Bin ich wirklich körperlich krank oder ist es nur Angst?

22.09.2025
Folge 370 | Bin ich wirklich körperlich krank oder ist es nur Angst?

„Angst Unplugged“ (ehemals „Einmal Burnout und zurück“) ist dein Podcast für Kopf, Körper & Nervensystem. Mein Name ist Christina Hillesheim und ich berichte in diesem Podcast über meinem Weg aus Burnout, Angst und Panikattacken zurück in ein glückliches Leben. Du bekommst hier hilfreiche Gedanken, umsetzbare Tipps & Übungen und inspirierende Geschichten anderer Betroffener sowie von Expert:Innen. Neue Folgen gibt es immer dienstags. Folge mir gerne, um keine neue Folge mehr zu verpassen.

Du kannst den Podcast komplett kostenlos anhören (bspw. auf Spotify) und ich würde mich sehr freuen, wenn du dem Podcasts folgst und mir eine Bewertung da lässt. Wie du das ganz einfach machen kannst, erkläre ich dir auf dieser Seite. Ich danke dir! ❤️

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Inhalt

Bin ich körperlich krank – oder ist es „nur“ meine Angst?

Viele Menschen mit einer Angststörung kennen diese quälende Frage:
Ist mit meinem Körper wirklich etwas nicht in Ordnung – oder spielen mir meine Ängste einen Streich?
In dieser Folge von „Angst unplugged“ spricht Christina Hillesheim darüber, wie du typische Angstsymptome von körperlichen Erkrankungen besser unterscheiden kannst –
ohne dabei auf eine ärztliche Abklärung zu verzichten.

Christina teilt ihre eigenen Erfahrungen als ehemalige Betroffene, gibt praktische Hinweise und zeigt,
warum es so wichtig ist, deinem Körper wieder mehr zu vertrauen.

Typische Anzeichen für Angstsymptome

Ein zentrales Merkmal von Angstsymptomen ist ihre enge Verbindung zu deinen Gedanken, deiner Aufmerksamkeit und deiner aktuellen Belastungssituation.
Oft haben sie keinen klaren körperlichen Auslöser, sondern hängen stark mit deinem inneren Erleben zusammen.

1. Plötzliches Auftreten und situationsabhängige Verschlimmerung

  • Die Beschwerden tauchen scheinbar aus dem Nichts auf.
  • Sie werden stärker, wenn du unter Stress stehst oder dich unwohl fühlst.
  • Bestimmte Situationen (z. B. Menschenmengen, Arztbesuche, öffentliche Verkehrsmittel) können die Symptome verstärken.

Typisch ist auch: Je mehr du dich auf ein Symptom konzentrierst, desto stärker nimmst du es wahr.
Du liest etwas über ein Symptom – und plötzlich hast du es selbst. Diese Suggestibilität ist sehr häufig bei Angstpatient:innen.

2. Wechselnde, diffuse Beschwerden

Christina beschreibt es so:

Mal kribbelt es hier, dann wieder da. Mal ist es Schwindel, dann ein Ziehen, dann ein Kribbeln – du hast nicht ein einziges klares Symptom, sondern ganz viele wechselnde.

  • Die Symptome wandern: heute der Arm, morgen das Bein, dann wieder der Brustbereich.
  • Es handelt sich häufig um eher diffuse Empfindungen wie Kribbeln, Druckgefühle, Schwindel, innere Unruhe.
  • Du hast nicht „die eine“ Beschwerde, sondern eine ganze Palette wechselnder Symptome.

3. Besserung durch Ablenkung und Entspannung

Ein sehr wichtiges Unterscheidungsmerkmal:
Angstsymptome werden schwächer, wenn deine Aufmerksamkeit woanders ist.

  • Wenn du abgelenkt bist, mit Freund:innen redest, im Flow bei einer Tätigkeit bist, werden die Beschwerden oft deutlich weniger.
  • Entspannungsübungen, Atemtechniken oder Bewegung können eine spürbare Erleichterung bringen.
  • Wenn du wieder anfängst, darüber nachzudenken, wird alles erneut schlimmer: Der Angstkreislauf springt an.

Du merkst vielleicht auch: Die Angst selbst macht wieder Angst.
Die Symptome lösen Angst aus, die Angst verstärkt die Symptome – ein Teufelskreis, der dir zusätzlich das Gefühl gibt, ernsthaft krank zu sein.

Typische Anzeichen für eher körperliche Ursachen

Jede ernstzunehmende oder anhaltende Beschwerde gehört ärztlich abgeklärt. Trotzdem kann dir ein Blick auf
typische Muster helfen, deine Wahrnehmung besser einzuordnen.

1. Konstante, anhaltende Beschwerden

  • Die Symptome sind ständig da, egal, ob du gestresst oder entspannt bist.
  • Ablenkung, Entspannung oder bewusste Atmung verändern sie kaum oder gar nicht.
  • Sie sind über längere Zeit relativ gleichbleibend oder werden objektiv eher schlimmer.

Christina fasst es zusammen:
Symptome, die krankheitsbedingt sind, kann man nicht zwischendrin einfach mal vergessen.

2. Unabhängigkeit von Aufmerksamkeit und Angst

Körperliche Beschwerden treten oft unabhängig davon auf, ob du gerade daran denkst.

  • Sie sind auch da, wenn du innerlich ruhig bist.
  • Deine Angst spielt dabei keine Hauptrolle, sondern entsteht häufig erst nachträglich, weil du die Symptome bemerkst.
  • Die Beschwerden wirken eher „eigenständig“ und nicht wie eine direkte Reaktion auf Grübeln oder Katastrophengedanken.

3. Konkrete körperliche Auslöser

Körperliche Ursachen haben oft nachvollziehbare Auslöser, die nichts mit Angst zu tun haben:

  • Hitze: Dein Kreislauf reagiert, dir wird schwindelig oder übel.
  • Flüssigkeitsmangel: Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrationsprobleme.
  • Andere klar erkennbare medizinische Faktoren.

Christina erklärt:
Wenn dir z. B. schwindelig wird, weil du zu wenig getrunken hast, bist du nicht automatisch krank –
aber der Schwindel kommt eben nicht primär von der Angst, sondern vom Flüssigkeitsmangel.

Angst vor Krankheiten: Wie du aus der Spirale aussteigst

Gerade Menschen mit starker Angst vor Krankheiten drehen sich gedanklich immer wieder im Kreis:
Arztbesuche, Untersuchungen, ständiges Hinterfragen – und trotzdem keine echte Beruhigung. Christina kennt das aus eigener Erfahrung sehr gut.

1. Ärztliche Abklärung – und dann Vertrauen üben

Natürlich gilt:
Anhaltende oder neue, ungeklärte Beschwerden gehören immer in ärztliche Hände.
Doch viele Angstpatient:innen waren bereits mehrfach beim Arzt, haben unauffällige Befunde – und können es trotzdem nicht glauben.

Was du üben darfst:

  • Ärztliche Einschätzungen ernstnehmen und nicht direkt wieder anzweifeln.
  • Nicht wegen jedes Mini-Symptoms alle zwei Wochen in der Praxis erscheinen.
  • Bewusst den Schritt gehen: „Ich entscheide mich, meinem Körper mehr zu vertrauen.

2. Symptom-Tagebuch führen

Ein Symptom-Tagebuch kann dir helfen, Abstand zu gewinnen und Muster zu erkennen:

  • Notiere Wann?, Was? und Wie stark? (z. B. Skala 0–10).
  • Halte fest, was du gerade gemacht oder gedacht hast, als das Symptom auftrat.
  • Schau nach einigen Wochen zurück: Welche Symptome sind einfach verschwunden? Welche tauchen nur in Stressphasen auf?

Oft stellst du dann fest:
Das „krasse Symptom“ von vor zwei, drei Wochen ist plötzlich weg oder kaum noch da.
Diese Erkenntnis stärkt dein Vertrauen, dass nicht jede Empfindung ein Zeichen für eine schwere Krankheit ist.

3. Die Googlespirale bewusst unterbrechen

Ein großer Verstärker der Angst ist das ständige Recherchieren von Symptomen im Internet. Dort findest du für jedes Kribbeln
eine mögliche Katastrophe – und dein Nervensystem reagiert entsprechend.

Christinas Empfehlung:

  • Setze dir eine klare Regel: 24 Stunden nicht googeln, sobald ein Symptom auftaucht.
  • Nutze diese Zeit für Ablenkung, Erdungsübungen, Bewegung oder Entspannung.
  • Beobachte, wie sich die Beschwerden nach 24–48 Stunden entwickeln.

Oft merken wir schon nach 24 oder 48 Stunden, dass die Beschwerden einfach weg oder deutlich besser sind,
wenn wir die Spirale unterbrechen.

4. Erdung und positive Selbstbotschaften

Einfache Erdungs- und Bodenübungen können deinem Nervensystem signalisieren: Du bist sicher.

  • Bewusst atmen, Füße am Boden spüren, im Raum orientieren.
  • Dir innerlich oder laut sagen: „Ich bin sicher. Mein Körper ist grundsätzlich gesund. Es ist gerade nur Angst.“
  • Wiederkehrende Affirmationen nutzen, um dein Vertrauen in dich und deinen Körper zu stärken.

Das braucht Zeit, Übung und Geduld – aber jede kleine Wiederholung trainiert dein Nervensystem in Richtung mehr Gelassenheit.

Wenn die Angst vor dem Ernstfall übermächtig wird

Viele Angstpatient:innen kennen den Gedanken: „Was, wenn es dieses Mal doch ernst ist?“
Besonders bei Herzsymptomen ist die Sorge groß, etwas zu übersehen.

Christina teilt dazu ein Bild aus einem Workshop mit Dr. Thomas Peter:

Wenn man zum Beispiel einen Herzinfarkt bekommt, dann denkt man nicht mehr darüber nach, ob man einen Herzinfarkt bekommt –
dann hat man einen.

Was dahintersteckt:

  • Im echten akuten Notfall stehen massive körperliche Symptome im Vordergrund, nicht das Grübeln, ob es vielleicht ernst sein könnte.
  • Bei Angst ist es oft umgekehrt: Die Gedanken und die Panik sind übermächtig, die körperlichen Symptome sind zwar da,
    aber im Vergleich zur Angst häufig weniger dominant.
  • Wenn du schon länger mit Angststörungen zu tun hast, kennst du meist dieses Muster von „Soll ich jetzt in die Notaufnahme oder nicht?“.
    Allein dieses Hin und Her ist ein starkes Zeichen dafür, dass Angst eine große Rolle spielt.

Das heißt nicht, dass du nie in die Notaufnahme fahren darfst – sondern dass du lernen darfst,
die Dynamik deiner Angst zu erkennen und ernsthafte Notfälle von angstgetriebenen Katastrophengedanken besser zu unterscheiden.

Vergleiche auf Social Media: Warum sie deine Angst verstärken können

Im Community-Teil der Folge geht Christina auf eine Hörerfrage ein:
Jemand hat große Schwierigkeiten, sich von anderen abzugrenzen und erlebt starke Unzufriedenheit,
wenn er sich mit Menschen auf Social Media vergleicht.

1. Ständiger Vergleich: „Mit mir oder meinem Leben stimmt etwas nicht“

Typische Gedanken beim Scrollen durch Feeds oder beim Schauen von Serien:

  • „Andere haben perfekte Beziehungen – bei mir läuft es gar nicht so.“
  • „Andere lieben ihren Job 24/7 – irgendwas stimmt mit meinem Job nicht.“
  • „Alle fahren ständig in den Urlaub – ich nur einmal im Jahr. Ist mein Leben falsch?“

Diese Vergleiche erzeugen oft das Gefühl, nicht gut genug zu sein – bei Beziehung, Beruf, Lebensstil.
Für Menschen mit Ängsten kann das zusätzlich verunsichern und innere Unruhe verstärken.

2. Zwei wichtige Fragen, die du dir stellen darfst

Christina schlägt vor, ganz ehrlich hinzuschauen und zu unterscheiden:

  • Bin ich wirklich unzufrieden?
    Bin ich z. B. in einer unglücklichen oder toxischen Beziehung, in der ich mich nicht wohlfühle?
    Fühle ich mich in meinem Job dauerhaft schlecht? Dann ist es wichtig, das ernst zu nehmen und Veränderungen in Betracht zu ziehen.
  • Oder vergleiche ich mich einfach nur ständig?
    Will ich immer das, was ich gerade nicht habe, obwohl vieles in meinem Leben eigentlich in Ordnung ist?

3. Grenzen setzen und eigene Werte klären

Wir leben in einer Gesellschaft von „höher, schneller, weiter“ – es wird immer jemanden geben, der mehr hat:

  • Mehr Geld, ein größeres Haus, mehr Reisen, scheinbar harmonischere Beziehungen.
  • Selbst mit zehn Millionen auf dem Konto gibt es jemanden mit zwanzig Millionen.

Wichtiger als dieser permanente Vergleich ist:

  • Was ist dir persönlich wirklich wichtig im Leben?
  • Wie möchtest du leben – unabhängig davon, was andere zeigen?
  • Welche Inhalte auf Social Media tun dir gut, welche verstärken nur deine Unsicherheit?

Christina erinnert dich daran:

Lass dir gesagt sein: An dir ist alles richtig.
Du darfst lernen, dich innerlich abzugrenzen, weniger nach links und rechts zu schauen und deinen eigenen Weg zu würdigen.

Weitere Inhalte der Podcastfolge

  • Warum es völlig normal ist, dass die Unterscheidung zwischen Angst und Krankheit Zeit und Übung braucht.
  • Wie du liebevoll mit dir umgehst, wenn du dich selbst als „kleinen Hypochonder“ erkennst.
  • Warum Bestätigung von außen (Arzt, Umfeld) nie komplett die innere Selbstberuhigung ersetzen kann.
  • Einladung an die Community, eigene Erfahrungen und Strategien im Umgang mit Angstsymptomen zu teilen.
Dies ist ein Podcast aus meiner Themenwelt „Angst & Überforderung". Du findest viele weitere hilfreichen Informationen und Tipps auf der Themenseite: „Angst & Überforderung"

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