Toxische Positivität

ja oder nein?

30.05.2022
Angst Unplugged ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Christina spricht mit interessanten Interview Gästen über Themen rund um Ängste und Mentale Gesundheit und berichtet aus ihrem Weg aus Angst und Burnout.

„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Mein Name ist Christina Hillesheim und ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps & Übungen und inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie von Expert:Innen. Neue Folgen gibt es immer dienstags. Folge mir gerne, um keine neue Folge mehr zu verpassen.

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Inhalt

Toxische Positivität: Warum „Denk doch mal positiv“ oft mehr schadet als hilft

Willkommen bei „Angst unplugged“. In dieser Folge spricht Christina Hillesheim – Diplom-Soziologin, Buchautorin und Expertin für Angst und mentale Gesundheit – über ein Thema, das vielen Betroffenen von Angststörungen und Depressionen begegnet:
toxische Positivität.

Was als gut gemeinter Rat startet („Denk doch mal positiv“), kann sich schnell in Druck, Scham und noch mehr Leid verwandeln. Gleichzeitig betont Christina: Positive Gedanken sind nicht das Problem – entscheidend ist, wann und wie wir sie nutzen.

Was ist toxische Positivität – und was nicht?

Toxische Positivität ist ein ungesundes Extrem. Gemeint ist eine Haltung, in der es nur noch darum geht, immer positiv zu denken und das Leben „hellzureden“. Negative Gefühle und Gedanken haben darin keinen Platz, werden verdrängt oder als „schlecht“ bewertet.

Christina beschreibt es so: Wenn Menschen positives Denken als alleinige Lösung propagieren und alles andere ausblenden, kann das gefährlich werden – vor allem für Menschen mit Depressionen oder Angststörungen.

Typische Merkmale toxischer Positivität sind zum Beispiel:

  • Negative Gefühle werden abgewertet („Stell dich nicht so an“, „Das ist doch nicht so schlimm“).
  • Komplexe Probleme werden vereinfacht („Du musst nur positiv denken, dann wird alles gut“).
  • Leid wird individualisiert („Wenn du dich mehr anstrengen würdest, wärst du längst raus aus der Krise“).
  • Scham statt Mitgefühl: Betroffene fühlen sich falsch, schwach oder „defekt“, weil sie nicht „einfach umschalten“ können.

Damit grenzt Christina toxische Positivität klar von einem gesunden, konstruktiven positiven Denken ab:

  • Gesundes positives Denken erkennt alle Gefühle an, auch Schmerz, Trauer, Wut und Hoffnungslosigkeit.
  • Es versucht nicht, Leid zu leugnen, sondern fragt: „Was kann ich – im Rahmen meiner Möglichkeiten – gut für mich tun?“
  • Es geht nicht um Druck, sondern um Unterstützung und Selbstfürsorge.

Warum negative Gefühle so wichtig sind

Ein zentraler Punkt der Folge: Negative Gefühle sind kein Fehler im System, sondern ein wichtiger Teil unseres seelischen Gleichgewichts.

Christina greift dabei auch eigene Therapieerfahrungen auf. Ihre Therapeutin erklärte ihr:
Viele Depressionen entstehen durch unterdrückte Gefühle – etwa Trauer oder Wut, die nie ausgedrückt wurden.

Sie beschreibt es mit einem eindrücklichen Bild:

  • Der Wasserball unter Wasser: Du kannst einen Ball eine Zeit lang unter Wasser drücken, aber irgendwann schießt er mit doppelter Wucht nach oben. Genauso kommen unterdrückte Gefühle zurück.
  • Der Vulkan: Innere „Lava“ brodelt oft lange, bis der Druck zu groß wird und sich in einem Ausbruch entlädt – manchmal in Form einer Depression.

Ein weiterer Gedanke aus der Therapie hat sie besonders geprägt:
„Ich bin eigentlich wütend auf andere, drücke das aber nicht aus und richte die Wut dann auf mich selbst.“

Das zeigt, wie wichtig es ist, Gefühle ernst zu nehmen, statt sie wegzudrücken. Unterdrücken ist nie eine Lösung. Hilfreicher ist es,

  • Gefühle bewusst wahrzunehmen,
  • sie zu benennen,
  • ihnen Raum zu geben und
  • prüfend hinzuschauen: Was will mir dieses Gefühl sagen?

Denkfehler erkennen: Wenn der Kopf das Leben zur Hölle macht

Christina macht deutlich, dass Depressionen und Angststörungen ernsthafte Erkrankungen sind. Sie lassen sich nicht durch ein paar „gute Sprüche“ auflösen. Gleichzeitig gibt es einen Bereich, in dem viele Betroffene – begleitend zu Therapie – selbst ansetzen können:
kognitive Verzerrungen („Denkfehler“).

Ihre Therapeutin hat damals mit ihr gemeinsam das eigene Denken überprüft: Stimmen die Gedanken wirklich, oder sind sie eingefärbt von Angst, Selbstkritik und alten Mustern?

Typische Gedanken, die sie aus eigener Erfahrung kennt:

  • „Ich bin nicht gut genug.“
  • „Ich bin nicht schön genug.“
  • „Ich schaffe nicht genug.“
  • „Ich bin nicht erfolgreich genug.“

Christina sagt dazu sehr klar: „Unser Leben selbst zur Hölle machen wir uns oft mit unseren Gedanken.“
Diese Sätze sind meist nicht wahr, fühlen sich aber real an, weil sie sich tief eingebrannt haben.

Hilfreiche Schritte können sein:

  • Gedanken beobachten: Was denke ich in Momenten, in denen es mir besonders schlecht geht?
  • Wahrheitscheck: Stimmt das wirklich? Gibt es Beweise für das Gegenteil?
  • Perspektive wechseln: Würde ich das so zu einer guten Freundin sagen?
  • Neue, realistischere Gedanken üben: nicht rosarot, sondern wohlwollend und näher an der Realität.

Christina betont, dass diese Arbeit bei mittelschweren bis schweren Depressionen idealerweise begleitet durch eine Therapie stattfinden sollte.
Aber sie ist überzeugt: Auch Menschen mit Depressionen können ihr Denken hinterfragen – behutsam, in ihrem Tempo und mit Unterstützung.

Zwischen Empowerment und Verantwortung: Was du selbst tun kannst

Christina macht ihre Haltung klar: Sie will keine Depression heilen und keine Therapie ersetzen. Sie ist große Befürworterin von professioneller Hilfe und hat selbst Therapie gemacht.

Gleichzeitig verteidigt sie das Recht auf Selbstwirksamkeit:

„Es tut gut, wenn man Selbstwirksamkeit erfährt – wenn man merkt: Ich kann selbst etwas für meine mentale Gesundheit tun.“

Sie erzählt auch von Kritik, die sie erreicht hat: Der Vorwurf, Menschen mit Depressionen dürften an ihren Kursen oder Workshops nicht teilnehmen, sie bräuchten ausschließlich ärztliche Hilfe.
Das hat sie tief getroffen, weil es genau dem widerspricht, was sie vermitteln möchte.

Ihre Kernbotschaften dazu:

  • Therapie ist wichtig – und oft unverzichtbar.
  • Zusätzliche Unterstützung wie Kurse, Workshops oder Podcasts können begleitend wertvoll sein.
  • Menschen mit Depressionen oder Angststörungen sollten nicht entmündigt werden. Ihnen pauschal abzusprechen, etwas für sich tun zu können, ist nicht hilfreich.
  • Selbstfürsorge bleibt wichtig – auch und gerade nach einer Therapie, wenn diese endet.

Christina spricht aus eigener Erfahrung mit generalisierter Angststörung und mittelschwerer Depression. Für sie war es entscheidend, nach den schlimmsten Phasen Schritt für Schritt wieder in die eigene Kraft zu kommen:

  • sich Wissen über Angst und mentale Gesundheit anzueignen,
  • eigene Muster zu verstehen,
  • kleine, machbare Schritte im Alltag zu gehen,
  • und zu spüren: „Ich kann mir selbst helfen – nicht alleine, aber auch nicht ohnmächtig.“

Damit macht sie deutlich, wo die Grenze zur toxischen Positivität verläuft: Nicht in der Idee, dass Veränderung möglich ist, sondern in der Haltung, mit der diese Möglichkeit vermittelt wird.
Respekt, Mitgefühl und Realismus bleiben die Basis.

Weitere Inhalte der Podcastfolge

  • Wie Sätze wie „Reiß dich mal zusammen“ Betroffene zusätzlich verletzen.
  • Warum es keine schwarz-weiß-Lösungen bei Positivität gibt, sondern viele Grautöne.
  • Christinas eigener Weg aus Burnout, Angststörung und Depression.
  • Warum positive Affirmationen erst dann sinnvoll sind, wenn Gefühle zuvor angeschaut wurden.
  • Weshalb Sichtbarkeit für mentale Gesundheit – auch über Podcasts – so wichtig ist.
Dies ist ein Podcast aus meiner Themenwelt „Angst & Überforderung". Du findest viele weitere hilfreichen Informationen und Tipps auf der Themenseite: „Angst & Überforderung"
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