„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps und Übungen, inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie (Experten) Interviews.
Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️
In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Christina Hillesheim mit Malerin, Illustratorin und Kreativmentorin Julia Fremder über Todesängste, seltene Gendefekte, eine lebensrettende Herz-OP – und darüber, wie kreatives Schaffen ihr Nervensystem beruhigt und ihr Leben gerettet hat.
Die Folge richtet sich an dich, wenn du
Julia Fremder ist Malerin, Illustratorin und Kreativmentorin. Seit ihrer Kindheit arbeitet sie künstlerisch, hat Kommunikationsdesign und Illustration studiert und u. a. ein Stipendium in New York erhalten. Heute begleitet sie Menschen dabei, über Kreativität Ängste abzubauen, ins Spüren zu kommen und innere Stabilität aufzubauen.
Ihre Geschichte ist geprägt von wiederholten Schicksalsschlägen: Der plötzliche Tod ihres Onkels, ihres Bruders und ihrer Mutter, die Diagnose eines seltenen Gendefekts und eine große Herzoperation haben sie in existenzielle Krisen gestürzt – und genau daraus ist ihre heutige Arbeit mit Kreativität, Nervensystem und Angstbewältigung entstanden.
Über zehn Jahre lang erlebt Julia immer wieder traumatische Verluste. Onkel, kleiner Bruder und Mutter sterben plötzlich an inneren Gefäßrissen. Erst nach dem Tod ihrer Mutter erhält Julia die Diagnose: ein seltener Gendefekt, bei dem die Gefäße instabil sind und es leichter zu lebensbedrohlichen Aneurysmen kommen kann.
Ihre Worte dazu: „Ich hatte wirklich mit dieser maximalen Angst zu kämpfen, dass in mir jederzeit etwas reißen könnte. Ich dachte: Bitte könnt ihr mir alle meine Gefäße rausoperieren? Ich kann so nicht leben.“
Lange bleibt unklar, was genau in der Familie die Todesfälle verursacht. Erst nach mehreren Obduktionen und vielen Spekulationen wird festgestellt, dass ein seltener Gendefekt vorliegt, der die Gefäße schwächt. Für Julia bedeutet das:
Gleichzeitig macht Julia eine entscheidende Erfahrung: Eine Diagnose ist keine Prognose.
Ärztliche Einschätzungen sind wichtig, aber sie sind keine absolute Vorhersage über dein Leben. Weder Ärzt:innen noch du kennst in einer akuten Krise das volle Potenzial deines Körpers und deiner Regenerationsfähigkeit.
Trotz ihrer Angst entscheidet Julia sich, für ihr Leben loszugehen:
Eine Oberärztin sagt zu ihr einen Satz, der ihr bis heute Halt gibt:
„Ihre Seele ist wie ein Muskel. Sie wird lernen, damit zu leben. Gerade weil jetzt erkannt ist, was Sie haben, haben Sie mehr Möglichkeiten als Ihre Familie.“
Wichtige Learnings aus Julias Geschichte:
Julia unterscheidet klar zwischen starker Angst und einer Panikattacke. Beide Zustände brauchen Unterstützung, aber in einer Panikattacke brauchst du vor allem schnelle, körperlich spürbare Werkzeuge, um dein Nervensystem zu beruhigen.
Julia hat sich im Laufe der Jahre einen individuellen „Notfallkoffer“ aufgebaut. Einiges davon kannst du sofort ausprobieren:
Im Alltag – besonders am Arbeitsplatz oder unterwegs – hilft Julia eine Notfallkarte, die sie immer bei sich trägt.
Darauf stehen zum Beispiel:
Diese Zettel helfen, die Amygdala (das Angstzentrum im Gehirn) Stück für Stück zu beruhigen. Sachargumente wirken dort nur begrenzt, aber in Kombination mit Körperübungen, Bildern und wiederkehrenden Sätzen können sie sehr kraftvoll werden.
Julia beginnt in einer Phase maximaler Not mit Affirmationen – obwohl sie anfangs kein Wort davon glaubt.
Ein Beispiel: „Ich habe ein Recht auf ein gesundes, glückliches und freies Leben.“
Am Anfang denkt sie nur: „Bullshit. Das werde ich nie wieder haben.“ Trotzdem spricht sie die Sätze jeden Tag, mehrfach. Nach etwa drei Monaten passiert etwas Spannendes:
„Mein Gehirn hat gemerkt: Wenn sie sich das jeden Tag sagt, könnte ja vielleicht doch etwas dran sein.“
Es entsteht langsam wieder Hoffnung. Die innere Programmierung beginnt sich zu verändern, ohne dass sie von Anfang an daran glauben musste.
Für dich bedeutet das:
Schon im Krankenhausbett nach der Herz-OP beginnt Julia zu zeichnen. Sie ist schwach, kann kaum sitzen – aber in den Momenten des Zeichnens passiert etwas:
„Ich war in diesen Momenten schmerzfrei, seelisch und körperlich – trotz aller Sorgen, trotz des Traumas.“
Julia beschreibt kreatives Arbeiten wie eine Raumkapsel:
Sie nutzt Kreativität überall:
Wichtiger Punkt: Es spielt keine Rolle, ob du „gut“ malen kannst. Es geht nicht um Leistung, sondern um Wirkung auf dein Nervensystem.
Beim achtsamen, meditativen Zeichnen entsteht oft ein sogenannter Flow-Zustand. Du bist konzentriert, aber entspannt. Dein Gehirn schaltet in eine Alpha-Frequenz, die mit innerer Ruhe und leichter Trance verbunden ist.
Das unterstützt unter anderem:
Christina beschreibt es so: Kreative Tätigkeiten – bei ihr war es z. B. Häkeln, DIY und Schreiben – haben ihr im Burnout und bei Krankheitsängsten enorm geholfen, den Kopf „umzupolen“ und das Nervensystem herunterzufahren.
Ein verbreiteter Glaubenssatz: „Ich bin nicht kreativ“ oder „Ich kann nicht zeichnen“. Genau das entkräftet Julia immer wieder:
Wirkung: Du fokussierst deine Hände und Augen – und entziehst ängstlichen Gedanken für eine Weile deine Aufmerksamkeit. Gleichzeitig entsteht etwas Eigenes, das dir zeigt: Ich kann gestalten. Ich kann erschaffen.
Besonders hilfreich ist meditativer Umgang mit Stift und Papier an Orten, an denen du dich ausgeliefert fühlst, zum Beispiel:
Statt dich der Angst komplett zu überlassen, kannst du:
So entsteht ein aktiver Entspannungszustand – für Menschen, denen klassische Meditation schwerfällt, ist das oft der viel leichtere Zugang.
Über Akuthilfe hinaus braucht dein Nervensystem langfristige Fürsorge. Julias Erfahrung: Es reicht nicht, nur in Krisen zu reagieren – du brauchst Regelmäßigkeit, damit dein inneres „Stressglas“ gar nicht erst überläuft.
Neben Kreativität setzt Julia auf:
Christina beschreibt es mit zwei Wassergläsern:
Regelmäßige Nervensystempflege – durch Atmung, Kreativität, Körperarbeit, Schlaf und Unterstützung – sorgt dafür, dass dein „inneres Glas“ nicht permanent randvoll ist.
Julias Botschaft ist klar: Du trägst Verantwortung für dich – aber du bist nicht schuld an deiner Krankheit oder Angst.
Verantwortung bedeutet:
Gleichzeitig betont sie: Auch mit einer schweren Diagnose ist es nicht „das Ende“. Du kannst immer noch sehr viel verändern, gestalten und verbessern – medizinisch, emotional, mental und kreativ.
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