„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.
Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️
In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Host Christina Hillesheim mit Somatic-Breathwork-Coach Gita darüber, wie Atemarbeit bei Angststörungen, Panikattacken und chronischem Stress helfen kann. Gita teilt ihre eigene Krankheitsgeschichte, erklärt verständlich den Zusammenhang von Atmung und Nervensystem und führt eine beruhigende Atemübung an, die du direkt mitmachen kannst.
Gita ist somatische Breathwork-Coachin mit indischen Wurzeln und in einem Elternhaus aufgewachsen, in dem Meditation, Pranayama und Spiritualität selbstverständlich waren. Dennoch war ihr eigener Zugang dazu lange eher distanziert – „zu uncool“ in der Jugend, wie sie erzählt.
Beruflich hat sie sich schon früh in Richtung Psyche und Körper orientiert: Psychologiestudium, Atemausbildung, Yoga-Ausbildung. Doch wirklich relevant wurde dieses Wissen erst, als ihr Körper sie stoppte: Vor einigen Jahren entwickelte sie die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow mit Symptomen wie Herzrasen, Schlaflosigkeit und Panikattacken. Parallel dazu brachen alte, unerkannte Ängste massiv auf.
„Ich habe 30 Jahre lang gedacht, das ist normal, dass ich so viel Angst habe.“
Heute arbeitet Gita hauptberuflich als somatische Breathwork-Coachin und begleitet Menschen mit Angst, Panik und Stressreaktionen. Ihr Ansatz: den Körper und das Nervensystem praktisch erfahrbar zu machen, statt nur über Probleme zu sprechen.
Viele Betroffene glauben, ihre Angst spiele sich hauptsächlich im Kopf ab – als „falsche Gedanken“ oder Übertreibung. Gita macht deutlich: Angst ist eine körperliche Reaktion, die vom Nervensystem gesteuert wird.
Zu ihren frühesten Kindheitserinnerungen gehören Angstgedanken wie: „Wenn das Telefon klingelt, ist bestimmt etwas Schlimmes passiert.“ Flugreisen bedeuteten, ein Testament zu schreiben und alles für den Fall des eigenen Todes vorzubereiten. Trotzdem hat sie sich selbst nie als „krank“ wahrgenommen – es fühlte sich einfach wie ihre Normalität an.
Mit der Autoimmunerkrankung und äußeren Belastungen wurde aus dieser unterschwelligen Daueranspannung eine handfeste Angsterkrankung:
„Angst geht einher mit einem unglaublichen Kontrollverlust. Breathwork hat mir gezeigt: Es muss nicht so sein.“
Während klassische Gesprächstherapie für Verständnis sorgt, setzt Gita genau da an, wo vielen Behandlungen ein entscheidendes Stück fehlt: am Nervensystem und am Körper. Denn:
So erklärt Gita Breathwork: „Es ist wie eine Fernsteuerung für unser Nervensystem.“
Statt nur über Angst zu sprechen, setzt sie bei der Frage an: In welchem Zustand ist dein Nervensystem gerade – und wie kommst du körperlich wieder in Regulation?
Viele Betroffene erleben sich als „einfach ängstlich“ oder „von Natur aus nervös“. Hinter diesem Gefühl steckt oft ein seit Jahrzehnten überlastetes Nervensystem. Gita beschreibt das sehr anschaulich:
Besonders spannend für Menschen mit Angststörung: Nahezu alle Betroffenen haben ein verhärtetes, wenig bewegliches Zwerchfell. Solange das Zwerchfell blockiert ist, ist eine gesunde, tiefe Atmung kaum möglich – der Körper bleibt im Alarmzustand.
Breathwork setzt genau hier an:
Während viele Menschen sich auf YouTube „Atemübung gegen Stress“ suchen und sie nur in akuten Momenten anwenden, arbeitet Gita deutlich langfristiger:
Christina beschreibt es mit einem Bild aus ihren Workshops:
Zwei Wassergläser: Eines randvoll, eines halbvoll. Wenn neue Belastungen dazukommen, läuft das randvolle Glas sofort über. Durch Nervensystemarbeit – z. B. mit Breathwork, Yoga, Spaziergängen und anderen regulierenden Tools – wird das Glas wieder leerer. Belastungen können kommen, ohne dass sofort alles zusammenbricht.
In der Folge führt Gita eine entspannende Atemsequenz an, die viele Hörer:innen als tief beruhigend erleben. Sie eignet sich besonders, wenn du dich sicher genug fühlst, bewusst in deinen Körper zu spüren.
Such dir, wenn möglich, einen ruhigen Ort. Du kannst sitzen oder liegen.
Wenn es sich sicher anfühlt, kannst du danach die Augen schließen. Wenn nicht, lass sie halb geöffnet und weich ruhen.
Lehn dich bewusst an. Du wirst getragen. Wenn es dir gut tut, nimm ein Kissen vor den Brustraum oder decke dich zu.
Lass die Atmung weich werden. Wenn möglich, lass die Ausatmung 1–2 Sekunden länger dauern als die Einatmung.
Mit jeder Ausatmung darf dein Körper ein wenig schwerer und weicher werden.
Wichtig: Die Pause ist nach der Ausatmung, nicht nach der Einatmung.
Diese Übung kannst du mehrmals am Tag für ein paar Minuten machen – vor dem Schlafen, nach einem stressigen Gespräch oder einfach zwischendurch, um wieder bei dir anzukommen.
Gita weist ausdrücklich darauf hin, dass es völlig normal ist, wenn bei solchen Übungen:
Gerade bei Hypochondrie, Trauma oder starkem Kontrollbedürfnis kann Innenwahrnehmung anfangs triggernd sein. Das ist kein Zeichen, dass mit dir etwas „falsch“ ist, sondern ein Zeichen, wie sehr dein System bisher damit beschäftigt war, Gefühle zu vermeiden.
Was dann hilft:
Gita betont: „Das funktioniert bei jedem – wenn die Rahmenbedingungen stimmen und du dir Zeit gibst.“
Ein zentrales Thema in diesem Gespräch ist die sogenannte „high functioning anxiety“: Menschen, die nach außen perfekt funktionieren, aber innerlich unter massiver Angst und Anspannung leiden.
Typische Muster, die Gita aus ihrer Biografie kennt:
Oft wird in solchen Biografien nicht oder viel zu spät hingeschaut – weil „doch alles läuft“. Das macht Angsterkrankungen so tückisch: Sie können sich jahrelang im Hintergrund aufbauen, bis ein Auslöser (Krankheit, Verlust, Überlastung) alles kippen lässt.
Heilung läuft deshalb selten über einen einzigen „Gamechanger“, sondern über ein Gesamtpaket aus vielen kleinen Schritten:
Christina beschreibt: Ihr Nervensystem war früher so überdreht, dass selbst gute Übungen kaum spürbare Entspannung brachten. Erst mit der Zeit, mit viel Wiederholung und verschiedenen Tools gleichzeitig, konnte sich ihr Grundzustand verändern. Heute ist sie trotz Alltagstrubel mit zwei kleinen Kindern nicht mehr dauerhaft gestresst, sondern kehrt immer wieder in einen regulierten Zustand zurück.
Genauso arbeitet Gita in ihren Ausbildungen und Coachings:
Ein Buchtipp, der im Gespräch fällt und diesen Ansatz gut ergänzt, ist „Sprache ohne Worte“ von Peter Levine, der die somatische Traumatherapie (Somatic Experiencing) geprägt hat: vom Körper in den Kopf statt umgekehrt.
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