Vom Leistungsdruck in die Angststörung – und wieder zurück

Interview mit Roman Höweler

28.04.2025
Folge 328 | Vom Leistungsdruck in die Angststörung – und wieder zurück- Romans Weg

„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.

Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️

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Inhalt

Wie Roman seine Angststörung, soziale Phobie und den Burnout überwunden hat

In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Gastgeberin Christina Hillesheim mit Roman Höveler über seinen 20-jährigen Weg durch Schlafstörungen, Angststörungen, soziale Phobie, Burnout und depressive Phasen – und vor allem darüber, wie er sich Schritt für Schritt daraus befreit hat.

Roman zeigt sehr ehrlich, wie sich Ängste im Alltag anfühlen, warum Schlafprobleme oft nur die Spitze des Eisbergs sind und welche Rolle Selbstwert, Meditation und Mentaltraining bei seiner Heilung gespielt haben.

Unser Gast: Roman Höveler

Roman Höveler ist 39 Jahre alt, lebt mit seiner Familie in Osnabrück und beschreibt sich selbst als „Ex-Betroffenen“ von:

  • ausgeprägten Schlafstörungen
  • Angststörungen und sozialer Phobie
  • Burnout mit depressiven Episoden
  • starken Selbstzweifeln und Minderwertigkeitsgefühlen

Über zwei Jahrzehnte hat er verschiedenste Therapien, Medikamente, Coachings und eigene Recherchen durchlaufen. Heute sagt er: Er ist gesund, innerlich deutlich ruhiger und arbeitet selbstständig als Coach. Seine Mission: Menschen mit ähnlichen Themen zeigen, dass Veränderung möglich ist – auch wenn der Weg lang und anstrengend scheint.

Von Schlafstörung zur Angstspirale: Wie alles begann

Romans Geschichte startet nicht mit einer Diagnose, sondern mit etwas scheinbar „Harmlosen“: Schlafproblemen mit 17. Daraus entwickelte sich Schritt für Schritt ein ganzer Strauß an Ängsten und Symptomen.

Ein sensibler Teenager gerät aus dem Gleichgewicht

Roman beschreibt sich als sensibles Kind, das sich viel Gedanken gemacht hat, aber bis 17 keine offensichtlichen psychischen Probleme hatte. Das kippte plötzlich:

  • Mit 17 begannen massive Schlafstörungen, die immer schlimmer wurden.
  • Daraus entstand ein permanentes Grübeln und eine ausgeprägte Angstsymptomatik.
  • Ein bereits vorhandenes Selbstwertproblem aus der Kindheit verstärkte sich massiv.

Ein Auslöser war für ihn im Rückblick klar: der Verlust von körperlicher Aktivität.

Früher: Viel Sport, Bewegung, Fahrrad, Aktivität.
Dann: Führerschein, Auto, Bus, Feiern, Alkohol, verschobener Schlafrhythmus – und fast keine Bewegung mehr.

Sein Körper, eigentlich auf Bewegung angewiesen, kam dadurch komplett aus dem Takt. Gleichzeitig wuchs die Angst vor dem Nicht-Schlafen-Können:

„Warum schlafe ich jetzt nicht? Warum wird das immer mehr?“

Wenn sich der ganze Tag nur noch um Schlaf dreht

Wie viele Betroffene klammerte Roman sich an die Idee: „Wenn ich wieder normal schlafe, ist alles gut.“ Genau das machte den Druck aber nur noch größer.

Typische Gedanken waren zum Beispiel:

  • „Was ist, wenn ich nie wieder schlafen kann?“
  • „Wenn ich heute nicht schlafe, kann ich morgen nicht performen.“
  • „Melde ich mich krank oder reiße ich mich zusammen? Was denken die anderen?“

Er berichtet von Nächten, in denen er gefühlt gar nicht geschlafen hat und Tagen, an denen sich alles nur um die nächste Nacht drehte. Christina ergänzt aus eigener Erfahrung, dass man dabei oft eine verzerrte Wahrnehmung entwickelt: Man schläft meist mehr, als man denkt – aber die Fokussierung auf jedes Aufwachen verstärkt die Angst.

Die Angst vor der Bewertung: Soziale Phobie auf der Arbeit

Ein weiterer Wendepunkt: Romans Ausbildung. Hier zeigte sich seine soziale Phobie besonders deutlich. Er beschreibt:

  • eine massive Angst vor Bewertung durch Vorgesetzte und Kollegen
  • starken Perfektionismus und dauernden inneren Druck, „perfekt“ zu funktionieren
  • ein Gefühl von Blockiertsein und ständiger Anspannung

Diese Angst war nicht abstrakt, sondern sehr konkret:

„Ich hatte ein riesengroßes Thema damit, was auf der Arbeit Kollegen und Chefs von mir denken – die Bewertung meiner Leistung.“

Die Folge: Er suchte erneut Hilfe bei Psychologen und bekam Neuroleptika, die seine Angst zwar dämpften, aber die Ursachen nicht lösten. Die Symptome wurden bestenfalls „leiser“, die innere Dynamik blieb.

„Was denken die anderen?“ – Der gemeinsame Nenner vieler Ängste

Im Gespräch wird deutlich, wie stark dieses Thema bei vielen Angststörungen mitschwingt:

  • Angst, bei Schlafproblemen am nächsten Tag nicht zu leisten
  • Angst, sich bei Panik in der Öffentlichkeit (z. B. Supermarkt, Kasse) zu blamieren
  • Angst, bei Fehlern im Job schlecht bewertet zu werden

Christina bringt es auf den Punkt: Oft steckt hinter unterschiedlichen Symptomen dieselbe Wurzel – die Angst vor Blamage und Bewertung.

„Der Endgegner ist ja: Oh Gott, ich blamiere mich irgendwie vor den anderen.“

Burnout, Brain Fog und Erschöpfung: Wenn der Körper nicht mehr kann

Nach Ausbildung und Studium schien es zunächst bergauf zu gehen – doch im Angestelltenverhältnis holte Roman alles wieder ein. Seine Geschichte zeigt deutlich, wie langfristiger Stress und ungelöste Ängste in einen Burnout münden können.

Studium als Verschnaufpause – aber nicht als Lösung

Nach der belastenden Ausbildung entschied sich Roman für ein BWL-Studium. Das war rückblickend eine seiner besten Entscheidungen, weil:

  • er für sich selbst verantwort­lich war
  • kein direkter Chef seine Leistung täglich beurteilte
  • er sich nicht ständig „vor anderen beweisen“ musste

„Im Studium hatte ich diese Angst halt nicht, weil ich da für mich selbst verantwortlich war.“

Er begann wieder mit Sport, reduzierte seine Medikation auf Mini-Dosierung und setzte sie nach dem Studium ganz ab. Die Schlafproblematik war in dieser Zeit kaum präsent. Doch die innere Angst vor Bewertung war nicht verschwunden – sie war nur weniger getriggert.

Vermeidung statt Konfrontation: Der Job als Postzusteller

Als nach dem Studium die ersten Praktika-Bewerbungen anstanden, wurde ihm klar, wie stark die soziale Angst noch war. Schon beim Lesen von Stellenanzeigen:

  • brach er in Tränen aus
  • fühlte sich von der Vorstellung, wieder in ein Unternehmen zu gehen, komplett überfordert
  • vermeidete den Schritt in ein Umfeld, in dem wieder tägliche Bewertung drohte

Aus Angst arbeitete Roman zunächst als Postzusteller – obwohl er fachlich problemlos in ein Unternehmen hätte gehen können.

Diese Vermeidung ist typisch bei Angststörungen: Kurzfristig fühlt sie sich entlastend an, langfristig hält sie die Angst in Gang.

Meditation als Wendepunkt – und doch nicht das Ende der Geschichte

Während der Zeit als Postzusteller begann Roman mit etwas, das sein Leben prägen sollte: Meditation. Er beschreibt heute zwei Phasen:

  • sein Leben vor der Meditation
  • sein Leben seit der Meditation

Durch die tägliche Praxis wurde er innerlich ruhiger, klarer, selbstbewusster. Vorstellungsgespräche, die ihn früher in Panik versetzt hätten, konnte er nun selbstsicher führen. Er dachte:

„Ich habe jetzt die Lösung, jetzt bin ich gesund, kann durchstarten.“

Doch mit dem Start in den neuen Job im Konzern schlug die alte Dynamik zurück – brutaler als erwartet.

Burnout: Erschöpfung, Brain Fog und Hoffnungslosigkeit

Ab dem ersten Arbeitstag im neuen Job waren die Schlafstörungen wieder da. Roman „überbrückte“ zunächst mit Schlafmedikamenten, arbeitete zwei Jahre mit massiven Schlafproblemen und rutschte langsam in einen Burnout:

  • mehrere Rehas
  • zwei Jahre Krankschreibung
  • starke Erschöpfungssymptome mehrmals täglich
  • Brain Fog und Konzentrationsprobleme
  • depressive Phasen mit Hoffnungslosigkeit

Er beschreibt seinen Zustand so:

„Drei, vier, fünf, sechs, sieben Mal am Tag hatte ich so einen richtigen Energieverlust, als ob mir die Energie rausgesaugt wurde. Ich war quasi wirklich gefangen in meiner Erschöpfung.“

Die Vorstellung, dass es „einfach wieder gut wird, wenn ich krankgeschrieben bin und wieder schlafe“, erfüllte sich nicht sofort. Sein Arzt formulierte etwas, das Roman erst später wirklich verstand:

„So lange, wie der Weg hineinging, so lange kann er auch wieder herausgehen.“

Selbstheilung, Mentaltraining und Neuroplastizität: Romans Weg aus der Angst

Romans Heilungsweg war kein einzelner Aha-Moment, sondern ein mehrjähriger Lern- und Veränderungsprozess. Zentral waren für ihn drei Säulen:

  • Regelmäßige Bewegung und körperliche Stabilisierung
  • tägliche Meditation und Mentaltraining
  • eine ganzheitliche Selbstheilungsstrategie mit Coaching, Ernährung und Entgiftung

Mentaltraining in der Praxis: So hat Roman sein Denken und Fühlen verändert

Roman beschreibt sehr konkret, was er unter Mentaltraining versteht und wie er es umgesetzt hat. Entscheidend war nicht eine „Wundertechnik“, sondern die Konsequenz im Alltag.

Sein Vorgehen sah zum Beispiel so aus:

  1. In einen entspannten Zustand gehen
    • Meditation über den Atem
    • Körper spüren, Achtsamkeit üben
    • den inneren Stress bewusst herunterfahren
  2. Affirmationen nutzen
    • positive, stärkende Sätze denken oder laut aussprechen
    • bewusst neue innere Botschaften etablieren
  3. Dankbarkeit trainieren
    • sich mit Dingen verbinden, für die er aufrichtig dankbar ist
    • Dankbarkeit nicht nur denken, sondern körperlich fühlen, z. B. im Herzen
  4. Positive Gefühle kultivieren
    • nicht nur die negativen Zustände betrachten
    • aktiv Raum schaffen für Selbstliebe, Verbundenheit, Hoffnung
  5. Situationen visualisieren
    • Angstsituationen (z. B. Vorstellungs­gespräche, Bewertungssituationen) innerlich durchspielen
    • bewusst souveränes, selbstsicheres Verhalten vorwegnehmen

Parallel dazu erschuf er sich ein tägliches „positives Grundrauschen“ aus Podcasts, Hörbüchern und inspirierenden Inhalten. Dazu gehörte auch „Angst unplugged“.

„Dass man immer wen hat, der einem ins Ohr erzählt, was möglich ist.“

Ganzheitlicher Ansatz: Körper und Psyche gemeinsam stärken

Neben Mentaltraining arbeitete Roman konsequent an seiner körperlichen Basis:

  • Sport und Bewegung (Ausdauer und Kraft)
  • Zusammenarbeit mit einer Heilpraktikerin
  • Nährstoffinfusionen, um Defizite auszugleichen
  • gezielte Entgiftungsprozesse für den Körper
  • bewusste Ernährungsumstellung

Für ihn war klar: körperliche Regeneration und innere Arbeit gehören zusammen.

Heilung ist Umlernen – kein magischer Schalter

Christina betont in diesem Gespräch einen Punkt, der vielen Halt geben kann: Heilung ist ein Umlernprozess, keine plötzliche Erleuchtung.

Sie beschreibt es so:

  • Das Gehirn ist neuroplastisch – es lernt durch Wiederholung.
  • Jede neue, gelassenere Reaktion auf ein altes Angstszenario verstärkt einen neuen „Trampelpfad“ im Gehirn.
  • Mit der Zeit wird das neue, ruhigere Verhalten automatisch.

Beispiel Krankheitsangst: Wenn du 50-mal auf ein neues Symptom anders reagierst – ruhiger, gelassener, ohne Panikspirale – wird genau diese Reaktion irgendwann zu deinem neuen Standard.

„Du wachst nicht an einem Tag auf und bist geheilt. Es ist ein Weg – aber es ist möglich, dass es irgendwann fast ganz weg ist oder dich nicht mehr belastet.“

Romans heutiges Leben: Mehr Ruhe, mehr Selbstbestimmung, mehr Vertrauen

Roman ist heute selbstständig und arbeitet mit Menschen, die ähnliche Themen haben wie er früher. Er schläft im Großen und Ganzen gut, obwohl er sich selbst weiterhin als sensibel beschreibt.

Was sich verändert hat:

  • Er hat ein umfangreiches Selbstheilungspaket, auf das er jederzeit zurückgreifen kann.
  • Er kann mit schlechten Nächten gelassener umgehen, ohne in Panik zu verfallen.
  • Er weiß, welche Tools ihm helfen: Natur, Joggen im Wald, Meditation, bestimmte Übungen.
  • Er fühlt sich erfüllter, ruhiger und souveräner als je zuvor.

„Ich bin unglaublich dankbar, dass ich diesen krassen Weg gegangen bin und dadurch meine Berufung gefunden habe.“

Ein besonderer Moment war für ihn, als er abends auf dem Sofa einen Film über Selbstwert sah und dachte:

„Oh wow, das hatte ich früher auch genauso – diese Grübeleien, Ängste, den inneren Kritiker. Und das ist alles nicht mehr da.“

Diese Erkenntnis hat ihm noch einmal gezeigt, wie weit er gekommen ist und dass man seinen Gedanken und Ängsten nicht ein Leben lang ausgeliefert sein muss.

Weitere Inhalte der Podcastfolge

  • Warum es so wichtig ist, dass Männer offen über Angst, Depression und Burnout sprechen.
  • Wie sich soziale Phobie im Alltag konkret anfühlt – vom Bewerbungsschreiben bis zur Teamrunde.
  • Weshalb „krankgeschrieben sein“ allein selten reicht, um wieder gesund zu werden.
  • Welche Rolle Grenzen setzen und Nein sagen beim Schutz vor Überforderung spielen.
  • Warum Krisen oft verdeckte Geschenke sind und das Leben danach sogar erfüllter sein kann.
Dies ist ein Podcast aus meiner Themenwelt „Angst & Überforderung". Du findest viele weitere hilfreichen Informationen und Tipps auf der Themenseite: „Angst & Überforderung"
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