftechniken, um Emotionen zu regulieren.

Vieles davon hielt sie früher für „gar nichts für mich“. Heute weiß sie: Die Kombination aus regelmäßigem Üben und dem bewussten Einplanen von „Zeit für mich“ macht einen großen Unterschied.

„Es nützt nichts, Bücher zu lesen und Kurse zu machen, wenn man nichts selber dafür tut.“

Kleine Schritte statt Vollgas: Sanfte Konfrontation mit der Angst

Isabel beschreibt sich selbst als eher vorsichtig. Sie wählt deshalb bewusst den Weg der Minischritte statt radikaler Konfrontation:

  • Sie nähert sich angstauslösenden Situationen langsam an, statt „Vollgas reinzurennen“.
  • Beispiel Arztbesuch: Zuerst nur mit der Tochter in das Wartezimmer gehen, selbst nicht auf den Stuhl.
  • Blutabnahme üben, weil sie kurz ist und überschaubar.

Ihr Vorteil: Sie bringt sich so regelmäßig in Kontakt mit der Angst, aber überfordert ihr Nervensystem nicht.

Christina betont dazu den Unterschied im Wording:

  • „Ich will“ statt „Ich muss“ reduziert Druck und innere Gegenwehr.
  • „Wenn es nicht geht, dann geht es heute noch nicht“ – auch Abbruch ist erlaubt.

Ein weiterer, sehr hilfreicher Tipp von Isabel: Sie informiert Ärzt:innen und Praxen offen über ihre Angststörung:

„Ich sag an der Anmeldung einfach: Ich habe eine Angststörung. Dann nehmen das alle total gut auf und sagen: Wenn was ist, gehst du halt einfach.“

Diese Ehrlichkeit nimmt ihr massiv Druck. Für Christina ist das ein starkes Zeichen von Selbstbewusstsein, nicht von Schwäche.

Symbole der Stärke: Ankern von positiven Erfahrungen

Eine besonders schöne Strategie von Isabel ist das Arbeiten mit „Mut-Ankern“:

  • Im Urlaub – einer Zeit, in der ihre Ängste oft wie weggeblasen sind – war sie mit ihrer Familie auf einem Schiff.
  • Obwohl sie sich auf einem Schiff eigentlich „eingesperrt“ fühlt, hat sie sich überwunden, mitzufahren.
  • Ihr Mann schenkt ihr später ein Miniatur-Schiff als Erinnerung an diesen Tag.

Dieses kleine Schiff wird zu ihrem Anker:

„Wenn ich dieses Schiff in einer Angstsituation anschaue, hilft es mir ungemein. Ich bin dann wieder auf diesem Schiff, es war so schön, die Sonne hat geschienen – und die Angst ist wie weggeblasen.“

So erinnert sie sich: Ich habe das geschafft. Ich kann auch anderes schaffen. Genau dieses Prinzip nutzt Christina auch für sich, zum Beispiel bei Live-TV-Auftritten – der Gedanke an das „Danach-Gefühl“ motiviert, sich der Situation überhaupt zu stellen.

Mut wächst mit den Erfahrungen

Isabel merkt ganz konkret, wie sie im Alltag mutiger wird:

  • Früher „schlich“ sie beim Einkaufen durch den Laden, immer auf der Suche nach einer freien Kasse.
  • Heute stellt sie sich auch an, wenn zehn Leute vor ihr sind – ohne dass etwas passiert.
  • Sie geht wieder alleine einkaufen und erledigt Alltagsaufgaben selbst.

„Man wird einfach mutiger. Es wird definitiv besser, auch wenn ich selbst es früher nicht geglaubt hätte.“

Für Christina ist Isabel damit ein Paradebeispiel: Mut entsteht nicht im Kopf, sondern durch Erfahrungen. Jede gemeisterte Situation stärkt das Vertrauen: „Das kann ich.“

Weitere Inhalte der Podcastfolge

  • Warum es normal ist, als Eltern Ängste um die eigenen Kinder zu haben – und wie man wieder aus der Gedankenspirale findet.
  • Wieso Heilung bei Angststörungen oft nach dem Muster „zwei Schritte vor, einen zurück“ verläuft – und warum das völlig in Ordnung ist.
  • Christinas eigene Erfahrungen mit Burnout, Depression und Angst und wie diese ihre Arbeit im Angstfrei Onlinekurs prägen.
  • Wie sich Offenheit über psychische Belastungen auf der Arbeit auswirken kann – Chancen, Grenzen und persönliche Abwägungen.
  • Die Rolle von Gemeinschaft: Warum der Austausch in Kursen, Clubs und Facebook-Gruppen so heilsam sein kann.
Dies ist ein Podcast aus meiner Themenwelt „Angst & Überforderung". Du findest viele weitere hilfreichen Informationen und Tipps auf der Themenseite: „Angst & Überforderung"
Jetzt anhören auf:

Diese Folgen könnten dir auch gefallen

Wenn du tiefer in das Thema einsteigen möchtest

Reduziert

Ursprünglicher Preis war: 39,90 €Aktueller Preis ist: 19,90 €. inkl. 19% MwSt.

Reduziert

Ursprünglicher Preis war: 19,90 €Aktueller Preis ist: 16,90 €. inkl. 19% MwSt.

Keine Folge verpassen

Du interessierst dich für das Thema mentale Gesundheit, angstfrei und glücklich leben? Dann melde dich doch zu meinem kostenlosen Newsletter an. Direkt nach Anmeldung erhältst du meine Happy News mit Updates zu neuen Blog Beiträgen, Podcast Folgen, Freebies sowie vielen exklusiven Community- und Bonus-Aktionen.