„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.
Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️
In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Host Christina mit Meditationslehrer und Psychologe Peter Beer über seinen Weg aus Burnout, Panikstörung und Depression hin zu einem achtsameren, liebevolleren Leben. Die beiden teilen sehr persönliche Erfahrungen, konkrete Übungen und eine kurze Meditation, die du direkt mitmachen kannst.
Peter Beer ist Autor, Meditations- und Achtsamkeitslehrer sowie Psychologe. Früher war er Ingenieur in der Automobilbranche und steckte tief in Leistungsdruck, Perfektionismus und Dauerstress. Nach Burnout, Angsterkrankung und depressiver Phase hat er sein Leben radikal verändert.
Heute unterstützt er in seiner Online-Akademie und in Seminaren vor allem Menschen mit:
Sein Fokus: Mit Meditation, Achtsamkeit und einer liebevollen inneren Haltung wieder in die eigene Mitte finden.
Der wichtigste Wendepunkt in Peters Leben begann mit der Erkenntnis: „So geht es nicht mehr weiter.“ Aus einem vermeintlich sicheren Karriereweg wurde eine massive psychische Krise.
Peter studierte zunächst Elektro- und Informationstechnik, obwohl ihn das Studium innerlich kaum interessierte. Sein Antrieb war nicht Freude, sondern das Bild vom „sicheren Job“ und der Wunsch, zu funktionieren.
Die Folge:
Als er zum ersten Mal durch eine Prüfung fiel, brach das Bild vom unfehlbaren Leistungsträger zusammen – und der Stress wurde noch stärker.
Nach dem Studium stieg Peter als Ingenieur in die Automobilbranche ein – in ein Umfeld, in dem Stress und Überforderung fast normal waren. In seiner ersten Abteilung hatten von zwölf Mitarbeitenden vier einen Burnout. Trotzdem trug jede und jeder tapfer die Maske des Funktionierens.
Peter brachte in diese Umgebung bereits mit:
Die Situation eskalierte: Er wachte jeden Morgen um vier Uhr mit Panikattacken auf, schlief kaum, spielte im Job weiterhin den leistungsfähigen Ingenieur – und fühlte sich innerlich immer leerer.
Nach einer extrem belastenden Dienstreise, fast ohne Schlaf und voller Präsentationen, passierte der Wendepunkt. Peter erinnert sich an diesen Morgen mit 26 Jahren sehr genau:
„Ich stand vor dem Badezimmerspiegel, sah diesen jungen Mann mit tiefdunklen Augenringen und in mir hat alles geschrien: Es geht nicht mehr, ich kann nicht mehr, ich will nicht mehr.“
In derselben Sekunde tauchte ein zweiter Gedanke auf:
„Wie funktioniert eigentlich Leben? Das kann doch nicht sein, dass es mir so schlecht geht. Ich will herausfinden, was es braucht, um wirklich happy zu sein.“
Er ließ sich krankschreiben und begann eine intensive innere Forschungsreise:
Aus dieser Zeit entstand das Wissen und die Erfahrung, die er heute weitergibt.
Ein Kernstück von Peters Arbeit ist der achtsame Umgang mit Angst und starken Emotionen. Eine Einsicht zieht sich durch seine Geschichte:
Heilung geschieht nicht durch Kampf, sondern durch Annahme.
Peter beschreibt Achtsamkeit so:
Gerade bei Angst machen wir fast immer das Gegenteil:
Peter nennt diese Muster ungesunde Vermeidungsstrategien. Sie verstärken die Angst langfristig, statt sie zu lösen.
Viele glauben: Wenn ich nur hart genug kämpfe, verschwindet das Problem. Doch bei inneren Zuständen funktioniert das nicht.
Peter bringt es auf den Punkt:
„Wir denken, die Dinge lösen sich auf, wenn wir kämpfen. Aber die Dinge lösen sich auf, wenn wir nichts tun, wenn wir sie annehmen.“
Statt Kampf braucht es:
Ein häufiger Stolperstein: Man versucht zu akzeptieren, ist innerlich aber weiter im Widerstand.
Typischer innerer Dialog:
Das ist noch kein echter Frieden, sondern versteckter Kampf.
Heilung bedeutet für Peter:
Diese Haltung beschreibt er als „liebevolle, bewusste Präsenz“ – der Kern achtsamen Umgangs mit Angst und Panik.
Ein weiterer wichtiger Lernschritt für Peter war, seinen alten Leistungsmodus nicht einfach auf Achtsamkeit zu übertragen:
„Ich habe am Anfang versucht, mich durch Annahme durchzupuschen: Ich nehme jetzt alles an, ich stelle mich allem, ich mache das jetzt. Damit habe ich dieselben Strategien genutzt, die mich in den Burnout geführt haben.“
Stattdessen lernte er:
Diese innere Haltung fasst er so zusammen:
„Wenn wir auf dem Weg lernen, uns liebevoll anzunehmen, ist das ein unglaublich wertvolles Geschenk – eines, das viele Menschen ohne Krise nie bekommen.“
Burnout, Angststörung oder Depression können so – bei aller Härte – zu einem Auslöser für tiefe innere Reife werden.
Panikattacken in der Nacht, Aufwachen mit Herzrasen und das Gefühl, überhaupt nicht mehr richtig schlafen zu können – all das kennen viele Hörerinnen und Hörer von „Angst unplugged“. Peter teilt dafür eine sehr pragmatische und zugleich tiefgreifende Übung.
Wenn du nachts mit Angst, Unruhe oder Panik aufwachst, empfiehlt Peter:
Hintergrund: Nachts ist der Serotoninspiegel niedriger, Ängste können sich dann besonders stark anfühlen. Bewegung und Aktivierung helfen, das System zu regulieren.
Die Übung stammt aus tibetisch-buddhistischen Traditionen und ist speziell bei Angst und Panik sehr wirksam. Peter nennt sie eine seiner mächtigsten Übungen.
Geh folgendermaßen vor:
Dann wiederholst du diesen Rhythmus: „Es – ist – gut – Pause…“
Japa-Gehen arbeitet auf mehreren Ebenen gleichzeitig:
Geh so lange, bis die emotionale Intensität spürbar nachgelassen hat. Danach kannst du dich hinsetzen oder hinlegen und z. B. eine geführte Meditation hören.
Wichtig zu verstehen: Meditation ist nicht „verlorene Schlafenszeit“, sondern ebenfalls regenerierend.
Selbst wenn du nicht sofort wieder einschläfst, kann dich eine liebevolle Meditation am nächsten Tag deutlich stabiler und kraftvoller sein lassen. Entscheidend ist die innere Haltung gegenüber dem, was gerade da ist – nicht das starre Ziel, unbedingt schlafen zu müssen.
Christina ergänzt aus ihrer eigenen Erfahrung, dass ein inneres Mantra auch im Sitzen oder Liegen sehr hilfreich sein kann, zum Beispiel:
Falls du körperlich nicht aufstehen kannst (z. B. in einer Prüfung, im OP, im Wartezimmer), kannst du den Rhythmus auch innerlich herstellen – etwa durch:
Entscheidend ist, dass dein Geist eine freundliche, rhythmische Ausrichtung bekommt, statt im Katastrophenfilm zu versinken.
Auf die Frage nach seinen drei wichtigsten Learnings für ein glückliches Leben benennt Peter drei Schwerpunkte, die sich gegenseitig verstärken.
Peter bezieht sich auf die Lehre Buddhas: Das Leben beinhaltet Leid – doch es gibt eine Befreiung vom Leid. Für ihn bedeutet das:
Der Weg dorthin führt für ihn über Meditation und Selbsterkenntnis. In der Tiefe kennenlernen, was in uns „zuhört“ und bewusst ist – jenen Wesenskern, der nicht dauernd wechselt wie Gedanken und Gefühle.
Der zweite Pfeiler sind Beziehungen – zu anderen Menschen und zu sich selbst. Wenn wir unsere eigene Wesensnatur besser verstehen, entsteht mehr:
Gesunde, liebevolle Beziehungen nähren unsere seelische Gesundheit und unterstützen jede Heilung – besonders bei Angst, Burnout und Depression.
Der dritte Punkt ist ganz bodenständig: Bewegung.
Wir leben in Körpern, die evolutionär nicht dafür gedacht sind, den ganzen Tag im Bürostuhl zu sitzen, sich schlecht zu ernähren und nur „im Kopf“ zu leben. Bewegung hilft:
Achtsamkeit, Beziehung und Bewegung bilden so ein starkes Dreieck für ein erfüllteres Leben.
Christina und Peter sind beide Eltern eines dreijährigen Kindes. Die Frage: Wie bringt man Kindern Achtsamkeit bei?
Peters klare Antwort: Gar nicht über Erklärungen, sondern über Vorleben.
Kinder lernen am Modell, nicht über komplexe Konzepte. Sie spüren:
Peter beschreibt seinen Alltag so:
Diese Körpererinnerung von Frieden und Sicherheit ist oft viel wertvoller als jede „Achtsamkeits-Erklärung“.
Peter versucht seinem Sohn zu zeigen, dass alle Gefühle sein dürfen:
Er setzt nur so viele Grenzen wie nötig, aber nicht mehr als nötig. Gesellschaftliche Konditionierungen („So darf ein Kind nicht sein“, „das macht man nicht“) versucht er bewusst zu hinterfragen – und nicht einfach weiterzugeben.
Durch eine vertiefte Meditationspraxis, sagt Peter, bekommt man wieder ähnliche „Antennen“ wie Kinder:
Gerade im Zusammensein mit Kindern kann das anstrengend sein, aber auch ein riesiger Spiegel und Lernraum:
Die Einladung: Das nicht zu verurteilen, sondern als Teil des eigenen Heilungsprozesses zu sehen.
Am Ende der Episode führt Peter eine kurze, einfache Meditation an, die du jederzeit in deinen Alltag einbauen kannst. Sie dauert nur wenige Minuten und eignet sich gut als Einstieg in eine achtsamere Praxis.
Wenn du das nachmachen möchtest, suche dir einen ruhigen Ort. Wichtig: Nicht beim Autofahren oder an Maschinen anwenden.
Du kannst in diesem Zustand bleiben, solange es sich gut anfühlt, oder deine Augen wieder öffnen, dich strecken und in den Alltag zurückkehren. Wichtig ist nicht die Länge, sondern die Regelmäßigkeit und die liebevolle Haltung dir selbst gegenüber.
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